1. Saarland

Laufsteg für die schwarze Seele

Laufsteg für die schwarze Seele

Bosen. Wer auf dem Festivalgelände genauer hinschaute, der merkte schnell, dass die schwarzen Zeiten mit seiner Düsterdominanz längst der Vergangenheit angehören. Kaum eine Szene spielt so mit einer Farbe, und kombiniert und interpretiert sie in den modischen Strömungen, passend zu den unterschiedlichen Musikstilen

Bosen. Wer auf dem Festivalgelände genauer hinschaute, der merkte schnell, dass die schwarzen Zeiten mit seiner Düsterdominanz längst der Vergangenheit angehören. Kaum eine Szene spielt so mit einer Farbe, und kombiniert und interpretiert sie in den modischen Strömungen, passend zu den unterschiedlichen Musikstilen. Aufgebrezelt wie eine gehobene Dame aus dem Mittelalter flanierte Andrea Nappert aus Lebach in ihrem viktorianischen Gewand über den historischen Mittelaltermarkt. "Alles ist selbst genäht", berichtete die aufwendig geschminkte Vorzeigedame voller Stolz. In die "romantische Rüschchenfraktion", ordnete sich die von der Gothic-Mode inspirierte die Luxemburgerin Melanie Kewes, mit ihrem roten Reifrock, Fächer und Spitzenschirmchen, ein. "Wir wollen Endzeitstimmung verbreiten", klärte dagegen Theresa Schmidt auf. Ihr Gesicht verdeckte eine Schweißerbrille und eine Gasmaske, als sie mit ihrem raumfordernden Tanzstil und Armbewegungen wie ein Fluglotse den harten und aggressiven Elektrosound der Band Agonoize begleitete. "Gottlos, verdammt ich bin gottlos", schrie Sänger Chris L. der Menge entgegen. Prompt folgte mit einer kräftigen Regendusche dafür die Strafe von oben. Neben dem eitlen Schaulaufen ging es natürlich an den drei Tagen in erster Linie um die Musik. Mit insgesamt 21 Bands reichte das Musikprogramm von klassischer Gothic-Musik über düstere Electro-Klänge bis zu Mittelalter-Rock, Neuer Deutsche Härte und Kopfnicker-Metal, eindrucksvolle Bühnenshows inklusive. Die extravaganten "Antichristen" von Das Ich setzten in der samstäglichen Mittagssonne ein erstes Glanzlicht. "Die Stimmung für einen Nachmittags-Schwoof ist absolut geil", zeigte sich Sänger Stefan Ackermann begeistert. Subway to Sally-Gitarrist Ingo Hampf saugte erneut den Charme des Festivals regelrecht in sich hinein "Es ist immer großartig hier. Beim Hexentanz ist alles viel intimer als auf den großen Festivals, die wir sonst spielen", schilderte er. Die Headlinerband aus Potsdam kombinierte ihren Mittelalterrock mit einer grandiosen Bühnenshow und gezielt eingesetzter Pyrotechnik. Synchron zum Refrain des Songs "Meine Seele brennt" schlugen hohe Flammen von der Bühne dem dunklen Firmament entgegen. "Nur der Wahnsinn. Im Pulk vor der Bühne war die Stimmung sensationell", beschrieb der Belgier Patrick Baans.Eröffnet wurde der Musikmarathon mit der Walpurgisschlacht am Freitag. Der Hauptact, die Spaß-Metaller J.B.O. aus Erlangen, meinten dazu singend "Heute ist ein guter Tag zum Sterben". Ihr Fan, Yvonne Zewe aus Göttelborn, nahm dies nicht wörtlich. "Die Live-Show von J.B.O. war super. Sie haben richtig gerockt", schwärmte sie noch am Tag danach. Auch gestern kamen die Festivalgänger noch einmal voll auf ihre Kosten. Zum Abschluss der Veranstaltung enterten die eigens eingeflogenen britischen Düster-Rocker von Paradise Lost die Bühne.

Auf einen Blick

Die im Vorfeld des Festivals aufgetauchten gefälschten Karten (wir berichteten) richteten beim Veranstalter keinen Schaden an. "Es wurden mehrere gefälschte Tickets sichergestellt", teilte Frank Schulz, von der Werner Schulz GmbH, mit. Die Besucher, so Schulz, hätten die vom Veranstalter dagegen ergriffenen Maßnahmen akzeptiert. "Es gab keine Beschwerden, auch nicht bei der intensiven Einlasskontrolle", informierte Schulz. Die gefälschten Karten gehen auf das Konto eines Hehler-Rings aus Kaiserslautern und Landau, gegen den die Polizei nun ermittelt. frf