Virtuelles Mehrgenerationenhaus: Jung und Alt lernen gemeinsam den Umgang mit Tablets

Virtuelles Mehrgenerationenhaus : Jung und Alt wollen gemeinsam das Internet erobern

In fünf neuen „Virtuellen Mehrgenerationenhäusern“ lernen jeweils 15 Teilnehmer den Umgang mit Tablet-Computern.

Einen Computer hat Ulrich Pawlik schon, doch der Umgang damit fällt dem 76-Jährigen nicht leicht. „Ich habe noch nie einen Lehrgang besucht“, gesteht er. Auch seine Kinder versuchten, ihm das Smartphone schmackhaft zu machen, damit sie sich leichter Fotos schicken könnten. Seit gestern ist der Saarlouiser einer von 75 Teilnehmern der fünf neuen „Virtuellen Mehrgenerationenhäuser“, die in den kommenden Wochen im Saarland „ans Netz“ gehen. Am Ende des Projektes in einem Jahr sollen die Teilnehmer in der Lage sein, mit Hilfe der Tablets selbständig untereinander zu kommunizieren und sich auszutauschen. Das Tablet dürfen sie behalten. Die „Virtuellen Mehrgenerationenhäuser“ sind ein gemeinsames Projekt der Landesmedienanstalt Saarland (LMS), des Medien-Netzwerks SaarLorLux und des Saar-Sozialministeriums.

„Wir müssen Leuten, die nie in ihrem Leben mit neuen Medien zu tun hatten, die Gelegenheit bieten, diese kennenzulernen und zu nutzen. Dabei wollen wir Jung und Alt zusammenführen“, sagte Sozialministerin Monika Bachmann (CDU) gestern beim Startschuss in Saarlouis-Steinrausch, bei dem die Teilnehmer ihre Tablet-Computer erhielten. „Ich verspreche Ihnen: Es wird toll!“, sagte Bachmann, 69: „Wenn Sie soweit sind, schreiben Sie mir. Es ist ganz einfach: m.bachmann@soziales.saarland.de.“

15 Kommunen und über 100 Personen hatten sich für die fünf neuen „Virtuellen Mehrgenerationenhäuser“ beworben. Jüngster Teilnehmer ist ein Elfjähriger aus Saarbrücken, der Älteste ist 82 Jahre. „Ich will allen Mut machen, sich bei unseren Kursen anzumelden. Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen“, sagte LMS-Direktor Uwe Conradt, 42.

Die Teilnehmer selbst bestimmen die Themen ihrer Treffen. „Am Anfang spielt die Kommunikation eine große Rolle. Wie schreibt man eine E-Mail? Wie chattet man? Wie schickt man Fotos?“, erklärt die bisherige Projektleiterin Ina Goedert. Viele – gerade auf dem Land – wollten das Einkaufen im Internet lernen. Hoch im Kurs stehe auch das Spielerische, etwa Anwendungen für Gehirnjogging oder die App „QuizDuell“, bei der die Teilnehmer Fragen beantworten müsen.

Wunsch der Organisatoren ist es, dass die Gruppen auch nach dem Projektjahr weiter den Kontakt halten. Das scheint zu funktionieren: „Neun der zehn bisherigen virtuellen Mehrgenerationenhäuser gibt es immer noch“, sagt Goedert.

Hanne Schué (78) und Günter Engelbrecht (74) sind bereits online unterwegs. Sie wollen nun den Umgang mit dem Tablet lernen – statt mit der Maus mit den Fingern den Bildschirm anzufassen will geübt sein. Doch Schué ist sich sicher: „Aber die Zeitung, die brauche ich nach wie vor gedruckt auf dem Tisch.“

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