Malergräfin im SelbstporträtHistoriker Manfred Stein findet fotografische Reproduktion

Dagstuhl. Es ist ein kleines Wunder, dass beide Bilder ihren Weg zurück an die Wirkungsstätte der Gräfin gefunden haben. Das Ölgemälde, das Octavie als Ehrenstiftsdame des bayrischen St.-Annen-Ordens zeigt, tauchte kurz vor der Eröffnung der großen Jubiläumsausstellung im Sommer 2011 auf. Der Besitzer aus Münster lieh es für den Zeitraum der Ausstellung aus

 Das restaurierte Selbstporträt der Malergräfin wurde an das Leibniz-Zentrum am Schloss Dagstuhl übergeben. Foto: Leibniz-Zentrum

Das restaurierte Selbstporträt der Malergräfin wurde an das Leibniz-Zentrum am Schloss Dagstuhl übergeben. Foto: Leibniz-Zentrum

Dagstuhl. Es ist ein kleines Wunder, dass beide Bilder ihren Weg zurück an die Wirkungsstätte der Gräfin gefunden haben. Das Ölgemälde, das Octavie als Ehrenstiftsdame des bayrischen St.-Annen-Ordens zeigt, tauchte kurz vor der Eröffnung der großen Jubiläumsausstellung im Sommer 2011 auf. Der Besitzer aus Münster lieh es für den Zeitraum der Ausstellung aus. Der Kunsthistoriker und Kurator Thomas Wiercinski integrierte das Gemälde kurzerhand direkt am Eingang des Schlosses in Dagstuhl in die Ausstellung. Einige Zeit danach entschied sich der Besitzer, das Selbstbildnis zu verkaufen. Über einen Sponsor konnte das Bild so in den Besitz des Leibniz-Zentrums für Informatik am Schloss Dagstuhl zurückkommen.Doch bevor es kürzlich offiziell übergeben wurde, musste es von Grund auf restauriert werden. Diese anspruchsvolle Aufgabe übernahm Diplom-Restaurator Axel Wieland. In welchem Zustand sich das Bild befand, erklärte er während der Übergabefeier: "Das Gemälde war auf eine Holzplatte geklebt und war darüber hinaus auch noch darauf festgetackert! Die Holzplatte musste zunächst mit Schreinerwerkzeugen von der Leinwand gelöst werden. Das war ein sehr schwieriges Unterfangen und erforderte größte Aufmerksamkeit, um die Leinwand nicht zu beschädigen." Um das Gemälde zu lösen, gibt es ein spezielles dünnes Papier, das durch Feuchtigkeit auf dem Gemälde befestigt wird. Danach kann man vorsichtig den Holzrücken entfernen. Nun beginnt die eigentliche Restaurierung: Die Malerei wird gefestigt und gesichert, der Überzug und ältere Retuschen werden mit Lösungsmitteln abgenommen. "Dabei ist größte Vorsicht geboten, sonst könnten Teile der alten Malerei verloren gehen. Auch für einen geschulten Restaurator wird es schwierig, eine einmal fehlende Locke wieder herbeizuzaubern", verriet Axel Wieland. Danach wird das Gemälde auf einen neuen Spannrahmen aufgespannt, Fehlstellen werden mit einem Leim-Kreidegrund gekittet und mit Aquarell- und Ölfarben retuschiert. Zuletzt erhält das Gemälde noch einen Schlussüberzug. Dies alles gelang mit großem Aufwand beim Selbstbildnis der Malergräfin Octavie de Lasalle. Aber nicht nur die Restauration dieses Bildes war ein schwieriges Unterfangen, wie Axel Wieland betonte. Es wurde ein Rahmen gesucht, der nicht nur zu dem Bild passt, sondern auch zu der Zeit, in der das Bild entstand. Glücklicherweise befand sich dieser passende Rahmen unter rund 800 anderen, sodass das Gemälde nun komplett wiederhergestellt ist.

Spannend ist auch die Geschichte des Bildes. Kunsthistoriker Thomas Wiercinski nahm die etwa 50 Gäste der Übergabefeier mit in das Leben der Malergräfin. Das Selbstbildnis zeigt sie als Ehrenstiftsdame. Nach der Einschätzung Wiercinskis stammt das Gemälde aus dem Jahr 1842. Für die junge Gräfin war es ein bewegtes Jahr. "Sie hatte Paris besucht und in München ein weiteres Mal an einer Ausstellung des Albrecht-Dürer-Vereins teilgenommen. Tief erschüttert wurde sie durch den frühen Tod ihres geliebten Bruders Wilhelm, der in Rom im September jenes Jahres gestorben war. Und zuvor, am 31. Juli 1842, war sie als Ehrenstiftsdame des St.-Anna-Ordens in München aufgenommen worden", erklärte Wiercinski. Im Unterschied zu einem anderen Selbstbildnis aus dem Jahr 1836 zeigt sich Octavie auf diesem Bild nicht von der Seite, sondern in strenger Frontalität.

Sie trägt die schwarze, reich mit Spitzen besetzte Tracht des Damenstifts, wie sie zu Kirchenfeierlichkeiten getragen wurde. Das Bild fügt sich in eine Reihe von Selbstbildnissen ein, einem der wichtigsten künstlerischen Themen der Malergräfin. "Das Selbstbildnis als Ehrenstiftsdame des St.-Anna-Ordens spiegelt, wie etliche ihrer Gemälde, die tiefreligiöse Haltung und karitative Einstellung der Künstlerin wider. Nicht nur war Octavie de Lasalle mit der Gründerin des Ordens der Franziskanerinnen von Waldbreitbach befreundet, sie leitete in Schloss Dagstuhl die Gründung des Elisabethen-Vereins, und die Lasalles gründeten ein Hospiz, aus dem später das Krankenhaus Wadern hervorgehen sollte", führte der Kunsthistoriker Thomas Wiercinski aus. Das neu entdeckte Selbstbildnis wird im neuen Jahr seinen endgültigen Platz im weißen Salon des Leibniz-Zentrums finden.

Dagstuhl. Doch nicht nur ein Original-Selbstbildnis der Malergräfin Octavie de Lasalle fand an diesem Abend seinen Weg zurück nach Dagstuhl. Manfred Stein, der sich seit Jahrzehnten in seiner Freizeit mit der saarländischen, rheinland-pfälzischen und thüringischen Landesgeschichte beschäftigt, hat bei einer Bildrecherche auf den Internetseiten des Rheinischen Bildarchivs Köln unerwartet ein Selbstporträt der Octavie de Lasalle von Louisenthal gefunden.

Dieses Porträt war in den bisher veranstalteten drei Octavie-Ausstellungen als Exponat nicht vertreten. Auch in dem Octavie-Werkverzeichnis von Günther Molz und der Regionalliteratur zum Thema Octavie de Lasalle von Louisenthal kommt diese Abbildung nicht vor. Nach einigen Bemühungen erteilte das Bildarchiv im Oktober 2011 die Genehmigung für eine zweckgebundene Reproduktion des Fotos. Mit der Bildübergabe kurz vor Weihnachten kehre eine Reproduktion an den Ort zurück, wo das Original einst seinen Platz hatte, erklärte Stein. Obgleich es sich hierbei lediglich um eine fotografische Reproduktion in Schwarz-weiß handelt, ist es dennoch eine eindrucksvolle Bildquelle, die hinsichtlich des Originals auf größte Sorgfalt und überragendes künstlerisches Talent schließen lässt.

"Das Selbstbildnis als Ehrenstiftsdame des St.-Anna-Ordens spiegelt die tiefreligiöse Haltung und karitative Einstellung der Künstlerin wider."

Thomas Wiercinski,

 So wurde das Ölgemälde von der Holzplatte gelöst. Foto: Leibniz-Zentrum

So wurde das Ölgemälde von der Holzplatte gelöst. Foto: Leibniz-Zentrum

 Die Reproduktion eines bisher unbekannten Selbstbildnisses wurde ebenfalls übergeben. Foto: Sylvie Rauch

Die Reproduktion eines bisher unbekannten Selbstbildnisses wurde ebenfalls übergeben. Foto: Sylvie Rauch

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