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Wie die Lazarette im Saarland organisiert werden sollen

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Pandemie : Wie die Lazarette organisiert werden sollen (aktualisiert)

Die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken steigt. Deshalb werden sechs Hallen im Land jetzt zu Lazaretten umgebaut – für eine klar definierte Gruppe von Patienten. Dabei kommen nicht nur Feldbetten zum Einsatz, sondern auch bequemere Modelle.

Beim Personal der saarländischen Krankenhäuser herrscht große Anspannung. 141 Corona-Patienten werden mittlerweile auf den Stationen behandelt, 48 von ihnen intensivmedizinisch. Eine Woche zuvor waren es 38 beziehungsweise 17. Der Trend ist also eindeutig, und die Epidemie steht nach Einschätzung von Virologen erst am Anfang.

Um in den Krankenhäusern Kapazitäten für Neuaufnahmen zu schaffen, sollen Patienten, die nicht an Corona erkrankt sind, verstärkt in Reha-Kliniken verlegt und dort weiterbehandelt werden. Für geriatrische Tageskliniken verfügte die Landesregierung gar einen Aufnahmestopp. Für den Fall, dass es trotz dieser Maßnahmen eng werden sollte, werden dieser Tage sechs Lazarette eingerichtet, unter anderem in Turnhallen. In jedem Landkreis und im Regionalverband Saarbrücken soll es ein solches „Covid-19-Versorgungszentrum“ mit bis zu 180 Betten geben.

Wobei das nicht unbedingt Feldbetten sein müssen. In der Turnhalle der Marpinger Gemeinschaftsschule wurden die Feldbetten in der Zwischenzeit wieder abgebaut und durch 50 Betten ersetzt, die als Spenden oder Leihgaben unter anderem aus einer Seniorenresidenz, von Privatleuten sowie dem Altbestand eines Krankenhauses stammen. „Die jetzige Situation ist selbstverständlich die bessere Lösung“, sagte Dirk Schäfer, der Leiter des operativ-taktischen Stabes beim Landkreis St. Wendel. Die nächste Ausbau-Stufe erfolge mit 110 Klappbetten. Falls dann noch Kapazitäten benötigt würden, werd man auf Feldbetten zurückgreifen müssen.

Im Regionalverband Saarbrücken bittet das Rote Kreuz Privatleute, zurzeit nicht benötigte Pflegebetten zur Verfügung zu stellen (E-Mail: kokalidis@kv-saarbruecken.drk.de). „Üblicherweise nutzen wir Feldbetten, von denen wir ausreichend viele besitzen“, erklärte ein Sprecher. Für Dauerpatienten wären Pflegebetten jedoch viel angenehmer und für das Pflegepersonal erleichterten sie ganz erheblich die Arbeit.

„Es sollen Patienten aufgenommen werden, die in einem regulären Krankenhaus behandelt wurden und die speziellen Therapie-Optionen zwar nicht mehr benötigen, aber auch noch nicht in die häusliche Umgebung entlassen werden können“, erklärt das saarländische Gesundheitsministerium. Patienten etwa, die auf dem Weg der Besserung sind, sich aber noch nicht alleine zu Hause versorgen können und nur wenig Unterstützung benötigen.

Träger der Lazarette sollen Krankenhäuser sein, das wäre aus Sicht der Politik die beste Lösung: Sie haben die Expertise, die Ausstattung und das Personal. Doch besteht hier noch Klärungsbedarf, weil die Kliniken durch die Situation bereits extrem stark belastet sind. Finanziert werden soll der Betrieb, wie in einem Krankenhaus, von den Krankenkassen über Fallpauschalen. Allerdings fürchten die Kliniken einen bürokratischen Aufwand durch die erforderliche Dokumentation, der in einer extremen Belastungssituation kaum zu bewältigen sei.

Die Versorgungszentren sollen laut Gesundheitsministerium die medizinischen Möglichkeiten bieten, die auch auf einer normalen Krankenhausstation zur Verfügung stehen. Um die Patienten soll sich „ein kleiner Personalstamm an Pflegern und Ärzten“ kümmern. Hier könnten Ärzte im Ruhestand und frühere Pflegekräfte zum Einsatz kommen, die sich als Freiwillige gemeldet haben – oder aber aktives Klinik-Personal von Nicht-Corona-Stationen, das an seinen angestammten Plätzen auf den Stationen dann von den Freiwilligen ersetzt werden würde.

Am Ende könnten – wie schon in der Flüchtlingskrise 2015 – Hilfsorganisationen eine wichtige Rolle spielen. DRK-Präsident Michael Burkert sagte, man sei im Rahmen der personellen Möglichkeiten bereit zu helfen. Als Beispiele nannte er Unterstützung bei der Logistik, bei Essen und Getränken und bei der Pflege. Ehrenamtliche sollen mit Hilfe von Online-Modulen auf ihre Arbeit vorbereitet werden. Burkert forderte aber erneut, Helfer müssten freigestellt werden, ohne dass sie auf Gehalt verzichten müssen; hier sieht er das Land in der Pflicht: „Bei einem durchsetzungsstarken Innenminister dürfte das kein Problem sein.“