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"Leiharbeit ist die moderne Variante von Sklaverei"

"Leiharbeit ist die moderne Variante von Sklaverei"

Dillingen. Es wird derzeit wohl kaum eine Veranstaltung geben, gleich welcher Art, wo nicht auch die Katastrophe thematisiert wird, die sich in Japan abspielt, und die die Probleme, mit denen wir uns beschäftigen, relativiert. Das war auf der ersten ordentlichen Delegiertenversammlung des IG-Metall-Verwaltungsbezirks Völklingen in diesem Jahr nicht anders

Dillingen. Es wird derzeit wohl kaum eine Veranstaltung geben, gleich welcher Art, wo nicht auch die Katastrophe thematisiert wird, die sich in Japan abspielt, und die die Probleme, mit denen wir uns beschäftigen, relativiert. Das war auf der ersten ordentlichen Delegiertenversammlung des IG-Metall-Verwaltungsbezirks Völklingen in diesem Jahr nicht anders."Wir gedenken der Opfer der Katastrophe, und unser Mitgefühl gilt dem japanischen Volk", sagte Guido Lesch, zweiter Bevollmächtigter des Verwaltungsbezirks, vor den 130 Delegierten in der Dillinger Stadthalle. Die Menschen hätten keinen Einfluss auf Erdbeben und Tsunamis, aber "die Menschen haben sehr wohl Einfluss auf die Atomenergiepolitik", so Lesch weiter. Die IG Metall habe sich bereits vor 25 Jahren "eindeutig" gegen Atomenergie ausgesprochen.

In seinem Geschäftsbericht zeigte sich Robert Hiry, Chef des Verwaltungsbezirkes Völklingen, zufrieden mit der Mitgliederentwicklung. Trotz Krisen sei die Mitgliederzahl stabil geblieben. Mit einem Plus von drei Prozent bewege sich die Mitgliederzahl der Verwaltungsstelle Völklingen in Richtung 28 000.

In der zweiten Verhandlungsrunde im Dezember letzten Jahres kam der Durchbruch bei den Tarifverhandlungen in der saarländischen Stahlindustrie. Nach Angaben von Hiry erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 150 Euro und 3,6 Prozent mehr Lohn ab Januar 2011.

Immer wieder beschäftigt die Metallgewerkschafter auch die Leiharbeit. "Leiharbeit ist und bleibt die moderne Variante von Sklaverei", sagte Hiry. Leiharbeit habe in der Krisenzeit versagt und werde nun im Aufschwung nur dazu benutzt, die Belegschaften zu spalten und Dumpinglöhne durchzusetzen.

Thema war auch die "Rente mit 67". Im Saarland stehen Statistiken zufolge für Arbeitnehmer über 60 Jahre knapp drei Prozent der Arbeitsplätze zur Verfügung. "Wir brauchen künftig aber etwa 27 Prozent Arbeitsplätze für die Älteren", so Hiry. Wer die Rente mit 67 wolle, müsse auch die Arbeitsmöglichkeiten und -bedingungen für die betroffenen Mitarbeiter schaffen, forderte der Gewerkschaftschef. "Rente mit 67 führt zu Altersarmut und muss gestoppt werden."

Auf einen Blick

Auf der Konferenz in Dillingen wurden auch die Delegierten zum 22. Gewerkschaftstag gewählt. Eric Gehlen (Saarstahl Völklingen, Michael Fischer (Dillinger Hütte), Ralf Haas (IGM), Markus Thal (Ford), Gisela Tiefensee-Naaber (Johnson Control) und Laurant Grasswill (Nemak) werden den Verwaltungsbezirk Völklingen vertreten. eng