1. Saarland

Leben und leben lassen

Leben und leben lassen

Neunkirchen. Bunte Kugeln und Lichter am Weihnachtsbaum, große und kleine Geschenke darunter und Kinderaugen, die vor Freude und Aufregung leuchten. So oder so ähnlich wird der Heilige Abend wohl in vielen Familien aussehen. In Deutschland ist es Tradition, dass die Kinder vom Christkind beschenkt werden. Wenn das Glöckchen erklingt, dürfen sie Baum und Geschenke sehen

Neunkirchen. Bunte Kugeln und Lichter am Weihnachtsbaum, große und kleine Geschenke darunter und Kinderaugen, die vor Freude und Aufregung leuchten. So oder so ähnlich wird der Heilige Abend wohl in vielen Familien aussehen. In Deutschland ist es Tradition, dass die Kinder vom Christkind beschenkt werden. Wenn das Glöckchen erklingt, dürfen sie Baum und Geschenke sehen.Doch wie wird Heiligabend in anderen Ländern gefeiert? Und wie feiern die ausländischen Mitbürger in Neunkirchen diesen besonderen Tag? Um diese Fragen zu beantworten, waren Muhsin Ece, Edmond Boose und Giuseppe Gallo vom Integrationsbeirat der Stadt in der Redaktion zu Gast. Muhsin Ece, der Vorsitzende des Beirates, stammt ursprünglich aus der Türkei, genauer gesagt aus der Stadt Konya in Anatolien. Seit seinem fünften Lebensjahr ist er in Neunkirchen. "Ich selbst feiere kein Weihnachten, aber ich freue mich mit meinen Mitmenschen über diesen Feiertag." In der Türkei werde hier und da Weihnachten gefeiert, erklärte Ece. Istanbul zum Beispiel sei eine multikulturelle Stadt, in der auch Katholiken leben. Deshalb sehe man dort auch den ein oder anderen geschmückten Baum. "Ich feiere zwei wichtige Feste im Jahr: das Zuckerfest und das Schlachtfest. Da gibt es auch Geschenke", so Ece. Im nächsten Jahr erwartet der 28-jährige Türke Nachwuchs. Es ist ihm wichtig, dass sein Kind seine Wurzeln kennt, aber auch lernt, friedlich mit anderen Kulturen zusammenzuleben. "Vielleicht kann mein Kind später Freunden an Weihnachten etwas schenken. Und seine Freunde wiederum können unsere Feste kennen lernen." An diesem Heiligen Abend wird Muhsin Ece gemütlich mit seiner Familie zusammensitzen - ohne Tannenbaum und ohne Geschenke.

Tannenbäume gab es in Giuseppe Gallos Heimat ursprünglich auch nicht. Der 39-Jährige ist hier in Neunkirchen geboren, seine Eltern aber stammen von Sizilien. Sie haben - wie auch viele andere Italiener, die in Deutschland gelebt haben - künstliche Tannenbäume aus Deutschland mit nach Italien genommen, wie Gallo verriet. An Stelle des Baumes steht auf Sizilien die Krippe. "Und erst in der Nacht vom 24. Dezember wird das Jesuskind in die Krippe gelegt." Giuseppe Gallo wird Heiligabend zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen verbringen. An diesem Abend wird das Essen zelebriert, wie Gallo sagte. Der Italiener folgt den deutschen Traditionen an Weihnachten "vor allem wegen der Kinder."

Aus dem Elsass hat es den 70-jährigen Edmond Boose Mitte der 1960er Jahre der Liebe wegen ins Saarland verschlagen. "In Frankreich werden die Kinder von Père Noël beschenkt. Ansonsten gibt es viele Parallelen mit den deutschen Traditionen", erklärte Boose. Bereits die Adventszeit werde in Frankreich gefeiert und die Kinder schon am 6. Dezember beschenkt. Dann kommt der Nikolaus in Begleitung seines schwarzgekleideten Helfers, des Père Fouettard, der dem deutschen Knecht Ruprecht ähnelt. Weil er schon so lange in Deutschland lebe, habe er sich den Traditionen hier angepasst ohne die Wurzeln in Frankreich zu vergessen. "Normalerweise stellen die Kinder an Heiligabend ihre Schuhe raus, denn der Père Noël bringt die Geschenke in der Nacht", erinnerte sich Boose. Doch heute beschenke man die Kinder oft schon am Heiligen Abend und nicht am Weihnachtsmorgen. Seine Tochter wusste als Kind um die Bedeutung des Père Noël. "Ich musste ihr immer das Lied ,Petit Papa Noël' vorsingen", erzählte Boose, der aktiver Chorsänger ist. Ein typisches Festtagsessen in Frankreich sei die Weihnachtsgans.

Und so feiert jeder Weihnachten mit eigenen nationalen oder familiären Traditionen. "Es ist egal, welche Nationalität oder Religion man hat, man sollte einander akzeptieren. Im Endeffekt sind wir alle Menschen, die weinen, wenn sie traurig sind und lachen, wenn sie sich freuen", sagte Muhsin Ece abschließend.