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Wie die Bundeswehr im Saarland im Kampf gegen das Coronavirus hilft

Kostenpflichtiger Inhalt: Kampf gegen Corona : Wie die Bundeswehr gegen Corona hilft

Ab Mittwoch Test-Zentren in drei Saar-Städten und bald ein Lazarett im Kreis St. Wendel? Die Erwartungen an das Militär sind unter Saar-Politikern groß, aber die Kapazitäten begrenzt.

Der Ausnahmezustand gilt auch in der Bundeswehr. Fernspäher aus Lebach mussten vom Polarkreis ausgeflogen werden, weil ihre Arktis-Übung in Norwegen wegen der Corona-Infektionsgefahr abgebrochen wurde. Bei den Hunderten von Soldaten aus Merzig und Zweibrücken, die bald Teil der weltweit einsetzbaren schnellen EU-Eingreiftruppe sein werden, ist fraglich, wie es mit ihren Vorbereitungen weitergeht. Die Stuben in den Kasernen sind verwaist. Wer nicht zwingend vor Ort gebraucht wird, sitzt zu Hause und – so heißt das bei der Bundeswehr – hält sich bereit.

„Wir kämpfen gegen einen unsichtbaren Gegner“, formulierte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) kürzlich in einem Tagesbefehl an die 183 000 Soldaten und 81 000 Zivilbeschäftigten. Den Ländern und Kommunen bot sie die Hilfe der Bundeswehr an. Die nahmen dankend an: In Saarbrücken, Merzig und St. Wendel betreibt die Bundeswehr jetzt Corona-Test-Stationen, in den Test-Zentren in Saarlouis und bald auch in Homburg sind ebenfalls Soldaten im Einsatz. Zur Unterstützung bei Abstrichen in der JVA Ottweiler wurde ein Bundeswehr-Arzt gewünscht. Und der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald (CDU) hat bei Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer um ein Lazarett gebeten, um das Marienkrankenhaus in St. Wendel zu entlasten. Dafür gebe es bereits „zahlreiche räumliche Optionen“, warb Recktenwald.

Die Kontakte aus dem Saarland in die Spitze der Bundeswehr sind gut, nicht nur zur Verteidigungsministerin. Die Verbindung zu Generalinspekteur Eberhard Zorn, einem Saarbrücker, hält Innenstaatssekretär Christian Seel (CDU). Der Oberstleutnant der Reserve absolviert regelmäßig Wehrübungen in Zorns Büro im Berliner Verteidigungsministerium. Seels Chef im Innenministerium, Klaus Bouillon (CDU), wiederum war schon in der Flüchtlingskrise 2015 der Erste, der nach der Bundeswehr rief, damals mit dem forschen Spruch: „Wozu haben wir denn die Bundeswehr? Dann sollen sie eben die Soldaten aus Afghanistan oder der Türkei abziehen.“

Die Anträge auf Amtshilfe werden im Lagezentrum des Landeskommandos in Saarlouis bearbeitet. Zusätzlich gibt es in jedem Landkreis im Saarland ein Kreisverbindungskommando, das aus Reservisten besteht, und die Landräte berät. „Es gilt, einerseits die Beratung der zivilen Entscheidungsträger über Möglichkeiten und Fähigkeiten der Bundeswehr sicherzustellen und andererseits die Hilfeleistungsanträge verzugslos zu bearbeiten“, sagt der Kommandeur des Landeskommandos, Oberst Klaus Peter Schirra. Dazu stünden die Verbindungskommandos, das Lagezentrum und die Führungskräfte rund um die Uhr zur Verfügung.

Die Verteidigungsministerin hat mit ihrer Hilfszusage große Erwartungen bei Landes- und Kommunalpolitikern geweckt, als sie sagte: „Was immer jetzt gebraucht wird, wenn wir helfen können, tun wir es.“ Doch die Möglichkeiten sind begrenzt, das gilt in besonderer Weise für den Sanitätsdienst (die Reserve-Lazarette aus der Zeit des Kalten Krieges gibt es schon lange nicht mehr) sowie Logistik-, Pionier- oder ABC-Kräfte, die bei einer Pandemie von ziviler Seite stark nachgefragt sein dürften. Zumal Corona die erste Krise ist, die – anders als ein Hochwasser – flächendeckend auftritt. Es können also nicht einfach Kräfte aus der Republik am Krisenort zusammengezogen werden.

Hinzu kommt, dass sich die Bundeswehr stark gewandelt hat: Seit dem Jahrhunderthochwasser an der Elbe im Jahr 2002, als 44 000 Soldaten gegen die Wassermassen kämpften, ist sie um mehr als 110 000 Soldaten geschrumpft. Vor allem wurde sie strikt auf Auslandseinsätze ausgerichtet, die Landes- und Bündnisverteidigung gewinnt erst allmählich wieder mehr Bedeutung. Was man aber an Kräften und Mitteln im Kampf gegen Aufständische in Afghanistan oder Mali benötigt, unterscheidet sich am Ende von dem, was zur Bekämpfung eines unsichtbaren Gegners namens Covid-19 gefordert ist.