"Man darf sich nicht zum Sandsack machen lassen"

"Man darf sich nicht zum Sandsack machen lassen"

Püttlingen. Mit einer Kennenlernrunde startete ein Frauen-Projekt bei der Köllertaler Integrationsstelle für Zuwanderer (KIZ) im Püttlinger Unternehmerzentrum. Die 34-jährige Olga Aamann aus Kasachstan, die als Hausfrau in Völklingen lebt, macht bei dem Projekt mit, weil sie "Kontakt zu anderen haben möchte", wie sie schildert

Püttlingen. Mit einer Kennenlernrunde startete ein Frauen-Projekt bei der Köllertaler Integrationsstelle für Zuwanderer (KIZ) im Püttlinger Unternehmerzentrum. Die 34-jährige Olga Aamann aus Kasachstan, die als Hausfrau in Völklingen lebt, macht bei dem Projekt mit, weil sie "Kontakt zu anderen haben möchte", wie sie schildert. Regina Schild, 29 und ebenfalls aus Kasachstan, wohnt in Elm und ist als Minijobberin beschäftigt. Sie sagte: "Ich will mal hören, was ich machen könnte." Außerdem wünscht sie sich als Frau mehr Selbstbestätigung. Tatjana Hempel, eine 36-jährige Schneiderin, auch sie aus Kasachstan, wohnt in Püttlingen. Sie erzählt, sie habe schon Rhetorik-Kurse bei der Referentin Ingrid Weitzel mitgemacht. Und weil ihr die Art der Psychologin gefallen habe, habe sie sich direkt auch für dieses Projekt angemeldet. Ingrid Weitzel war zwölf Jahre lang bei der GBF (Gesellschaft zur beruflichen Frauenförderung) in Saarbrücken tätig und hat dort Seminare für verschiedene Frauengruppen abgehalten. "Die Probleme, die Frauen haben, sind in der Regel nicht so verschieden", hatte sie in einem Vorgespräch gesagt und erklärt, dass Frauen, die lange nicht berufstätig waren, ganz ähnliche Probleme wie Migrantinnen hätten: Es fehle ihnen an Selbstsicherheit. "Sie wissen nicht, was ankommt, wie man sich in kommunikativen Situationen verhält." Die Psychologin hatte zum Einstieg sechs Fragen mitgebracht. Jede Teilnehmerin konnte ganz spontan erzählen, was ihr leicht oder schwer fällt, was sie gut oder nicht so gut findet, was ihr Angst und was Mut macht. Etliche Antworten könnten auch von deutschen Frauen stammen. So erklärte eine Teilnehmerin, dass sie Angst habe, bei Geschäften im Internet über den Tisch gezogen zu werden. Eine andere beschwerte sich darüber, dass es ihrem Mann nicht gefällt, wenn sie Bekanntschaften schließt. Man diskutierte auch über das Thema "Sprachprobleme als Hemmschuh" und überlegte, welche Gründe die Ablehnung von Fremden in Deutschland haben könnte. Eine Meinung dazu: "Die Lage in Deutschland hat sich verschlechtert, und man sucht Schuldige." Grundsätzlicher Tipp der Psychologin zum Schutz und Aufbau des Selbstwertgefühls: "Du musst dich verteidigen. Du darfst keinen Sandsack aus dir machen, den man schlagen kann. Du musst stolz darauf sein, dass du bist, wie du bist." Auch Positives gab es zu hören: Eine Teilnehmerin findet es schön, dass es in Püttlingen so familiär zugehe, dass hier jeder jeden grüßt. Ingrid Weitzel erklärte, sie wolle bei dieser Kennenlern-Geschichte auch feststellen, wo die Schwierigkeiten liegen. Vielleicht auch Wünsche, Vorstellungen und Ideen für die nächsten Abende bekommen. In einem Fall gab es auch sofort Hilfe: Eine der Frauen war etwas bange vor einem Termin in der Schule. Toni Job, Leiter der Stabsstelle Wirtschaft, Arbeit und Soziales sowie einziger männlicher Vertreter in dieser Runde, sagte prompt Hilfe zu. "Wir gehen mit Ihnen, damit der Rektor merkt: Sie sind nicht allein." Beim zweiten Termin soll es um "Frauenwünsche und Frauenwirklichkeiten" gehen, und der dritte Termin dreht sich um das Thema Kommunikation. Weitere Themen könnten sein: Stress oder die Frage, wie man Belastungen verarbeitet. Das Projekt wurde von Rosemarie Kelter, Vorsitzende des Deutschen Frauenrings Saar, initiiert. Mit von der Partie sind KIK-Leiterin Anne Trampert und die Püttlinger Frauenbeauftragte Anette Schneider. Unter den 15 Teilnehmerinnen war auch Aras Marouf, Kurdin aus dem Irak und Referentin für Integration und Zuwanderung beim Arbeitsministerium. hofInfos bei Anne Trampert, Tel. (0 68 98) 68 91 73.

Mehr von Saarbrücker Zeitung