Lyrik und Geometrie

Lyrik und Geometrie

Wieder hat Bernhard Giebel, Saarlouis, mit viel Gespür für Klasse meist junge, internationale Künstler zusammen geführt. Einige von ihnen begleiteten die Vernissage. Philologin und Journalistin Sabine Graf führte in die Ausstellung "Musik der Farben und Formen" ein.

Saarlouis. Für Bernhard Giebel ist Kunst ein Lebensgefühl. Er liebt "das Spiel mit den Gegensätzen, Formen und Farben." "Ich möchte die Lyrik mit der Geometrie vermählen", sagt er im Gespräch. Gemeint sind die Informelle und die Konkrete Kunst. Beide sollen "mit Lust" nebeneinander bestehen. Wichtig ist ihm nicht das Neue, nein, das Gute. Er sieht zu, "dass neue Musik ins Haus kommt und sagt: Der Klang ist schön", zitiert ihn Sabine Graf. Trotzdem eröffnet diese Ausstellung, für die Giebel den Titel "Musik der Farben und der Formen wählte, neue Perspektiven, die die Musikwissenschaftlerin spielerisch ins Licht rückte.

Sprache der Musik

Graf nimmt die Bilder und Objekte dieser Schau als "Notationen, Fixierung von Wahrnehmung, jeweils in eine Form gefügt, die für sich steht oder auf die anderen reagiert." Zur Auseinandersetzung mit den Kunstwerken bedient sie sich der Sprache der Musik, vergleicht die Ausstellung mit einer Suite oder auch einem Pasticcio, spricht von Farbklängen, die sich unterschiedlich zusammensetzen, und lenkt ihr Augenmerk zunächst auf Ines Silva, die "anstatt schwarzer Notenlinien, in denen sie die Tonfolge oder einen Akkord einträgt", Plastiken aus farbig gefärbtem Plexiglas komponiert. Sie brennt und ritzt Linien in das verformbare Material, verschachtelt Flächen, verschraubt Stäbe, lässt Raum für Veränderungen, sodass der Betrachter dem Kunstwerk aus eigener Anschauung im doppelten Sinn Bedeutung verleiht.

Auch die anderen Künstler bieten Gelegenheit, neue Bildräume zu erkennen und zu vervollständigen. Bis auf einige sehr schöne, lyrische Bilder aus dem Genre "Informelle Kunst", unter anderem von Ulrike Seyboth, Leander Kresse und Jean Ricardon, tanzen Vierecke, Dreiecke, Kreise und Linien, mal dezent, mal vordergründig, jedoch einvernehmlich im Reigen durch die Räume, denn immer ist es ein Miteinander, wenn auch jeder Künstler seinem Werk seinen Stempel aufdrückt.

Besonders ins Auge fallen die in Weiß, Rot, Blau gehaltenen quadratischen Objekte von Pierre Mavropoulos, die miteinander korrespondieren. Er wählt die einfarbige Bildfläche, die am rechten Rand von einer schwarzen Linie gehalten wird oder systematisch mit kleinen Dreiecken bespielt wird.

Wildheit von Farbe und Form

Dagegen springt einen die Wildheit von Farbe und Form in den Bildern von Ferruccio Gard geradezu an. Ähnlich wie der Grieche Mavropoulos setzt der Italiener seine Leinwände aus kleinen Modulen zusammen und erzeugt damit die Spannung. Gefühl und Kalkül befinden sich stets im Gleichgewicht, wie Sabine Graf trefflich resümiert. Wer die Ausstellung besucht, sollte sich "das Spiel zwischen Illusion und Konstruktion" bewusst machen und der Kunst lustvoll begegnen.

Bis 7. Oktober täglich außer donnerstags von 17 bis 19 Uhr, samstags, sonntags, feiertags von elf bis zwölf sowie von 17 bis 19 Uhr geöffnet.

Auf einen Blick

Die Künstler: Michel Seuphor, Paris; Ines Silva, Venezuela; Pierre Mavropoulos, Paris; Ulrike Seyboth, Berlin; Jean Ricardon, Besançon; Satoru Sato, Tome/Japan; Reinhold Braun, Karlsruhe; Leander Kresse, Düsseldorf; Ferruccio Gard, Venedig. jst