1. Saarland

Luxemburg, ein Paradies für Pflegekräfte

94 000 Euro Jahresgehalt : Luxemburg, ein Paradies für Pflegekräfte

Im Nachbarland verdienen Pfleger im Schnitt 94 000 Euro pro Jahr – mehr als doppelt so viel wie im Saarland. Vor allem die Region Trier bekommt das zu spüren.

Der Lohnunterschied zwischen Pflegekräften, die in Deutschland beschäftigt sind, und denen in Luxemburg, wird immer größer. Nach einer Statistik der luxemburgischen Behörde für soziale Sicherheit haben Krankenpfleger 2017 im Durchschnitt 93 841 Euro brutto pro Jahr verdient. 2013 lag das Gehalt noch bei 80 821 Euro brutto. Von solchen Gehältern können Pflegekräfte hierzulande nur träumen. An einem kommunalen Krankenhaus beträgt der Brutto-Jahresverdienst einer Pflegefachkraft zum Berufseinstieg (einschließlich Weihnachtsgeld) rund 36 000 Euro, nach zehn Jahren etwa 43 000 Euro. Eine erfahrene Stationsleiterin kommt auf rund 58 000 Euro – jeweils ohne Nachtzuschlag.

Das Gehaltsgefälle bekommen auch hiesige Krankenhäuser zu spüren. Der Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgesellschaft (SKG), Thomas Jakobs, berichtet, immer wieder würden Pflegekräfte abgeworben, vor allem Pflegekräfte mit einer Fachweiterbildung, zum Beispiel in Geriatrie oder Psychiatrie oder OP-Schwestern und Intensivpfleger. „Gegen diese Art der Bezahlung in Luxemburg kann kein Krankenhaus etwas machen“, sagte Jakobs. Einige Pflegekräfte kämen aber nach ein paar Jahren wieder zurück, weil sie merkten, dass Geld nicht alles sei. Auch seien die Mieten in Luxemburg höher. Nach Luxemburg zu pendeln, sei aber mit erheblichen Anstrengungen verbunden – jedenfalls wenn man nicht im nordwestlichen Zipfel des Saarlandes wohnt.

Nach Aussage von Dr. Christian Braun, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Klinikums Saarbrücken, war Luxemburg schon immer für Pflegekräfte interessant. Allerdings gebe es keinen Hinweis darauf, dass sich die Zahl der Pflegekräfte, die sich nach Luxemburg orientieren, signifikant erhöht habe.

Die Krankenhausoberin der Marienhausklinik in Saarlouis, Sabine Ruppert-Fürstos, sagte der SZ, sie führe mit jedem Mitarbeiter, der das Haus verlässt, ein Verabschiedungsgespräch – in den vergangenen fünf Jahren habe ihr aber nur ein einziger Mitarbeiter von einem Wechsel nach Luxemburg berichtet. Ruppert-Fürstos führt dies auf die Heimatverbundenheit der Saarländer zurück. Es ist also zumindest keine Massenbewegung im Gange.

Wesentlich größere Sorgen machen sich die Verantwortlichen in der Region Trier. Markus Mai, Präsident der Pflegekammer Rheinland-Pfalz, fordert, dass die Pflegekräfte in der Grenzregion mehr Geld bekommen und außertariflich bezahlt werden sollen. Mai, stellvertretender Pflegedirektor im Trierer Brüderkrankenhaus, hält einen Bruttolohn von bis zu 73 000 Euro für Pfleger für sinnvoll.

Der Kammerpräsident sagte, neben höheren Löhnen müsse die Zahl der Ausbildungsplätze deutlich erhöht werden. Und zwar zum einen in der Region, um die Zahl der abwandernden Pflegekräfte auszugleichen. Aber auch in Luxemburg müssten mehr Anstrengungen unternommen werden, um eigenes Pflegefachpersonal aus- und weiterzubilden. „Damit wäre auch schon viel geholfen.“

Laut den Zahlen der Sozialbehörde arbeiteten 2018 in luxemburgischen Krankenhäusern 8739 Beschäftigte, 760 davon kamen aus Deutschland. 965 aus Belgien, 1955 aus Frankreich, der Rest aus Luxemburg. Nur rund zehn Prozent der in Luxemburg beschäftigen Pflegekräfte haben dort auch ihre Ausbildung absolviert.

Seit 2013 hat sich die Zahl der deutschen Pendler, die in Luxemburg arbeiten, deutlich erhöht, von 39 000 auf 46 000 im vergangenen Jahr. Übrigens ist nicht nur bei den Pflegekräften der Gehaltsunterschied zu Deutschland deutlich. Auch Lehrer verdienen in Luxemburg deutlich mehr. Mit im Schnitt 98 000 Euro brutto pro Jahr bekommen sie dort über 40 000 Euro mehr als hierzulande.