1. Saarland

Leiter der Berufsschule schlägt Alarm

Leiter der Berufsschule schlägt Alarm

Völklingen. 20 Prozent der Schüler des Kaufmännischen Berufsbildungszentrums (KBBZ) auf dem Heidstock bestehen die Prüfung nicht. Davon sind die Hälfte Migranten - und das, obwohl diese Gruppe nur 15 Prozent der Gesamtschülerzahl ausmacht. Die Zahlen nannte Schulleiter Werner Jacobs am Mittwoch im Stadtrats-Ausschuss für Kinder, Jugend und Soziales

Völklingen. 20 Prozent der Schüler des Kaufmännischen Berufsbildungszentrums (KBBZ) auf dem Heidstock bestehen die Prüfung nicht. Davon sind die Hälfte Migranten - und das, obwohl diese Gruppe nur 15 Prozent der Gesamtschülerzahl ausmacht. Die Zahlen nannte Schulleiter Werner Jacobs am Mittwoch im Stadtrats-Ausschuss für Kinder, Jugend und Soziales. Bereits seit drei Jahren arbeitet das Berufsbildungszentrum eng mit der städtischen Integrationsbeauftragten Sevim Tasci zusammen.

Im niedrigen Bildungsniveau des Elternhauses, in unzureichenden vorschulischen Kontakten zur deutschen Gesellschaft, sprachlichen Defiziten sowie kulturellen Identitätsproblemen sehen die Experten Ursachen für die Misere. Die Schule, so Jacobs, sei nicht auf den Umgang mit Migranten vorbereitet und deshalb überfordert.

Chancen verbessern

Mit einem gemeinschaftlichen Projekt, bei dem neben der Schule und der Stadt auch der Regionalverband und das Bildungsministerium im Boot sitzen sollen, will das Berufsbildungszentrum nun die Zukunftschancen von Migranten und sozial schwachen Schülern verbessern.

KBBZ-Lehrer Cemil Kirbayir präsentierte Lösungsansätze: In einem so genannten Profiling analysieren Experten die Stärken und Schwächen der Schüler und helfen ihnen so, realistische Ziele zu entwickeln. Eine sozialpädagogische Unterstützung sowie eine systematische Nachmittagsbetreuung mit Sprachförderung sind ebenfalls vorgesehen. "Die Sprach- und Lesekompetenzen sind für das Bildungsschicksal der zentrale Knackpunkt", betonte Kirbayir. Am Nachmittag sollen neben Lehrerstunden auch ungestörte Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden. Zuhause leben die Migrantenkinder oft in beengten Verhältnissen, haben keine Möglichkeit, ihre Hausaufgaben in Ruhe zu erledigen.

Die Stadt Völklingen, so die Vorstellung des Berufsbildungszentrums, solle das Projekt federführend durchführen. Läuft alles nach Plan, könnten das Profiling, die Nachmittagsbetreuung sowie erlebnispädagogische Maßnahmen im August starten. "Ich wünsche uns allen, dass das Projekt erfolgreich umgesetzt wird", erklärte Bürgermeister Wolfgang Bintz. Eine Abstimmung erfolgte in der Sitzung noch nicht.