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Lotto-Ziehung vom Halberg in Gefahr?

Lotto-Ziehung vom Halberg in Gefahr?

Kaum drei Monate ist es her, dass die TV-Ziehung der Lotto-Zahlen ins Internet und in ein Saarbrücker Studio verlegt wurde. Nun gibt es Probleme: Der deutsche Lotto-Block braucht für die Ziehung eine Rundfunklizenz, wird sie aber wohl nicht bekommen. Was nun?

Es gibt Ärger um die neue Lotto-Show im Internet, die seit knapp drei Monaten aus Saarbrücken übertragen wird: Die Landesmedienanstalten in Deutschland betrachten das Nachfolgeformat der Fernsehziehung auf der Internetseite "Lotto.de" als rechtswidrig.

Bei der Sendung, die zweimal pro Woche, samstags und mittwochs, in dem eigens auf dem Saarbrücker Halberg eingerichteten Studio aufgenommen wird, handelt es sich rechtlich gesehen um Rundfunk und dafür sei eine Lizenz erforderlich, die der deutsche Lotto-Block aber nicht habe und die man ihm auch nicht erteilen könne, sagte der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Jürgen Brautmeier, der Nachrichtenagentur dpa. Er bestätigte damit einen Bericht des "Hamburger Abendblatts" vom Montag. Brautmeier spricht für die 14 deutschen Landesmedienanstalten.

Grund für das Problem sind demnach die Eigentümerverhältnisse hinter der Toto-Lotto Niedersachsen GmbH, die stellvertretend für alle deutschen Lotto-Gesellschaften die Ausstrahlung der Ziehung im Netz übernimmt. "Hauptgesellschafter der Lotto Niedersachsen ist die Norddeutsche Landesbank, eine staatliche Bank", erklärte Brautmeier. Staatlichen Institutionen sei es nach dem Medienrecht untersagt, Rundfunk zu machen. Die Landesbank befindet sich mehrheitlich im Besitz der Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Auf dem Tisch liegen nach Angaben Brautmeiers voraussichtlich zwei Optionen: Die Lotto-Gesellschaft könne ihr Angebot auf der Internetseite eines Rundfunklizenzinhabers ausstrahlen - infrage komme zum Beispiel die ARD. Oder es biete die Ziehung zeitversetzt in einer Mediathek an, um nicht mit dem Rundfunkgesetz in Konflikt zu geraten.

Saartoto-Direktor Michael Burkert (SPD) bestätigte gestern der SZ, dass die Lottogesellschaften im Dialog mit den Landesmedienanstalten seien. Burkert brachte zum Ausdruck, dass Saartoto hoffe, einen Ausweg aus der rechtlichen Klemme zu finden. "Für uns wäre auch eine Übertragung der Lottoziehung auf den Internetseiten von ARD und ZDF ein vernünftiger Weg", sagte Burkert. Darüber hätten jedoch noch keine Gespräche stattgefunden. Den Lottogesellschaften liege sehr viel daran, dass die Lottoziehungen ein Millionenpublikum erreichten. Den Weg ins Internet seien die Lottogesellschaften nur gegangen, weil ARD und ZDF die "fatale Lage" geschaffen hätten, als sie die Lottoziehungen aus dem Programm kegelten.

Ende Juni wurden die 49 Kugeln nach fast 50 Jahren zum letzten Mal vor TV-Kameras gezogen. Seitdem strahlt der deutsche Lotto-Block die Ziehung live aus Saarbrücken via Internet aus. Sieben Produktionsgesellschaften aus ganz Deutschland hatten sich beworben, letztlich siegten Saartoto und die zum Saarländischen Rundfunk gehörende Produktionsfirma Globe TV klar mit ihrem Konzept. Der Vertrag läuft zunächst für zwei Jahre, mit Option auf Verlängerung. Seitdem führen "Lottofee" Nina Azizi und der erste deutsche "Lottoprinz" Chris Fleischhauer abwechselnd durch die Live-Ziehung vor Zuschauern auf dem Halberg.