1. Saarland

Letzter Warnschuss gegen Hörmann

Letzter Warnschuss gegen Hörmann

Rund 250 Beschäftigte der Firma Hörmann haben sich am Montag an einem Protestzug und anschließender Kundgebung in Freisen beteiligt. Sie fordern 5,5 Prozent mehr Lohn. Gesamtmetall bietet weit weniger.

Binnen 14 Tagen haben Mitarbeiter des Tor- und Zargenherstellers Hörmann zum zweiten Mal die Arbeit niedergelegt, um für mehr Lohn und Gehalt zu demonstrieren. Vom befristeten Ausstand betroffen war die Frühschicht an den Standorten Freisen und Nohfelden-Eckelhausen. Nach Angaben der Industriegewerkschaft (IG) Metall schlossen sich rund 250 Beschäftigte dem Warnstreik-Aufruf an. Auch die Mittag- und Nachtschicht sollte dem folgen, die Arbeit zwei Stunden früher als regulär beenden. Das Unternehmen zählt an beiden Standorten zusammen rund 900 Mitarbeiter. IG-Metallvertrauensmann bei Hörmann, Thomas Fries, schätzte die Beteiligung allein am morgendlichen Streik auf rund 70 Prozent.

Allerdings sieht ein heißer Arbeitskampf anders aus. Nieselregen und für die Jahreszeit empfindlich kalte Temperaturen ließen die Teilnehmer an dem Protestmarsch vom Freisener Werk hin zum Herman-Hörmann-Platz in der Ortsmitte eher zögerlich kämpferisch wirken. Mehrmals musste Jörg Caspar die mit roten Fahnen, Schirmkappen und Trillerpfeifen ausgestattete Truppe bei ihrem Marsch auffordern, lautstark dem Arbeitgeber ihren Unmut kundzutun. Der 1. Bevollmächtigte des Neunkircher IG-Metall-Bezirks mit Galgenhumor per Lautsprecher des begleitenden Gewerkschaftswagens: "Das Angebot der Arbeitgeber ist so schlecht, dass sogar der Herrgott weint." Das lag bis dahin bei 2,1 Prozent, die Arbeitnehmerseite fordert 5,5 Prozent mehr im Portmonee.

"Dies ist die letzte Warnung", schrie er während der Kundgebung auf dem nach dem Firmengründer benannten Platz in die Menge. Sollte Gesamtmetall während der neuerlichen Tarifverhandlung das Angebot nicht verbessern, drohe die IG Metall mit Urabstimmung unter ihren Mitgliedern über einen unbefristeten Streik.

Mit markigen Worten schworen Caspar und Fries die Belegschaft ein, sich keine "Rohkost" bieten zu lassen. Fries: "Jeder Kunde bekommt Rabatt, und wir sollen umsonst arbeiten." Dabei verlange die Gewerkschaft nichts über Gebühr. Denn die Forderung bliebe im Vergleich mit der Teuerungsrate allein bei vielen Grundnahrungsmitteln weit dahinter. IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Simon Geib forderte deshalb: "Eine Gehaltserhöhung muss steigende Preise ausgleichen", was Hörmann-Mitarbeiter mit gellendem Pfeifkonzert unterstrichen. Das sei bei einem Profit aller Metallunternehmen in Deutschland von zuletzt 50 Milliarden Euro im Jahr kein Ding der Unmöglichkeit.

Freisens Bürgermeister Karl-Josef Scheer (SPD) solidarisierte sich mit den Streikenden: Er war auch zur Protestkundgebung gekommen.