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Mal motiviert der Glaube, mal eine Diät zum Verzicht

Mal motiviert der Glaube, mal eine Diät zum Verzicht

Saarbrücken. Gestern, am Aschermittwoch, begann wieder die traditionelle Fastenzeit vor Ostern. Vierzig Tage sollen gläubige Christen unter der Woche weder Fleisch essen noch feiern, um der vierzig Tage zu gedenken, die Jesus Christus betend und fastend in der Wüste verbrachte

Saarbrücken. Gestern, am Aschermittwoch, begann wieder die traditionelle Fastenzeit vor Ostern. Vierzig Tage sollen gläubige Christen unter der Woche weder Fleisch essen noch feiern, um der vierzig Tage zu gedenken, die Jesus Christus betend und fastend in der Wüste verbrachte.Heutzutage setzen sich viele Leute mit der Fastenzeit das Ziel, auf Alkohol, Süßigkeiten oder auch auf das Autofahren zu verzichten. Wir haben uns in Saarbrücken einmal umgehört, wie die Bürger fasten - und ob sie das überhaupt tun.

Rosi Kiefer (50), die wir bei ihrem Einkaufsbummel in der Saarbrücker Innenstadt trafen, ist es aus ihrer Kindheit gewöhnt zu fasten. "Ich komme aus einer sehr religiösen Familie, die in der Fastenzeit immer auf Fleisch verzichtet hat", erklärt uns die Angestellte. "Die Erziehung prägt in solchen Sachen immer sehr, deshalb versuche ich heute auch noch zu fasten. In diesem Jahr will ich mich gesünder ernähren, und fange im März damit an." Denn wenn es kalt ist, brauche man etwas Deftiges, Warmes zu essen, sagt Rosi Kiefer lachend.

Ganz anders sieht es Heike Kiesewetter aus Saarbrücken. Die junge Frau hat noch nie gefastet und sah nie einen Grund dies zu tun. "Ich weiß gar nicht, auf was ich verzichten sollte, denn Alkohol trinke ich nicht viel und Süßigkeiten esse ich auch kaum. Wenn ich rauchen würde, würde ich darauf verzichten", überlegt die Psychologin.

Ähnlich denkt die 21-jährige Ulrike Louis: "Um eine Diät zu machen, oder auf Schokolade und Alkohol zu verzichten, brauche ich keine religiöse Fastenzeit", sagt uns die Saarbrückerin. "Ich habe mal eine Diät gemacht und gefastet, aber wie gesagt nie in diesem bestimmten Zeitraum. Das ist mir absolut nicht wichtig", versichert die junge Rettungssanitäterin.

Der Rentner Anton Schommer würde zwar gerne auf seine Süßigkeiten verzichten, doch richtiges Fasten ist bei ihm rein aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich. "Ich nehme sehr starke Medikamente, die ich unmöglich auf nüchternen Magen nehmen kann", erklärt der 73-Jährige, der gerade mit seiner Frau in Saarbrücken einen Einkaufsbummel macht. "Zwar bin ich religiös, doch trotzdem habe ich noch nie wirklich gefastet."

Kurt Emser aus Saarbrücken nutzt die Fastenzeit häufiger. "Ich halte viel davon und faste gerne in der Zeit. Es fällt einem irgendwie leichter, wenn man weiß, dass in der Zeit mehr Leute fasten", findet der 54-jährige Künstler. Er versuche in den vierzig Tagen komplett auf Fleisch und Alkohol zu verzichten, allerdings nur für ihn selbst. "Ich weiß, dass die Fastenzeit einen religiösen Hintergrund hat, aber ich mache das wirklich einfach nur für mich."

Auch Christa Rehberger fastet in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern. "Für die Zeit nehme ich mir eine neue Diät vor", sagt uns die gebürtige Saarbrückerin. "Früher habe ich mal eine Woche der Fastenzeit in einem Kloster in der Pfalz verbracht. Damals habe ich nicht geredet und nur einmal am Tag eine Gemüsebrühe gegessen und getrunken." Das Fasten sei damals religiös motiviert gewesen, und heute mache sie das hauptsächlich der Gesundheit wegen.