1. Saarland

Liebes-Poesie – von Noten getragen

Liebes-Poesie – von Noten getragen

Um die Liebe dreht sich alles auf der neuen CD von Susan und Martin Weinert. Gemeinsam mit dem Gestalttherapeuten und Autor Mathias Jung beschreiten die Saarländer damit neue Wege. Vorgestellt werden die Liebesgedichte aus acht Jahrhunderten unter dem Titel „Die Liebe – eine Himmelsmacht“, gelesen von Jung, vertont von den Weinerts, am 17. Mai in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen.

. Martin und Susan Weinert haben zum Besuch nicht nur die neue CD, um die es geht, mitgebracht. Weil der Dritte im Bunde nicht dabei sein kann, "ersetzt" ihn ein Riesenposter mit entsprechender Stellwand. So nehmen die Musiker ihn quasi in die Mitte. Außerdem im Gepäck: Jede Menge Bücher, eine kleine Auswahl der insgesamt über 50 Werke, die Professor Mathias Jung mittlerweile geschrieben hat. Um Philosophie geht es und um Lebensplanung, um das Miteinander und die Liebe.

Die ist es dann auch, die das ungewöhnliche Trio zusammengeführt hat. Susan und Martin Weinert, hinlänglich bekannt durch über 3000 Konzerte rund um den Globus, viele CDs, mochte auch der Professor aus Lahnstein schon immer besonders gern. Seit Jahren sind sie befreundet. Und als Jung 70 wurde, da waren im Kloster Maria Laach nicht nur 600 Gäste sondern auch die beiden Neunkircher Musiker. Die hatte sich Jung gewünscht. Und auch die Musiker waren längst begeistert von dem Energiebündel. Jung las an jenem Abend Gedichte, die Weinerts improvisierten dazu die musikalische Umrahmung.

Die Begeisterung über den Menschen, den Gestalttherapeuten, Sachbuchautor und Doktor der Philosophie hört man ihnen noch beim SZ-Besuch an. "Der gibt einfach alles. Egal was er tut. Der ist immer ganz bei sich, ganz im Hier und Jetzt", schwärmt Martin Weinert. Nach dem gemeinsamen Auftritt hatten viele Leute nach der CD gefragt. "Da war uns eigentlich klar: Die müssen wir jetzt machen", lächelt Susan.

Gesagt, getan: Jung suchte 18 Liebesgedichte aus acht Jahrhunderten zusammen, las sie, gab die Aufzeichnung an Weinert. "Das war so toll, so kraftvoll und aussagekräftig." Die Ideen zur Vertonung kamen da wie von selbst. 13 Gedichte hat Susan vertont, drei Martin.

Zu Zweien gibt es keine Musik: "Heidenröslein" von Goethe und "Unter der Linden" von Walther von der Vogelweide. "Das Heidenröslein ist schon so oft vertont worden, das gibt es als Lied. Da wollte ich einfach nicht nochmal was dazu machen. Und die gängige Melodie nochmal spielen, das wollte ich auch nicht", erinnert Susan. Improvisation, so heißt schließlich das Zauberwort, das die Musiker und den Philosophen verbindet. Beide haben sie mit dieser CD Neuland betreten.

Vorstellen kann man sich den gemeinsamen Auftritt folgendermaßen: Mathias Jung wird in der Stummschen Reithalle sozusagen einen etwas anderen Vortrag halten. Nach einem musikalischen Intro liest er das erste Gedicht - musikalisch untermalt -, erklärt dann die Epoche aus der es stammt, überträgt in die Jetztzeit. "Er rezitiert und deutet, man muss das aber auf sich wirken lassen", erläutert Martin. Beispiele aus der Praxis, die bringe er gerne an in seinen Vorträgen, anonymisiert, versteht sich. So macht er es auch hier.

"Ich habe anfangs ja gar nichts mit Gedichten am Hut gehabt. Zu Goethe Musik machen, habe ich mich gefragt, wie soll das gehen." Dann ging es wie von selbst. "Nachdem ich die Gedichte gehört habe, da war ich sehr ergriffen, habe gemerkt, dass die alle auch heute noch Gültigkeit haben." "Über die Ehe" (Khalil Gibran), "Morgens und abends zu lesen" (Bertolt Brecht), das sind die Lieblingsgedichte von Susan, "Die eine Klage" (Karoline von Günderode) mag Martin gern. "Aber doch eigentlich irgendwie alle." Ergriffen wie Susan waren auch die meisten, die die CD bereits gehört haben. "Da kamen viele Mails." Jung wisse die Menschen zu begeistern, zu faszinieren. Seit Ende der 90er ist der heute 71-Jährige als Gestalttherapeut, Philosoph und Referent im Dr.-Max-Otto-Bruker-Haus in Lahnstein tätig. Dort finden auch viele Tagungen statt. Die Weinerts haben da öfter schon auf Einladung gespielt. Jung haben sie dort bei einem seiner Dienstagsvorträge erstmals gehört. Die Neunkircher kennen ihn als regelmäßigen Gast bei der Neunkircher Volkshochschule.

Das erste gemeinsame Projekt, so sind sie sich einig, soll auch nicht das letzte seiner Art sein. Auch, wenn jetzt erst mal die neue CD der Gitarristin fertig gestellt wird, die aber erst nächstes Jahr rauskommt. "Die hat sie schon komplett geschrieben. Sie ist so fleißig", strahlt Martin seine Frau an. Womit wir wieder beim Thema Liebe wären.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie CD gibt es zurzeit nur bei Bücher König in Neunkirchen zum Preis von 15 Euro. Auch am Vorstellungsabend am Freitag, 17. Mai, ist sie zu diesem Preis zu haben. Erst danach geht sie in den offiziellen Verkauf. Die Veranstaltung beginnt am Freitag, 17. Mai, um 20.30 Uhr in der Stummschen Reithalle. Der Eintritt kostet im Vorverkauf zehn Euro, an der Abendkasse zwölf Euro. ji