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Warum jetzt auch das Krankenhaus der CTT in Lebach schließt

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie von Krankenhaus-Schließungen geht weiter : Warum jetzt auch die Lebacher Klinik schließt

Die Politik ist geschockt. Doch der Träger sieht keine andere Möglichkeit mehr, als die Klinik in Lebach zu schließen. Was bedeutet das für die Mitarbeiter und die Versorgung der Region?

Die Probleme waren bekannt, aber die Nachricht von der Schließung kam trotzdem wie ein Donnerschlag. Als die Geschäftsführung der katholischen Cusanus-Trägergesellschaft Trier (CTT) am Freitagmorgen ins Gesundheitsministerium einbestellt wurde, lautete ihre Botschaft an Ministerin Monika Bachmann (CDU), Bürgermeister Klauspeter Brill (parteilos) und Landrat Patrik Lauer (SPD): Es geht nichts mehr. Die Reaktionen: „überrascht“ (Bachmann), „schockiert“ (Brill) und „fassungslos“ (Lauer).

Lauer sagte hinterher, noch vor drei Wochen habe es Gespräche mit der CTT über eine Modernisierung des Lebacher Krankenhauses und den Bau eines neuen Bettenhauses gegeben. „Darin hat man uns versichert, dass die CTT gewillt sei, in den Standort Lebach zu investieren. Kein Wort wurde über eine drohende Schließung verloren.“

Dass die CTT in Lebach erhebliche Probleme hat, war aber seit Jahren klar. Mitarbeiter mussten auf Gehalt verzichten, um den Standort zu sichern. Bekannt waren seit vielen Jahren auch die erheblichen Brandschutz-Probleme in dem 1976 errichteten Krankenhaus. Der Sanierungsstau in der Klinik beträgt laut einem 2017 erstellten Gutachten 32 Millionen Euro.

Vor zwei Jahren entschied die CTT, dass ein kompletter Neubau des Bettenhauses wirtschaftlicher ist als eine Sanierung. Die Kosten wurden auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag taxiert. Mit diesem Neubau würde man die Existenz des Standorts sichern, das war der Plan. Ungefähr zur gleichen Zeit, nachdem das Krankenhaus Wadern 2017 geschlossen wurde, erhielt Lebach 55 zusätzliche Betten (aktuell 208), unter anderem in Gestalt einer neuen Abteilung für Geriatrie.

Doch zu dem verheißungsvollen Neubau des Bettenhauses kam es nicht. Dem Träger ging die Luft aus. Am Freitag begründete die CTT die Schließung mit der seit Jahren anhaltenden prekären wirtschaftlichen Situation sowie zusätzlichen Belastungen durch sich massiv verschärfende bundespolitische Rahmenbedingungen. Daher sei die gesamte Investitionsplanung für Lebach nicht mehr aufrechtzuerhalten gewesen.

Am Ende ging es für den Träger wohl auch darum zu verhindern, dass Verluste in Lebach die gesamte CTT-Gruppe mit 4000 Mitarbeitern in Schieflage bringen. „Letztendlich hatten wir auch unsere Verantwortung gegenüber der gesamten CTT-Gruppe zu berücksichtigen“, sagte Geschäftsführer Bernd Molzberger. Zur Gruppe zählen unter anderem noch Kliniken in Wittlich, Bernkastel-Kues und Geldern (NRW) sowie mehrere Alten- und Pflegeheime und Reha-Kliniken.

Nun stellen sich zwei Fragen. Erstens: Was wird aus den rund 500 Beschäftigten? Sie werden sich nun schnell einen anderen Job suchen müssen und damit sicherlich nicht warten, bis die Klinik irgendwann zugesperrt wird. Wenn aber nun viele Ärzte und Pflegekräfte schnell einen anderen Job finden werden, wofür die große Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt spricht, wird der Klinikbetrieb womöglich nicht mehr lange aufrechtzuerhalten sein. Ein genaues Datum nannte die CTT nicht, es wurden lediglich unverzügliche Gespräche mit Politik und Mitarbeitern über ein „Schließungsszenario“ angekündigt. Das im Raum stehende Datum 1. Juli will das Unternehmen nicht bestätigen.

Der Verdi-Pflegebeauftragte Michael Quetting sagte: „Die Beschäftigten dürfen nicht im Regen stehen gelassen werden. Wir sind bereit, einen Tarifvertrag für die Beschäftigten der CTT abzuschließen, wenn die Kolleginnen und Kollegen das wollen.“

Die zweite Frage lautet: Was wird aus der Gesundheitsversorgung im Raum Lebach? Jenem Raum also, für den gerade erst eine drohende Unterversorgung mit Hausärzten festgestellt wurde. Landrat Lauer und Bürgermeister Brill forderten, die Versorgungssicherheit in Lebach und den Nachbarkommunen dauerhaft zu gewährleisten. Eine Nordsaarlandklinik, so sie denn überhaupt jemals kommen wird, dürfte erst in mehreren Jahren fertig sein.

Mit Sorge betrachten Verdi und Landespolitiker, dass eine Klinik nach der anderen aus wirtschaftlicher Not und ohne Rücksicht auf die Versorgungssicherheit schließt – erst Wadern (2017) und Dillingen (2019), dann Ottweiler (2021), jetzt noch Lebach. Verdi fordert einen Runden Tisch. „Wir sind in einer tiefen Krise“, sagte Quetting. Das Gesundheitsministerium habe die Träger nicht mehr im Griff. Die Grünen sehen die Ministerin vor einem Scherbenhaufen und raten Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), das Thema zur Chefsache zu machen. Die FDP fordert, den Krankenhausplan sofort zu revidieren.

Die Schließung des Lebacher Krankenhauses erhöht nun den Druck auf Gesundheitsministerin Bachmann, einen Investor für den Bau einer Nordsaarlandklinik zu finden. Die Suche läuft bis Ende März, danach soll eine Entscheidung fallen. Die Kommunalpolitik hat bislang immer vor einer solchen Klinik gewarnt, weil sie das Aus für Lebach bedeuten würde. Jetzt, wo die Klinik in Lebach ganz ohne Nordsaarlandklinik dichtmachen wird, wirbt Landrat Lauer dafür, die neue Klinik in Lebach anzusiedeln: Die Stadt in der Mitte des Saarlandes sei als Krankenhausstandort prädestiniert.