Waldbesitzer in der Rolle der Klimaretter

Naturschutz : Waldbesitzer in der Rolle der Klimaretter

Der Wald entlastet die Atmosphäre erheblich vom Treibhausgas CO2. Doch wie lange noch? Hitze und Käfer bedrohen den Bestand im Land.

Die Bundesumweltministerin will den Klimakiller CO2 bepreisen. „Gut und schön“, findet Michael Klein, Vorsitzender des saarländischen Waldbesitzerverbandes, „aber warum findet in der öffentlichen Diskussion über den Klimawandel die nicht zu unterschätzende Rolle der deutschen Wälder so wenig Aufmerksamkeit?“ Dass diese Frage nicht unberechtigt ist, dokumentiert er mit dem Hinweis darauf, dass rund 2,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im deutschen Wald in Boden und Holz gebunden sind. Damit entlaste unser Wald die Atmosphäre jährlich um 58 Millionen Tonnen CO2, was über sechs Prozent der freigesetzten Treibhausgase in Deutschland (2018: 865,6 Mio. Tonnen) entspricht. Aber dieser natürliche Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel könnte schon bald viel von seiner „Kampfkraft“ verlieren.

Der Waldbesitzer: „Nach dem vergangenen Sommer, dem trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881, summierte sich das Schadholz bundesweit auf 32,4 Millionen Festmeter.“ Und im laufenden Jahr sehe es noch schlechter aus. „Bis jetzt haben wir bereits 13 Millionen Festmeter registrieren müssen, weitere 22 Millionen sollen laut aktueller Prognosen noch dazukommen. In der Summe rechnen wir daher insgesamt mit etwa 70 Millionen Festmeter Schadholz, was dem kompletten Einschlag eines Durchschnittsjahres in der Bundesrepublik Deutschland entspricht.“ Dies wiederum bedeute rund 110 000 Hektar neue Kahlflächen durch Waldverlust und zwangsläufig eine entsprechende Verringerung bei der CO2-Bindung durch Wald und Holz.

Entscheidend für diese alarmierende Entwicklung seien die trockenen Sommer. „Große Brände wie aktuell im Mecklenburg-Vorpommern“, so der Waldbesitzer, „bedrohen uns im Saarland zum Glück nicht unmittelbar, weil unsere Mischwälder nicht so leicht zum Raub der Flammen werden wie die von der Trockenheit ausgedörrten reinen Fichten- und Kiefernbestände in den neuen Bundesländern. Unsere größte Sorge an der Saar gilt vielmehr dem Borkenkäfer, der sich in trockenen Sommern rasant vermehrt.“ Und Klein fährt fort: „Während diese Käferart normalerweise zwei Generationen pro Jahr aufzieht, mussten wir schon im vergangenen Jahr miterleben, dass der Schädling gleich fünf Generationen zum Todesfraß auf unsere Fichten freisetzte.“

Ungeachtet der Frage, was diese einschneidenden Waldverluste für den Klimawandel bedeuten, verweist der Waldbesitzer auf den inzwischen bundesweit zusammengebrochenen Holzmarkt – quantitativ und qualitativ – sowie seine Auswirkungen auf die Waldbesitzer. Insbesondere die heutigen Dumpingpreise für das Fichtenholz, wenn es überhaupt noch von den Sägewerken abgenommen werde, würden seinen Kollegen bereits existenzbedrohende Verluste bescheren. Klein: „Zum Glück hat der Umweltminister des Saarlandes, Reinhold Jost, die alarmierenden Zeichen der Zeit erkannt und darauf reagiert.“ Mit einem besonderen Hilfsprogramm unterstütze er von solchen Schäden betroffene Privatwaldbesitzer und Kommunen. Das reiche von der kostenlosen staatlichen Beratung über die Bekämpfung von Schadorganismen bis zur Anlage von besonderen Holzlagerplätzen (für Borkenkäfer-geschädigte Stämme) oder die schnelle Wiederaufforstung von bereits entstandenen Kahlflächen. Wichtige Hilfe werde auch von den Selbsthilfeorganisationen für Kleinstwaldbesitzer wie zum Beispiel der Forstbetriebsgemeinschaft Saar geleistet.

Das aktuelle Waldsterben treibe aber nicht nur den Waldbesitzern die Sorgenfalten ins Gesicht. Vielmehr müsste nach Kleins Meinung in der aktuellen öffentlichen Diskussion über den Klimawandel auch die Zukunft unserer Wälder eine wichtigere Rolle als bisher spielen. Über den bisherigen Beitrag zur CO2-Reduzierung hinaus würden Holzprodukte zusätzlich noch Jahr für Jahr etwa drei Millionen Tonnen CO2 binden, was von der Substitutionsleistung der Holzverwendung als Alternative zu Beton, Stahl, Aluminium, Öl, Kohle oder Gas um weitere 66 Millionen Tonnen CO2 noch deutlich übertroffen werde. Diesen bisher zumeist übersehenen Beitrag könnten die deutschen Wälder aber nur noch so lange leisten, wie sie nicht dauerhaft Kahlschlägen zum Opfer fallen müssen.