Landkreis verwaltet Hartz-IV nun selbst

Landkreis verwaltet Hartz-IV nun selbst

Saarlouis. "Wir haben sofort losgelegt", sagt Geschäftsführer Stefan Schirra im Saarlouiser Jobcenter in der Bahnhofsallee. Denn Mitte März 2011 war bekannt geworden, dass der Landkreis Saarlouis die Betreuung Langzeitarbeitsloser in Eigenverantwortung durchführen kann: als eine von derzeit drei Kommunen im Saarland

Saarlouis. "Wir haben sofort losgelegt", sagt Geschäftsführer Stefan Schirra im Saarlouiser Jobcenter in der Bahnhofsallee. Denn Mitte März 2011 war bekannt geworden, dass der Landkreis Saarlouis die Betreuung Langzeitarbeitsloser in Eigenverantwortung durchführen kann: als eine von derzeit drei Kommunen im Saarland.Anfang Mai sei bereits die Software eingekauft und dann in den Sommerferien eingerichtet worden. Rund 11 500 Personen enthalte das System. 80 Prozent dieser Kundendaten mussten manuell eingegeben werden. "Aus Datenschutzgründen trotz der immensen Arbeit von unseren eigenen Leuten", so Schirra.

Inzwischen stehen die eigene EDV, Personalstruktur und die grundlegenden Abläufe. "Wir sind jetzt so weit, wir könnten schon anfangen", sagt Schirra. Doch für Januar habe noch die Bundesagentur für Arbeit, BA, die Auszahlung an die Kunden übernommen, ergänzt Susanne Schwarz, Sozialdezernentin des Landkreises Saarlouis. Richtig ernst werde es also erst im Februar mit der ersten Auszahlung durch den Landkreis.

Die Bundesagentur war seit 2005 in die Betreuung eingebunden. Das brachte viele Vorgaben von Nürnberg mit sich, und häufig entsprachen sie nicht den Bedingungen hier vor Ort. "Das können wir besser", bezeichnet Susanne Schwarz den Grund des Landkreises, das Jobcenter komplett selbst zu stemmen. Denn auf Kreisebene sei man näher an den betroffenen Leuten dran.

186 Mitarbeiter hat das Jobcenter des Landkreises Saarlouis, rund die Hälfte davon war vormals bei der BA. 120 Personen arbeiten am Standort Saarlouis, 23 in Lebach und 42 in Dillingen, Letztere sind momentan noch am Saarlouiser Kleinbahnhof untergebracht.

Jährlich werden etwa 5,3 Millionen Euro für Eingliederungsmaßnahmen aufgebracht, elf Millionen für Verwaltung und insgesamt 57 Millionen Euro für Bereiche wie Unterkunft und Lebensunterhalt. Die Finanzierung erfolgt zu 15 Prozent durch den Landkreis und zu 85 Prozent durch den Bund.

"Erst muss sich jetzt mal alles in der Praxis einspielen", sagt Schirra. Letztlich gehe es darum, die Kunden der kreiseigenen Jobcenter individuell zu betreuen. "Bei der früheren Konstruktion standen zu sehr die Mängel und Defizite der Leute im Vordergrund", sagt Schirra. Jetzt kümmere man sich stärker um die Fähigkeiten und Kenntnisse.

"Theoretisch" sei die Option wieder rückgängig zu machen. "Aber wir werden das nicht machen." Denn der Landkreis rechne bei dieser Variante längerfristig auch mit einem Rückgang der Kosten.

Auf einen Blick

Die Aufgaben des Jobcenters im Kreis Saarlouis werden ab 1. Januar 2012 allein vom Landkreis durchgeführt. Die neue Telefonnummer für die drei Standorte, Saarlouis, Lebach und Dillingen, ist Tel. (0 68 31) 4 44 80 00. Durchwahlnummern der Mitarbeiter werden den Kunden mitgeteilt. Die Öffnungszeiten des Jobcenters werden an die der Kreisverwaltung angepasst, Einzelheiten werden noch festgelegt. Für das erste Quartal 2012 soll der bisherige publikumsfreie Tag am Mittwoch bleiben. az

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