1. Saarland

Mahnwache in Siersburg an der Gedenkstätte für die nach Gurs deportierten Juden nach der Schändung des Mahnmals durch Unbekannte

Nach Anschlag auf Gedenkstätte für deportierte Juden : Bürger protestieren in Siersburg gegen Antisemitismus

Nach der Schändung der Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Terrors der Nationalsozialisten in Siersburg durch unbekannte Täter in der Nacht zu Mittwoch (die SZ berichtete) sind am Donnerstagnachmittag rund 200 Bürger zu einer Mahnwache am Tatort zusammengekommen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete die Tat als „abscheulich“. Er erklärte in einer Mitteilung, die Schändung der Gedenkstätte sei „umso bitterer in diesen Tagen, in denen wir an die Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren erinnern“. Orte des Gedenkens wiesen nicht nur in die Vergangenheit. Sie seien Mahnmal für die Zukunft, erklärte Maas, in dessen Wahlkreis die Gedenkstätte liegt. „Aus der Erinnerung erwächst unsere Verantwortung für die Zukunft“, betonte Maas. Wenn Antisemitismus wieder auf dem Vormarsch sei, dann müssten sich die Bürger dem entschlossen entgegenstellen. Die Einladung zur Mahnwache an der Gedenkstätte zeige: „Die große Mehrheit der Menschen in Siersburg steht ein für Verständigung und Toleranz. Das ist ein wichtiges Zeichen.“

Der SPD-Fraktionschef im Saar-Landtag, Ulrich Commerçon, erklärte zu der Schändung: „Antisemitismus ist ein Verbrechen.“ Was in Siersburg geschehen sei, müsse „uns alle aufrütteln“. Gedenkstätten seien Symbole der Erinnerungskultur. „Sie geben den Opfern der Nazis Ort, Namen und Gesicht“, betonte Maas. Der Angriff auf jüdische Grab- und Gedenkstätten sei auch ein Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland. Auch der Antisemitismusbeauftragte Roland Rixecker (SPD), der Chef der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit Frank-Matthias Hofmann und der Siersburger Ortsvorsteher, Umweltminister Reinhold Jost (SPD), hatten die Schändung verurteilt.