Landtagswahl 2022 im Saarland Lange Gesichter bei der AfD – Partei schafft es nur knapp in den Landtag

Saarbrücken · Das vorläufige Endergebnis der Landtagswahl im Saarland ist da. Demnach hat es die AfD knapp ins Parlament geschafft. Der heftige parteiinterne Streit wäre damit aber keineswegs vorbei. Es drohen neue Auseinandersetzungen.

  Wahlparty der AFD in der Dudweiler-Landstraße zur Landtagswahl im Saarland am Sonntag.

 Wahlparty der AFD in der Dudweiler-Landstraße zur Landtagswahl im Saarland am Sonntag.

Foto: BeckerBredel

Als um 18 Uhr die erste Prognose des Wahlergebnisses über den Großbildschirm in der Saarbrücker AfD-Landesgeschäftsstelle flackert, bestätigen sich die Befürchtungen, die schon am späten Nachmittag die Runde machten. 5,5 Prozent. Die AfD schafft wohl nur knapp den Wiedereinzug in den Landtag. Unter den gerade einmal 50 Teilnehmern der anberaumten Wahlparty, die keine mehr ist, sieht man etliche lange Gesichter.

Laut vorläufigem amtlichem Endergebnis hat die AfD es in den Landtag geschafft. Allerdings nur knapp. Grüne, FDP und Linke hingegen verpassen den Einzug in den Landtag.

Verantwortlich für das magere Abschneiden der AfD macht Landeschef Christian Wirth vor allem das Debakel um die Landesliste. Eine Gruppe von Parteimitgliedern hatte sie im Januar heimlich zurückgezogen, um einen unliebsamen Kandidaten zu verhindern. „Unfassbar“, sagt Wirth noch heute. Das habe den Wahlchancen seiner Partei im Saarland einen nachhaltigen Schlag versetzt, bilanziert er. In Umfragen sah man die AfD im Saarland, die im November 2021 noch bei 9 Prozent rangierte, fortan immer weiter an Boden verlieren. Inzwischen muten unter den Anhängern die 6,2 Prozent, mit denen die Partei 2017 erstmals in den Landtag einzog, fast schon wie ein Traumergebnis an. Den Landesverband seiner Partei nennt Wirth heute ernüchtert einen „Chaos-Haufen“.

Kein Wunder bei Parteifreunden und Landtagskandidaten, die sich gegenseitig schon mal als „Zecken“, „Verräter“, „Verbrecher“ oder „Parteischädling“ beschimpfen. Vor Parteigerichten sind Dutzende Streitfälle anhängig. Der Landesverband wird von einem Notvorstand geführt, nachdem das Landgericht die Vorstandswahl für ungültig erklärt hatte. Gegen zwei der drei Spitzenkandidaten der Wahlkreislisten, über die die Partei in den Landtag einziehen kann, laufen Parteiausschlussverfahren. Politikwissenschaftler hatten im Vorfeld der Wahl prognostiziert, dass all‘ dies viele AfD-Wähler unbeeindruckt lassen würde. Sie würden weniger an Personal und Querelen interessiert sein, hieß es, als vielmehr daran, was die Partei postuliert und wofür sie steht. Doch tatsächlich dürfte es vielen Wählern dann eben doch nicht ganz egal gewesen sein.

Licht am Horizont sieht Landeschef Wirth selbst dann noch nicht, wenn sich die 5,5 Prozent der ersten Prognose (später sind es 5,7 Prozent) verfestigen sollten. Denn auch wenn dies ausreichen sollte, damit alle drei Spitzenkandidaten der Wahlkreislisten von Saarbrücken, Neunkirchen und Saarlouis in den Landtag einziehen können, droht neuer Streit. Gegner des ehemaligen Landesvorsitzenden Josef Dörr, der die Wahlkreisliste Saarbrücken anführt, haben bereits „den festen Willen“ bekundet, mit Dörr keine Fraktion zu bilden. Zu diesen Gegnern gehört etwa der Spitzenkandidat des Wahlkreises Saarlouis, Carsten Becker, der dann ebenfalls in den Landtag einziehen würde. Um eine Fraktion bilden zu können, sind drei Abgeordnete nötig. Und keine Fraktion bedeute, „dass wir wie verloren sind“, so Wirth. Die AfD-Abgeordneten könnten keine Anträge mehr stellen, verlören an Einfluss. „Es sieht düster aus“, resümiert Wirth. Und damit nicht genug: Der Bundestagsabgeordnete glaubt auch, dass man inzwischen gar „nicht mehr überblicken“ könne, wie viele verschiedene Lager es darüber hinaus innerhalb der AfD im Saarland gebe.

Der bisherige AfD-Landtagsabgeordnete Rudolf Müller schimpft, im Wahlkampf hätten sich „einige nach vorne gedrängt, die nur gut bezahlte Jobs“ wollten. Namentlich nennt er Christoph Schaufert, der die Wahlkreisliste Neunkirchen anführt.

Das Wahlprogramm der AfD für die Landtagswahl war übertitelt mit dem Slogan: „Heimat ist wählbar.“ Diese „Heimat“ der AfD Saar scheint kein friedlicher Ort zu sein.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort