"Lassen Sie es - es ist alles verloren"

"Lassen Sie es - es ist alles verloren"

Friedrichsthal. Es dauerte nur wenige Minuten, dann hatte Familie Haake nichts mehr. Keine Wohnung, keine Möbel und nur noch die nassen Kleider auf dem Leib. Am 3. Juli setzte ein schweres Unwetter viele Straßen, Plätze, Keller und Garagen in unserer Region unter Wasser. Familie Haake traf es besonders hart. Ihre Kellerwohnung in der Arndtstraße in Friedrichsthal voll Wasser

Friedrichsthal. Es dauerte nur wenige Minuten, dann hatte Familie Haake nichts mehr. Keine Wohnung, keine Möbel und nur noch die nassen Kleider auf dem Leib. Am 3. Juli setzte ein schweres Unwetter viele Straßen, Plätze, Keller und Garagen in unserer Region unter Wasser. Familie Haake traf es besonders hart. Ihre Kellerwohnung in der Arndtstraße in Friedrichsthal voll Wasser. Marita Haake: "Wir haben noch versucht, etwas von unseren Sachen zu retten, aber ein Feuerwehrmann sagte nur noch: ,Lassen Sie es, es ist alles verloren'." Eineinhalb Meter stand das Wasser in den Wohnräumen. Kaum vorstellbar, liegt das Haus doch am Hang hoch über der Stadt.

Michael Haake: "Das Wasser kam erst aus allen Abflüssen, dann von der Straße." Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen und alles ergoss sich in die Wohnung: Schlamm, Dreck, Fäkalien. Michelle Haake versuchte noch, persönliche Sachen aus ihrem Zimmer zu retten - ohne Erfolg. "Das Schlimmste war, dass man so hilflos war." Die 16-Jährige strebt die mittlere Reife an der Handelsschule in Sulzbach an. Unterlagen, Bücher, Taschenrechner - alles verloren. "Für Michelle ist es besonders hart", sagt ihr Vater: "Einen Tag zuvor ist unser Kater Bobby gestorben, den wir neun Jahre hatten. Wir hatten keine Zeit, um das Tier zu trauern."

Es sind die kleinen Dinge, deren Verlust besonders schmerzt: "Ich konnte ein Fotoalbum retten, aber ein Plüschtier, das ich 28 Jahre hatte, und die restlichen Fotos sind nur noch Müll", seufzt Marika Haake. Gemeinsam mit Mann Michael und Tochter Michelle sitzt sie am Küchentisch in der Wohnung bei ihren Eltern, Albert und Else Lambert. Dort wohnen sie seit drei Wochen eng gedrängt. Die Eltern helfen, wo sie können.

Auf Hilfe ist die Familie Haake angewiesen. Sie lebt von Hartz IV. Die Rudi-Kappés-Stiftung hat als Soforthilfe 1000 Euro überwiesen, das Entsorgungsunternehmen Paulus übernahm den Abtransport der zerstörten Inneneinrichtung. Anja Wagner-Scheid ist Vorsitzende der Stiftung "Groß für Klein in Friedrichsthal" und Mitglied des Landtags. Sie wurde auf der Straße von Michael Haake angesprochen und hat sofort geholfen. Neben Geld aus der Stiftung "Groß für Klein in Friedrichsthal" organisiert sie für die Familie weitere Hilfen, steht mit Rat zur Verfügung.

Ein erstes kleines Hoffnungslicht gibt es bereits. Demnächst kann die Familie in eine neue Wohnung in der Straße Zum Grühlingsstollen ziehen. Ein Bett ist bestellt, und Marika Haake sagt stolz: "Ich habe schon neue Bettwäsche gekauft." Was für viele normal, ist bei Haakes nun etwas Besonderes. Wer nichts mehr hat, freut sich schon über kleine Dinge. "Einen Tag zuvor ist unser

Kater Bobby gestorben."

Michael Haake

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