Macht die Politik den Saarbrücker Zoo kaputt?

Macht die Politik den Saarbrücker Zoo kaputt?

Saarbrücken. Geht es nach dem neuen, aber noch nicht veröffentlichten Säugetiergutachten des Bundes-Agrarministeriums, dann sind die Mindestanforderungen an deutsche Zoos bald so hoch, dass Menschenaffen, Elefanten oder Eisbären wohl daraus verschwinden

Saarbrücken. Geht es nach dem neuen, aber noch nicht veröffentlichten Säugetiergutachten des Bundes-Agrarministeriums, dann sind die Mindestanforderungen an deutsche Zoos bald so hoch, dass Menschenaffen, Elefanten oder Eisbären wohl daraus verschwinden.Wie die Saarbrücker Zeitung berichtete, soll etwa ein Außengehege für bis zu zwei Nashörner dann mindestens 1000 Quadratmeter groß sein. Hinzu käme ein täglich erreichbares temperiertes Badebecken. "Wir haben zwar keine Nashörner, aber ich bin mir fast sicher, dass diese Anforderungen so gut wie kein Zoo in Deutschland umsetzen kann. Mindestanforderungen müssen sein, doch wir brauchen uns von irgendwelchen Gremien nicht vorführen zu lassen", sagt Richard Francke, der Direktor des Saarbrücker Zoos, und erklärt weiter: "Alle deutschen Zoos erfüllen die Mindestanforderungen an die Tierhaltung. Und das wird auch kontrolliert. Darüber hinaus versucht jeder Zoo alles zu tun, um die Tierhaltung noch zu optimieren. Doch das ist fast immer eine Frage des Geldes und des Platzes."

Zurzeit wird in Saarbrücken ein neues Außengehege für die Gorillas gebaut. Ende des Jahres soll es fertig sein. "Auch in diesem Fall halten wir uns an vorgegebene Richtlinien und investieren", sagt Francke, der für eine Überarbeitung des bestehenden Säugetiergutachtens ist. "Natürlich muss man das Gutachten an neue wissenschaftliche Erkenntnisse anpassen und von Zeit zu Zeit verändern. Doch es darf nicht sein, dass aus Mindestanforderungen plötzlich Anforderungen für eine optimale Haltung der Tiere werden. Das ist für die Zoos einfach nicht realisierbar. Gott sei Dank können Vertreter der deutschen Zoos im Bundestag unseren Standpunkt klarmachen", sagt Francke. Der Saarbrücker Zoo erfülle die Mindestanforderungen an Tierhaltung.

Sollte das neue Säugetiergutachten veröffentlicht werden, könnte das anders aussehen. Allerdings weist das Ministerium darauf hin, dass das Gutachten "nicht rechtsverbindlich" sei. Für Francke will das nichts heißen. "Aus so einem Gutachten ist doch schnell eine Verordnung gemacht. Noch einmal: Ich habe überhaupt nichts gegen eine sachliche Überarbeitung der Mindestanforderungen. Aber dieses Thema wird doch in der Politik wieder nur als Spielball benutzt. Warum sonst geht es mal wieder nur um die emotionalen Tiere wie Gorillas, Elefanten oder Eisbären? Wir haben auch andere Tiere in unseren Zoos."