Landgericht Saarbrücken verurteilt Saarwellinger Kinderschänder zu 12 Jahren Haft.

Urteil im Saarwellinger Missbrauchprozess : Zwölf Jahre Haft für Missbrauch Behinderter

Ein 71-jähriger Familienvater aus Saarwellingen, der sich in fast 100 Fällen an vier behinderten Kindern vergangen hat, ist am Mittwoch zu einer hohen Haftstrafe verurteilt worden.

Zwölf Jahre Haft muss der verurteilte 71-Jährige verbüßen. Mit dieser Entscheidung erhöhte das Landgericht Saarbrücken  das Strafmaß des Staatsanwalts, der in seinem Plädoyer elf Jahre beantragt  hatte. Die Verteidigerin des Angeklagten setzte sich für eine Strafe im einstelligen Jahresbereich ein. Verurteilt wurde er wegen schwerem sexuellen Missbrauchs, Vergewaltigung, sexueller Nötigung, Körperverletzung und der Herstellung kinderpornografischer Filme und Fotos. Zudem behält sich das Gericht eine Sicherungsverwahrung vor, wenn der Verurteilte seine Strafe abgesessen hat.

 Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte als Fahrer bei einem Fahrdienst für den integrativen Kindergarten  der Lebenshilfe in Saarwellingen vier Mädchen zwischen Dezember 2015 und Juni 2019 sexuell schwer missbraucht hat. Das jüngste Kind war zum Zeitpunkt der Übergriffe noch keine vier Jahre alt. Zu diesem  Mädchen und ihrer Schwester hatte er den meisten Kontakt. Dem Mann wurden 97 Taten in der Anklageschrift zur Last gelegt. In Wirklichkeit seien es aber 180 gewesen, so der Richter. Dabei sei der Angeklagte nur auf die Befriedigung seiner Bedürfnisse fixiert gewesen. Was bei den Kindern anrichtete, sei ihm völlig egal gewesen. Er habe seine Taten akribisch geplant, indem er sich das Vertrauen der Kinder erschlichen habe. Zudem habe er die Kinder besonders herabgewürdigt, in dem er sie zu Sexualpraktiken zwang, die ihm Erwachsene stets verweigert hätten.

Als strafmildernd sah es das Gericht an, dass er bisher noch nicht vorbestraft war und dass er die Taten gestanden hat. Allerdings, so der Richter, sei ihm auch nichts anderes übrig geblieben, da die Beweislast durch das Film- und Videomaterial, das die Polizei bei seiner Festnahme sichergestellt hatte, erdrückend gewesen sei. Dieses Material soll ein Datenvolumen von fünf Terabyte umfassen, wie es während der Verhandlung hieß.

Die Psychologin Konstanze Römer,  die als Sachverständige aussagte, betonte, dass der Angeklagte  nicht unter einer Psychopathie, also einer schweren Persönlichkeitsstörung, leide. Dieser Auffassung schloss sich das Gericht an. Auch wenn er sich fast vier Jahre an Kindern vergangen habe, sei er zudem kein pädophiler Mensch, so die Psychologin. In der Zeit vor dem Kindesmissbrauch habe er nie Sex mit Kindern herbeigesehnt oder sei einer solchen Neigung nachgegangen. Auch Kontakte zur pädophilen Subkultur habe er nicht gepflegt. Er habe als Fahrer  dieses Kindergarten-Fahrdienstes jedoch die Gelegenheit genutzt, als großväterliche Bezugsperson das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. Der Schwere der Taten sei er sich nicht bewusst gewesen, er habe sie vielmehr bagatellisiert. Er hätte damit auch nicht aufgehört, wenn er im Sommer nicht aufgeflogen und verhaftet worden wäre. Im Gegenteil: Er habe die Kinderschändungen immer intensiver ausgelebt.

Die Psychologin bescheinigte dem Angeklagten zudem, dass er keine tiefergehenden kriminellen Neigungen habe. Vielmehr habe er nach außen stets korrekt gelebt, ein Familienleben geführt und sei seinem Beruf als Buchhalter nachgegangen. Er sei 43 Jahre verheiratet, habe zwei Kinder und zwei Enkelkinder. Er habe immer planvoll gehandelt. Das zeige sich auch in der Tatsache, dass er dieses Doppelleben als Kinderschänder und Familienvater so lange aufrecht erhalten konnte, ohne dass jemand etwas davon bemerkte.