Freiwillige können sich registrieren Mit dieser App sollen im Saarland künftig Leben gerettet werden

Exklusiv | Saarbrücken · Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Im Saarland sollen registrierte Ersthelfer, die sich gerade in der Nähe aufhalten, künftig per App alarmiert werden. Die Hoffnung ist, dass sie vor dem Rettungsdienst da sind – und so Leben retten.

 Ersthelfer sollten sich im Fall eines Herzstillstands auf die Herzdruckmassage konzentrieren,raten Experten.

Ersthelfer sollten sich im Fall eines Herzstillstands auf die Herzdruckmassage konzentrieren,raten Experten.

Foto: dpa-tmn/Armin Weigel

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommt es auf jede Sekunde an. Im Saarland sollen deshalb registrierte Ersthelfer, die gerade in der Nähe eines medizinischen Notfalls sind, in Zukunft per App alarmiert werden. Der Name des Systems steht bereits fest: „Saar-Retter“. „Wir hoffen, dass wir in der ersten Jahreshälfte 2024 so weit sein werden“, sagt Timm Mathis, der Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Saar.

Anstoß kam 2018 aus der Landespolitik

Den Anstoß zur Entwicklung eines solchen Systems gab die Landespolitik 2018. Doch dem ZRF fehlte seither nicht nur das nötige Geld, sondern auch eine gesetzliche Grundlage für die App, die es mittlerweile gibt. Das Innenministerium bezahlt 100 Prozent der Kosten für die Erstinstallation, die Betriebskosten wird der ZRF tragen.

Wird der Leitstelle auf dem Saarbrücker Winterberg über den Notruf 112 ein Herzstillstand gemeldet, alarmiert sie – zusammen mit dem Notarzt und dem Rettungswagen – über eine App jene „Saar-Retter“, die sich im Umkreis von 500 Metern um den Notfall befinden. Die Hoffnung ist, dass sie vor dem Rettungsdienst da sind – und so Leben retten.

Wird der Leitstelle auf dem Saarbrücker Winterberg über den Notruf 112 ein Herzstillstand gemeldet, alarmiert sie – zusammen mit dem Notarzt und dem Rettungswagen – über eine App jene „Saar-Retter“, die sich im Umkreis von 500 Metern um den Notfall befinden. Die Hoffnung ist, dass sie vor dem Rettungsdienst da sind – und so Leben retten.

Foto: SZ/Müller, Astrid

Funktionieren soll das System wie folgt: Freiwillige mit medizinischen Grundkenntnissen (oder mehr) können sich als „Saar-Retter“ registrieren. Dazu zählen zum Beispiel Ärzte, Beschäftigte im Rettungsdienst, Krankenpflegekräfte oder Feuerwehrleute mit Sanitätsausbildung.

Alarmiert werden Retter um Umkreis von 500 Metern

Wird der Leitstelle auf dem Saarbrücker Winterberg über den Notruf 112 ein Herzstillstand gemeldet, alarmiert sie – zusammen mit dem Notarzt und dem Rettungswagen – über eine App jene „Saar-Retter“, die sich im Umkreis von 500 Metern um den Notfall befinden. Diese können den Einsatz annehmen und werden über ihr Handy zur Notfallstelle navigiert. Der Radius wurde deshalb auf 500 Meter begrenzt, weil man unbedingt vermeiden will, dass sich Ersthelfer ins Auto setzen und schnell zur Einsatzstelle düsen. Voraussetzung für die Alarmierung ist, dass die Ortungsfunktion ihres Handys eingeschaltet ist.

Wie eine neue Ersthelfer-App im Saarland künftig Leben retten soll​
Foto: ZRF

Aufs Jahr gerechnet wird der Rettungsdienst im Saarland zu 600 bis 700 Patienten gerufen, die wiederbelebt werden müssen. Nicht zu allen werden in Zukunft auch Freiwillige alarmiert. Wenn sich die Ersthelfer in Gefahr begeben würden, etwa bei Unfällen auf der Autobahn, werden sie nicht alarmiert. Auch nicht, wenn sich der Notfall zum Beispiel in einer Arztpraxis ereignet.

Beim Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute

Im Durchschnitt benötigt der Rettungsdienst etwas über zehn Minuten, bis er beim Patienten eintrifft. Gerade beim Herz-Kreislauf-Stillstand kann das aber schon zu lange sein. „Aus medizinischen Gründen wäre wichtig, dass so schnell wie möglich mit der Herzdruckmassage begonnen wird, denn schon nach wenigen Minuten ohne Kreislauf können schwere Hirnschäden entstehen. Wenn es uns gelingt, den Ersthelfer nach drei oder vier Minuten an die Einsatzstelle zu bringen, kann das lebensrettend sein – selbst wenn er nur drückt und auf Beatmung zunächst verzichtet“, sagt Lukas Hoor, der Leiter des Fachbereichs Rettungsdienst beim ZRF.

Um freiwillige Ersthelfer zu finden, will der ZRF auf Kliniken, Hilfsorganisationen und Feuerwehren zugehen. Eine erste Info-Veranstaltung fand Ende August statt. „Wenn wir zum Jahreswechsel mit 500 oder 1000 registrierten Nutzern einsteigen könnten, wäre das ein Riesenerfolg“, sagt Lukas Hoor. Die Helfer sind, wie alle Ersthelfer, über die Unfallkasse des Saarlandes automatisch versichert.

In Berlin werden jeden Tag 26 Mal Ersthelfer per App alarmiert

Die Alternative zu dem Konzept des ZRF wäre, dass sich über die App jeder Bürger als potenzieller Ersthelfer registrieren kann. So handhabt es die Berliner Feuerwehr mit ihrer 2020 gestarteten „Katretter“-App. Dort reicht es, wenn sich Interessierte zutrauen, eine Wiederbelebung durchzuführen. Ein Jahr nach dem Start der App hatten sich bereits 7000 Menschen registriert. Pro Tag werden die Ersthelfer dort im Schmitt 26 Mal alarmiert.

Beim ZRF ist man jedoch überzeugt, dass Ersthelfer Routine in der Anwendung der Herzdruckmassage brauchen und professionell mit einer solch belastenden Situation umgehen können müssen.

In Berlin hat sich das Ersthelfer-System aus Sicht der Feuerwehr bewährt. „Unsere Erfahrungen sind überwiegend positiv“, sagte ein Sprecher der SZ. Dort konnten Ersthelfer im ersten Jahr bei fast 600 Patientinnen und Patienten schon vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Wiederbelebung beginnen.

Auch beim ZRF setzt man große Hoffnungen in die Ersthelfer-App. „Im Idealfall sitzen wir in einem Jahr hier zusammen mit einem Ersthelfer und einem Patienten, der diesem Saar-Retter sein Leben zu verdanken hat.“