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Lehrer kritisieren Schul-Pläne

Lehrer kritisieren Schul-Pläne

Saarbrücken. Massive Kritik üben gleich mehrere Lehrerverbände an geplanten Neuerungen im saarländischen Schulsystem. Die vorgesehene Verfassungsänderung, mit der die Schulformen aus dem Gesetzestext gestrichen werden sollen, ist dabei ebenso ein zentraler Punkt, wie die Schaffung einer Gemeinschaftsschule, in der die Erweiterten Realschulen und die Gesamtschulen aufgehen sollen

Saarbrücken. Massive Kritik üben gleich mehrere Lehrerverbände an geplanten Neuerungen im saarländischen Schulsystem. Die vorgesehene Verfassungsänderung, mit der die Schulformen aus dem Gesetzestext gestrichen werden sollen, ist dabei ebenso ein zentraler Punkt, wie die Schaffung einer Gemeinschaftsschule, in der die Erweiterten Realschulen und die Gesamtschulen aufgehen sollen. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), Heinz-Peter Meidinger (Foto: SZ), greift darüber hinaus CDU-Ministerpräsident Peter Müller scharf an. Müller habe in den Schulfragen "von vorneherein nicht richtig verhandelt". Entscheidend sei bei den Verhandlungen nur der Machterhalt gewesen, wirft Meidinger Müller vor. Die Grünen hätten mit der CDU mehr durchsetzen können, als ihnen mit Rot-Rot gelungen wäre. Meidinger vergleicht die Regierungsbeteiligungen der CDU in Sachsen, Thüringen und dem Saarland mit Blick auf die Bildungspolitik und kommt zum Schluss: "Im Saarland haben wir das eindeutig katastrophalste Ergebnis."

Die Kritik des Verbandschefs entzündet sich unter anderem daran, dass das Gymnasium wie auch die übrigen Schulformen nicht mehr in der Verfassung genannt werden sollen. Die künftige Koalition hat sich zwar auf den Bestandsschutz für das Gymnasium geeinigt, Meidinger bezweifelt aber dessen Wirksamkeit. In Zukunft sei es dann auch möglich, etwa nach einem Regierungswechsel aus den bestehenden Gymnasien zwei- oder dreijährige, reine Oberstufen zu machen. "Kernpunkt der geplanten Reform ist das Prinzip Hoffnung und Glaube", so Meidinger, der bei einer Verkürzung der Gymnasialzeit auf sieben Jahre (G 7) eine sinkende Qualität des Abiturs in den Kernfächern wie Mathematik, Fremdsprachen und Deutsch befürchtet.

Ähnlich argumentiert auch die Vereinigung der Oberstudiendirektoren der Gymnasien im Saarland: "Beim achtjährigen Gymnasium wurde die Schulzeit, jedoch nicht die Unterrichtszeit gekürzt. Beim G 7 wird dem Gymnasium dagegen unverzichtbare Unterrichtszeit entzogen", heißt es in einem Positionspapier des Verbandes. Das Saarland wäre mit fünfjähriger Grundschule und G 7 zudem in Deutschland isoliert. Eltern, die mit ihren Kindern aus dem Saarland weg- oder hierher umziehen, bekämen massive Schwierigkeiten.

Große Probleme durch die möglichen Neuerungen befürchtet auch Inge Röckelein, Vorsitzende des Verbandes Deutscher Realschullehrer im Saarland: "Was wir im Schulbereich brauchen, ist ein bisschen Ruhe." Ständiges Reformieren koste nur Zeit, Geld und Kraft und komme den Kindern nicht zugute. Sie plädiert unter anderem dafür, dass die Durchlässigkeit des Systems auf allen Klassenstufen und zwischen den Schulformen bestehen bleiben müsse. Zudem müsse die äußere Fachleistungsdifferenzierung, also die Trennung nach angestrebtem Abschluss in einer Schule, ab Klasse sieben in allen Fächern einsetzen.