1. Saarland

Lisdorfer Kirche soll wieder weiß strahlen

Lisdorfer Kirche soll wieder weiß strahlen

Lisdorf. Dem Besucher begegnet Kirche im Innenraum der Lisdorfer Kirche gleich zweimal. Die Gemeinde zieht sich von den Gottesdienstbesuchern um den Hauptaltar herum weiter zu den Verstorbenen, stellvertretend dargestellt durch Heilige in den drei Altarbildern. Beide zusammen, Lebende und Gestorbene, bilden eine Gemeinschaft um Christus, eben die Kirche, so beschreibt es die Theologie

Lisdorf. Dem Besucher begegnet Kirche im Innenraum der Lisdorfer Kirche gleich zweimal. Die Gemeinde zieht sich von den Gottesdienstbesuchern um den Hauptaltar herum weiter zu den Verstorbenen, stellvertretend dargestellt durch Heilige in den drei Altarbildern. Beide zusammen, Lebende und Gestorbene, bilden eine Gemeinschaft um Christus, eben die Kirche, so beschreibt es die Theologie. Diese Kirche ist nach katholischem Glauben ewig. Die andere Kirche ist das Gebäude, und das ist alles andere als ewig. Die Lisdorfer Pfarrkirche ist in ihrer Bausubstanz gesichert, aber der Innenraum braucht dringend eine Sanierung. Die Decke der barocken Halle läßt nur noch ahnen, dass sie mal weiß war. Diese Innensanierung wird die Pfarrei nun in Angriff nehmen.

280 000 Euro sollen die Arbeiten kosten. Der Dachraum bekommt eine Wärmedämmung, Elektroinstallation und Beleuchtung werden erneuert, der Putz wird saniert und schließlich wird angestrichen. Altar und Beichtstühle werden gereinigt. 130 000 Euro zahlt das Land. Staatssekretär Georg Jungmann überbrachte jüngst den Bescheid aus dem Konjunkturpakt II.

Bleiben immer noch 150 000 Euro. Das Bistum, so die Pfarrei, wird für die Innensanierung kein Geld bereitstellen. Wenn die Gemeinde ihre Kirche erhalten will, muss sie es selbst tun. In der Vergangenheit haben sich die rund 2200 Lisdorfer Katholiken ihr barockes Juwel einiges kosten lassen. Das trug stets Früchte: 1987 etwa wurde die leistungsfähige Orgel bezahlt, und aus dem Engagement enstand der Förderverein "Klingende Kirche". Er übt Anziehungskraft in der ganzen Region aus, die Orgel-Wettbewerbe zeigen weltweite Resonanz. Auch jetzt bezahlt dieser Verein 40 000 Euro für die Generalreinigung der Orgel.

Renoviert werden soll der Innenraum von August bis Dezember. Die Decke wird tief abgehängt, Gottesdienste können stattfinden. Zur Feier des 1100-jährigen Bestehens des Ortes 2011 soll alles fertig sein.

Die Kirche trägt das Patrozinium von Crispinus und Crispinianus. Deren Reliquien sollen schon im 10. Jahrhundert nach Lisdorf gekommen sein. Angeblich verschwanden sie im 30-jährigen Krieg im 17. Jahrhundert. Heute werden sie im Dom von Osnabrück gezeigt.

Das Kircheninnere überzeugt kunsthistorisch durch eine spätbarock-beschwingte, weitgehend einheitliche Ausstattung, zu der auch die Kirchenbänke aus den 1760er Jahren gehören.

Meinung

Mit viel

Vertrauen

Von SZ-Redakteur

Johannes Werres

Einst war eine Pfarrkirche ein Dreh- und Angelpunkt des örtlichen Lebens. Das ist sie nicht mehr, aber immer noch ein geistlicher Mittelpunkt, den nichts anderes ersetzen kann. Und eines ist die Lisdorfer Kirche auch geblieben, flapsig gesagt: Die Nase im Gesicht von Lisdorf. Das klingt besser als das Wort Wahrzeichen. Wo die Finanzkraft des Bistums absackt, und das wird wohl der Trend bleiben, müssen sich die Bürger selbst darum kümmern, ob ihnen das geistliche Wahrzeichen erhalten bleibt. Zum Vertrauen, eine solche Summe selbst zu stemmen, kann man Lisdorf nur gratulieren.

Der Turm wurde 1717, lange vor dem Kirchenschiff, gebaut.
Am Hauptaltar flankieren St. Crispinus und St. Crispinianus die Figur Christi. Am linken Altar wird Maria von St. Norbert und St. Johann Nepomuk gefasst, am rechten Josef von St. Nikolaus und St. Hubertus. Fotos: SZ/Gemeinde.