1. Saarland

Liebeserklärung an einen Stadtteil

Liebeserklärung an einen Stadtteil

Hassel. "Hasel oder Hassel - ein Kuckuck erzählt." So lautet der spannende Titel, unter dem Elisabeth Pintarelli als Natur- und Landschaftsführerin des Biosphärenreservates Bliesgau durch ihren Heimatort führt. Doch hinter der Führung steckt mehr als nur ein Stadtrundgang: Herzblut nämlich

Hassel. "Hasel oder Hassel - ein Kuckuck erzählt." So lautet der spannende Titel, unter dem Elisabeth Pintarelli als Natur- und Landschaftsführerin des Biosphärenreservates Bliesgau durch ihren Heimatort führt. Doch hinter der Führung steckt mehr als nur ein Stadtrundgang: Herzblut nämlich. Die 49-Jährige, die oft von ihrem Enkel Mark (9) begleitet wird, erzählt nicht nur von den Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten ihres Stadtteils - sie lebt sie. Das fängt schon auf dem Marktplatz an. Hier beginnen ihre Touren. Als Erstes richtet Elisabeth Pintarelli den Blick auf die Schillerstraße. Dann zeigt sie alte Fotos, auf denen ein Haus anstelle der Straße zu sehen ist. "Das", verrät sie dann, "war mein Geburtshaus. Es wurde 1964 abgerissen". Anekdoten wie diese, die nirgendwo festgehalten wurden, machen die Tour so unterhaltsam. "An Hassel liegt mir unglaublich viel", sagt sie. Damit begründet sie auch ihre Tätigkeit als Naturführerin: "Die Führungen sollen helfen, Hassel besser kennenzulernen. Und die Geschichten, die dadurch warm gehalten werden, halten den Ort zusammen." Eine dieser Geschichten erzählt, wie aus Hasel Hassel wurde. Im Jahr 1901 wurde die Namensänderung offiziell gemacht. Dazu gibt es eine Überlieferung, die zwar nicht der Wahrheit entspricht, aber immer wieder gerne aufgetischt wird. So soll ein Schaffner der Reichsbahn aus Hasel Hassel gemacht haben. "Wenn er morgens aus dem Zug gestiegen ist, um den Stationsnamen auszurufen, rief er müde "Hasel". Aber abends, wenn alle schnell nach Hause wollten, stieß er hektisch den Namen ,Hassel' aus", schildert Pintarelli, die dabei stets den saarländischen Sprachschatz pflegt. "Die Leute würden mich für übergeschnappt halten, wenn ich hochdeutsch reden würde." Die Bahn spielt eine wichtige Rolle auf dem Rundgang durch Hassel. Denn ein Teil führt über die vor 145 Jahren angelegte Trasse nach St. Ingbert, wo zahlreiche Hasseler unter Tage arbeiteten.Dann der Kuckuck, der auf der Route von Elisabeth Pintarelli allgegenwärtig ist: durch den Kuckucksbrunnen im Ortskern, vor allem aber durch die Kuckucksmütze, die sie während der Führungen trägt. Der Kuckuck ist das Synonym der Hasseler, hergeleitet vom nahe gelegenen Gauchbachweiher (Gauch ist ein altes Wort für den Kuckuck). "Erst als die Seminare zum Natur- und Landschaftsführer ausgeschrieben wurden, und ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, merkte ich, wie viel ich selbst noch lernen kann", sagt Pintarelli, die beim Kulturamt St. Ingbert beschäftigt ist. obe

Auf einen Blick

"Was hör' ich da, wo finde ich eine Feder" - so lautet der Titel einer Veranstaltung, unter dem Elisabeth Pintarelli am ersten August um 10 Uhr mit Kindern auf Entdeckungsreise in den Wald geht. Kosten: sechs Euro. Die Teilnehmer sollten eine kleine Schachtel sowie eine Lupe mitbringen. Die nächste Tour durch Hassel steht Ende August auf dem Programm, im September lädt sie zu einer Meditationswanderung durch den Hasseler Wald ein. obe