Leerstand bei der Siedlungsgesellschaft

Leerstand bei der Siedlungsgesellschaft

Saarbrücken. 3,9 Prozent aller Wohnungen in Mehrfamilienhäusern standen 2008 in Saarbrücken leer. Das sind 3300 von 85 584 Wohnungen, ergab eine Studie des Energiedienstleisters Techem und des Marktforschungsinstituts empirica. Darin wurden Miet- und Eigentumswohnungen erfasst. Saarbrücken belegt unter 100 deutschen Städten auf dem 70. Platz

Saarbrücken. 3,9 Prozent aller Wohnungen in Mehrfamilienhäusern standen 2008 in Saarbrücken leer. Das sind 3300 von 85 584 Wohnungen, ergab eine Studie des Energiedienstleisters Techem und des Marktforschungsinstituts empirica. Darin wurden Miet- und Eigentumswohnungen erfasst. Saarbrücken belegt unter 100 deutschen Städten auf dem 70. Platz. Bundesweit liege die Leerstandsquote in Städten bei 3,4 Prozent. Hans Dieter Dienhold, Vorsitzender des Rings Deutscher Makler im Saarland, sieht die Entwicklung in Saarbrücken entspannt: "Der Mietmarkt läuft im Moment." Wenn eine Wohnung hergerichtet sei, könne sie auch schnell vermietet werden. Bei der Vermietung gebe es nur Probleme, weil Vermieter nicht investieren, meint Dienhold. Wenn sie das tun, werde auch der Leerstand in der Stadt sinken, glaubt er.

Die Saarbrücker gemeinnützige Siedlungsgesellschaft, eine Tochter der Stadt, muss seit vielen Jahren investieren. Trotzdem stehen zurzeit 764 von 7000 Wohnungen leer, teilt Geschäftsführer Christian Patzwahl mit. Das seien elf Prozent aller Siedlungswohnungen. 2009 sei der Leerstand erstmals seit langer Zeit leicht gesunken. In den letzten zwölf Jahren habe das Unternehmen 130 Millionen Euro investiert. So habe die Siedlung in Burbach eine Sanierung abgeschlossen. Seitdem seien alle Wohnungen vermietet. Dagegen stockt die Sanierung auf der Folsterhöhe. Es gebe Kostenberechnungen, aber noch keinen Zeitplan. Erst müsse die Finanzierung gesichert sein, erklärt Patzwahls Kollege Manfred Dörr. Danach werde die mittelfristige Finanzplanung gemacht. Auf der Folsterhöhe müssten noch vier Hochhäuser, darunter die beiden 13-Geschosser, saniert werden. Diese Investitionen seien aber zurückgestellt. Stattdessen würden in den nächsten Jahren vier Millionen Euro in 120 Wohnungen in der Dresdner Straße in Malstatt gesteckt. Die Siedlung müsse nachholen, was in den 70er- und 80er-Jahren versäumt wurde.

Der Bevölkerungsrückgang wird das Leerstand-Problem nicht verschärfen, glaubt Patzwahl: "Die Zahl der Haushalte wird vorerst nicht sinken." Aber der Wettbewerb werde härter. Deshalb will die Siedlungsgesellschaft auch den Kundenservice verbessern. Dazu zählt Patzwahl das neue Vermietungscenter am Rathaus.

Die Stadt Saarbrücken hat keinen genauen Überblick über leer stehende Wohnungen. "Das ist schwer zu erfassen", sagt Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer. Denn die Bürger hätten ihre Stromverträge ja auch bei bundeweiten Anbietern. So könne man nicht herausfinden, wo der Stromverbrauch in Wohnungen auf Null sei und dies auf Leerstände schließen lasse. Die Stadtverwaltung nutze aber die Kontakte zu den Stadtteilmanagern, wo mehrere Wohnungen leer stehen. Wie Wandel-Hoefer gegenüber der SZ erklärt, arbeite die Verwaltung derzeit an einem "städtebaulichen Entwicklungskonzept". Dabei spiele auch die Wohnqualität eine Rolle.

Eine Übersicht leerer Grundstücke gebe es aber in ihrem Amt, sagt die Dezernentin. Nicht alle Baulücken sollten geschlossen, sondern manche auch begrünt werden. "Die Zahl

der Haushalte

wird vorerst

nicht sinken. Aber der

Wettbewerb

wird härter."

Christian Patzwahl

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