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In Saar-Uni-Kita waren Fugen giftbelastet
Linke fordert PCB-Entgiftung von Schulen

Jochen Flackus, parlamentarischer Geschäftsführer der Linken.
Jochen Flackus, parlamentarischer Geschäftsführer der Linken. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Nicht nur im Grubenwasser steckt das Gift. Die Linksfraktion fordert die Sanierung von Gebäuden. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Um das als Krebsauslöser geltende Gift PCB wird in der Grubenwasserdebatte heftig gestritten. Doch jetzt wird die diese Auseinandersetzung zwischen Opposition und Landesregierung, wie mit Messungen und Entgiftung zu verfahren ist, um ein weiteres Feld erweiterte. Die Linksfraktion im Saar-Landtag forderte gestern die CDU/SPD-Landesregierung auf, ein Konzept zur Sanierung PCB-belasteter Gebäude im Saarland vorzulegen. Auf eine Anfrage des parlamentarischen Geschäftsführers der Linksfraktion, des kurzzeitigen Saar-Linken-Chefs Jochen Flackus antwortete die Landesregierung, dass bislang keine systematische Untersuchung öffentlicher Gebäude im Saarland auf PCB erfolgt sei. „Der aktuelle Bestand steht derzeit nicht unter generellem PCB-Verdacht“, heißt es seitens der Landesregierung. „Experten rechnen damit, das bundesweit rund 20.000 Tonnen der giftigen und krebserregenden Polychlorierten Biphenyle (PCB) in Form von Fugendichtungsmassen in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Uni-Bauten und anderen öffentlichen Gebäuden verbaut worden sind", so Flackus. Bei Sanierungen und Umbauten im Bereich der Mensa der Saar-Uni seien mit PCB belastete Fugen festgestellt worden, so die Landesregierung. Die Messungen hätten durchweg Werte ergeben, die keinen akuten Sanierungsbedarf begründeten. „In den von den Umbaumaßnahmen betroffenen Räumen der Kitas wurden jedoch vorsorglich Sanierungsmaßnahmen an den belasteten Fugen durchgeführt“, hieß es. Es gebe für PCB „keine grundsätzliche Erkundungspflicht“.


Flackus kritisierte diese Haltung. „PCB wurde bis in die 80er Jahre hinein etwa in Transformatoren, Hydraulikanlagen sowie als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen verwendet“, so Flackus. Bis dahin seien die meisten Schulen, Krankenhäuser und Uni-Gebäude im Saarland errichtet worden. „Daher wäre es fahrlässig, nichts zu tun“. so Flackus.