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Was die Corona-Zahlen im Saarland zeigen

Virus breitet sich weniger stark aus als gedacht, aber deutlich mehr ältere Erkrankte : Was die Corona-Zahlen im Saarland zeigen

Während sich das Virus hierzulande langsamer ausbreitet als erwartet, nimmt der Anteil älterer Patienten deutlich zu. Eine SZ-Analyse.

Eine niedrigere Fallzahl als zunächst befürchtet nimmt der Corona-Krise im Saarland ein wenig den Schrecken. Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hatte vor eineinhalb Wochen mit 10 000 Infektionen Ende März gerechnet. Die Landesregierung reagierte mit Ausgangsbeschränkungen, die nun bis zum 20. April verlängert worden sind. Zum damaligen Zeitpunkt verdoppelten sich die Fallzahlen in der Region etwa alle zwei Tage. Dieses Tempo hat nachgelassen, gegenwärtig liegt die Infektionszahl bei 961. Fragt sich: Wo steht das Saarland in der Corona-Krise?

Hält man sich an die behördlichen Zahlen, so scheint das Schreckensszenario mit 10 000 Infizierten zum 31. März zwar nicht eingetreten zu sein – auch wenn Experten aufgrund milder Krankheitsverläufe von einer beträchtlichen Dunkelziffer ausgehen. Doch haben sich die Krankheitsfälle in der vergangenen Woche mehr als verdoppelt. Man könne erste Erfolge ablesen, aber die Lage bleibe aufgrund der nach wie vor steigenden Infektionszahlen „sehr ernst“, sagte Hans am Montag.

127 Corona-Patienten müssen laut Gesundheitsministerium in einem Krankenhaus behandelt werden, davon 44 auf einer Intensivstation.  Gäbe es 10 000 Corona-Patienten im Land, wäre das Gesundheitssystem bei einer solchen Quote schon an seine Grenzen gestoßen. Während das Ministerium von 61 Menschen ausgeht, die wieder gesund sind, gibt es im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 mittlerweile zwölf Todesfälle.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI), das bundesweit für den Kampf gegen das neuartige Virus verantwortlich ist, sind 87 Prozent der Corona-Toten in Deutschland entweder 70 Jahre oder älter. Im Saarland nimmt der Anteil älterer Menschen an den Erkrankten beständig zu. Das belegen die aus dem Saarland ans RKI in Berlin gemeldeten Daten. Sie zeigen, dass mittlerweile mehr als ein Fünftel der Infizierten in der Region über 60 Jahre alt ist. Im Regionalverband Saarbrücken stellt diese Altersgruppe sogar über ein Viertel der Erkrankten. Am Dienstag meldete das Gesundheitsamt acht Corona-Fälle in einer Seniorenresidenz in Püttlingen.

In Saarbrücken und Umland haben sich im landesweiten Vergleich auch die meisten Menschen über 80 Jahre mit dem Coronavirus angesteckt. Über zwei Drittel aller Corona-Fälle aus dieser Risikogruppe kommen im Saarland aus dem Regionalverband. Freilich leben dort mehr Menschen als in den übrigen Landkreisen. Daher ist es aufschlussreich, die Krankheitsfälle je 100 000 Einwohner zu berechnen – um zu sehen, wie sich das Coronavirus ausgebreitet hat. Während im Regionalverband derzeit 109 Corona-Fälle auf 100 000 Menschen kommen, liegt dieser Wert in St. Wendel bei 110 und im Saarpfalz-Kreis sogar bei 118. Zum Vergleich: Bundesweit beziffert das RKI die sogenannte Inzidenzrate auf 74 Fälle je 100 000 Einwohner. Hamburg hat mit 119 Infektionen je 100 000 Einwohner die höchste Quote unter den Ländern.

Wie nah an der Gegenwart bewegen sich die Zahlen im Saarland? Zuletzt nährten Berichte über längere Wartezeiten bei den Corona-Tests die Zweifel an den verfügbaren Daten. Der Regionalverband begründete am Dienstag den jüngsten Anstieg seiner Fallzahlen mit einem „jetzt aufgelösten Rückstau im Testlabor“. Auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die in den Landkreisen sechs Teststationen betreibt, sprach kürzlich von einem „leichten Rückstau“. KV-Chef Gunter Hauptmann bestätigt, dass es Wartezeiten zwischen fünf und sieben Tagen gab – verursacht durch einen kurzzeitigen Engpass bei den sogenannten Reagenzien, also Chemikalien, ohne die ein Test auf das Coronavirus nicht möglich ist. Nach Angaben von Hauptmann liegen die Wartezeiten nun bei ein bis zwei, „maximal drei Tagen“, wie er sagt. Jedoch dürften auch in Zukunft nicht alle Ergebnisse gleich schnell vorliegen. Die KV hat an ihre Mitglieder die Bitte des Gesundheitsministeriums weitergegeben, eine „Priorisierung der Abstriche“ vorzunehmen. Das bedeutet, dass Ärzte bei einem Corona-Verdacht ihre Patienten für die Laboruntersuchung einer von drei Kategorien zuordnen sollen. In die erste Kategorie fallen Menschen aus Risikogruppen, bei denen der Nachweis der Lungenkrankheit Covid-19 entscheidend für die Medikation ist. Aus dem Labor hört Hauptmann von mehr als 90 Prozent negativer Ergebnisse. Der Ärztechef sagt: „Für uns stellt sich die Frage: Ist das repräsentativ?“ Denn bei dem neuartigen Erreger komme es „sehr stark“ darauf an, wann ein Test gemacht werde.

Corona_im_Saarland Foto: SZ/Steffen, Michael

So stehen die Daten zu Corona unter einem gewissen Vorbehalt. Bereits in der vergangenen Woche hatte RKI-Präsident Lothar Wieler mehrfach betont: „Wir sind am Anfang der Epidemie.“ Es sei offen, wie diese sich weiter entwickele. Das gilt auch für das Saarland.