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Wie lange bleiben Schulen im Saarland zu? Werden Sommerferien verkürzt?

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Wie lange bleiben Saar-Schulen geschlossen? Werden die Sommerferien verkürzt?

Die Elternvertretung an Gymnasien befürchtet Wissenslücken bei Schülern und plädiert für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium.

Die saarländischen Schulen sind geschlossen, mindestens bis zum 26. April, die Abschlussprüfungen in allen Schulformen sind auf den 25. Mai verschoben – das ist der frühest mögliche Termin. Die allgemeine Leistungsbewertung von Schülern ist in Zeiten von digitalem Ersatzunterricht unklar. Saar-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) hat in einem Rundschreiben an Eltern, Lehrer und Schüler erklärt, dass von einer formalen Benotung zur Zeit abzusehen ist.

„Wann genau und in welcher Form wir unsere Schulen wieder öffnen, hängt entscheidend von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab. Unsere Richtschnur ist, dass den Schülerinnen und Schülern keine Nachteile entstehen sollen. Das gilt sowohl für die Abschlussprüfungen als auch für die Frage, wie die Leistungen in diesem schon jetzt außerordentlichen Schuljahr bewertet werden“, sagt Streichert-Clivot. Wie lange dieser Zustand also andauert, ist schwer abzuschätzen.

Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) will keine formale Noten während des Ersatzunterrichts vergeben lassen. Foto: Christian Hell

Die Vorsitzende der Landeselternvertretung (LEV) Gymnasien im Saarland, Katja Oltmanns, drängt auf eine Lösung der Probleme. Ein gangbarer Schritt sei die Reduzierung von Ferien. Diese Maßnahme hänge jedoch davon ab, wie lange der Präsenzunterricht noch ausgesetzt werde. „Sollten die Schulen erst wieder nach den Sommerferien öffnen, fehlt den Schülern so viel Stoff, dass er selbst durch den Ausfall von Ferien nur in Teilen nachgearbeitet werden kann“, sagt Oltmanns. „Es wäre eine mittlere Katastrophe, wenn dadurch viele Schüler auf der Strecke blieben.“

Markus Hahn, Vorsitzender des saarländischen Philologenverbands (SPhV) hält von einer Verkürzung der Sommerferien nichts. „Für Schüler, Eltern und Lehrer war das ein anstrengendes Jahr. Alle brauchen diese Zeit zur Erholung“, sagt Hahn. Auch aus dem Bildungsministerium heißt es, dass es derzeit keine Überlegungen gebe, die Sommerferien zu verkürzen.

Oltmanns führt deshalb eine weitere Alternative ins Feld: die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9). Es sei eine Frage von „Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit“, allen Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre Schullaufbahn zu vollenden. „Den oberen zwanzig Prozent des Leistungsspektrums mag das nichts ausmachen, wenn der Unterricht ausfällt. Für alle anderen wird das schwierig“, sagt Oltmanns. Die Wissenslücken müssten irgendwie geschlossen werden. „Und private Nachhilfe kann sich nicht jeder leisten.“ Oltmanns’ Auffassung nach könne eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium die jetzt entstehenden Lücken am besten schließen und Ungerechtigkeiten entgegenwirken.

Dem hält Bernhard Strube von der Landeselterninitiative für Bildung entgegen, dass eine Rückkehr zum G9 sich nicht „durch eine reine Verlängerung der Schulzeit um ein Jahr organisieren“ lasse. Dafür bedürfe es der Umstellung von Lehrplänen und der Einstellung von mehr Personal. „Das kostet die Schulen mehr Kraft als das, was sie jetzt eh schon leisten müssen“, sagt Strube. Hinsichtlich der Benotung teilt die Landeselterninitiative für Bildung die Auffassung aus dem Bildungsministerium. „Die Lehrkräfte haben auch ohne Noten aus den Schulschließungswochen ein gutes Bild von der Leistung ihrer Schüler“, sagt Strube. Allerdings sei zu bedenken, dass „Schulschließungen nicht zu einem Katalysator für Bildungsungerechtigkeit werden“ dürften. „Kinder brauchen deshalb eine feste schulische Ansprechperson, die ihnen bei ihren Fragen rund um das Thema ‚strukturiertes Lernen zu Hause’ zur Seite steht.“ Eine Kürzung der Sommerferien solle die Kultusministerkonferenz beraten und eine einheitliche Lösung finden. „Aber Ferien brauchen Lehrer, Schüler und Eltern auch“, sagt Strube.