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Universität des Saarlandes wegen Glücksspiel-Werbung in der Kritik

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach Medienbericht : Universität des Saarlandes wegen Glücksspiel-Werbung in der Kritik

Nach einem Medienbericht über fragwürdige Werbung auf ihrer offiziellen Homepage gerät die Universität des Saarlandes unter Druck. Wurden Studierende über Links zu Wettanbietern gelockt? Dafür sprechen auch Recherchen unserer Zeitung.

„Viele Studierende stehen vor demselben Problem: Wo soll ich in der Zeit des Studiums wohnen?“ Das konnte lesen, wer im vergangenen Jahr auf der Homepage der Saar-Uni auf „Aktuelles“ klickte. Am Fuß der Webseite waren damals „Informationen von externen Partnern“ platziert – optisch kaum zu unterscheiden von den offiziellen Mitteilungen der Hochschule.

Auch die schwierige Frage nach der passenden Unterkunft für das Studium fand sich an dieser Stelle. Mit einer überraschenden Antwort: Einfacher sei die Wahl der „richtigen Matratze“, stand da geschrieben: „Die Taschenfederkernmatratze von AM Qualitätsmatratzen hat sich in den letzten Jahren als sehr beliebt bei Studenten herausgestellt, da sie tolle Qualität und einen niedrigen Preis bietet.“

Diese Werbetexte waren 2019 auf der Uni-Homepage unter „Aktuelles“ zu finden. Foto: Screenshot SZ

Eine fragwürdige Werbung – aber nicht die einzige, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen: Direkt im nächsten Absatz führte ein Link zu einer Übersicht von Sportwetten-Anbietern, verbunden mit der Botschaft: „Wetten wird immer interessanter!“

Seit Freitag ist die Saar-Uni wegen eines anderen Werbeangebots auf ihrer Homepage zunehmend unter Druck. Eine Recherche von Bento, dem Jugendformat des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, enthüllte die fragwürdigen Inhalte eines online abrufbaren „Uni-Ratgebers“, der Anfang Februar noch 118 Artikel umfasste. Er bestand nach SZ-Informationen mindestens seit Mitte 2016.

Der „Uni-Ratgeber“ soll ganz überwiegend Werbezwecken gedient, Besucher auf Glücksspielseiten oder in Online-Shops gelockt haben. „Anti-Erkältungspräparate, Heilsteine, Kredite, Bitcoin-Spekulation, Sportwetten und andere Glücksspiele wurden teilweise schamlos beworben“, heißt es bei Bento.

„Online-Casinos zunehmend auch bei Studenten beliebt“ – so lautete etwa der Titel eines Beitrags, der 2017 im „Uni-Ratgeber“ erschien. Ein anderer Artikel war überschrieben mit: „Viele Studenten probieren Glücksspiel und Casino aus“. Er enthielt einen direkten Link zu einem Glücksspielanbieter, bei dem „der Spieler gut aufgehoben“ sei – wegen einer angeblichen „Kostenkontrolle“. Solche Texte richten sich nicht nur an Studierende, sondern auch an Suchmaschinen. Eine Verlinkung auf einer Uni-Seite sei für Shops und Casinos „Gold wert“, sagte Andreas Bippes, ein Werbeexperte für Suchmaschinen, zu Bento. Denn die Verbindung zu seriösen Web-Angeboten wertet sie auf, der Such-Algorithmus stuft sie als vertrauenswürdiger ein.

Für derlei Inhalte auf ihrer Homepage soll die Universität des Saarlandes jährlich einen fünfstelligen Betrag kassiert haben. Nach Angaben der Uni lieferte eine PR-Agentur die Texte, eine Angestellte der Hochschule habe sie gegengelesen und online gestellt. Nun hat man diese Zusammenarbeit „mit sofortiger Wirkung“ aufgekündigt, wie Uni-Sprecherin Friederike Meyer zu Tittingdorf am Samstag erklärte. Aus dem Netz ist der „Uni-Ratgeber“ verschwunden. Doch aus der Welt ist er nicht.

„Der gesamte Vorgang erzeugt bei mir Kopfschütteln“, sagt Jürgen Renner, hochschulpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. „Die Werbung der Universität des Saarlandes für Zockerbuden im Netz widerspricht jeglichen Bemühungen der Landesregierung zur Prävention und Früherkennung von Spielsucht.“

Renner fordert Aufklärung von der Uni und der für Wissenschaft zuständigen Staatskanzlei. Der Abgeordnete will unter anderem wissen, wer die Platzierung der Werbelinks veranlasst habe, demnächst soll sich der Wissenschaftsausschuss des Landtages mit den Vorgängen befassen. „Es muss geprüft werden, ob solche Werbepraktiken der Universität rechtlich zulässig sind“, sagt Renner. Im Zweifelsfall brauche es eine Klarstellung im Hochschulgesetz.

Die wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Jutta Schmitt-Lang, forderte „schnell Klarheit“ von der Universität. „Gerade dort, wo sich viele junge Menschen im Netz bewegen, muss der Jugendschutz oberste Priorität haben“, erklärte sie.

Aus der Staatskanzlei war am Samstag zu hören, als Rechtsaufsicht der Hochschule nehme man die Vorgänge sehr ernst, die Uni-Leitung habe „sehr kurzfristig ausführliche Informationen über die Hintergründe“ zugesichert. Illegale Glücksspielwerbung stehe im klaren Widerspruch zur Präventionspolitik der Landesregierung.

Tatsächlich veröffentlichte die Saar-Uni am Samstagnachmittag eine Stellungnahme. Darin heißt es: „Die Universität des Saarlandes bedauert sehr, dass aufgrund einer teilweise lückenhaften Qualitätskontrolle bei der Zusammenarbeit mit einem externen Werbepartner Werbung für Online-Glücksspiele auf Webseiten der Universität erschienen ist.“ Man habe die genannten Werbetexte umgehend gelöscht.

Weiter heißt es: „Die Universität des Saarlandes legt Wert auf die Feststellung, dass die zu Recht beanstandeten Werbeangebote nicht darauf abzielten oder dazu geeignet waren, Studierende, die auf den Webseiten der Universität navigierten, zum Besuch der Seiten fragwürdiger Anbieter zu motivieren.“ Die Werbeangebote hätten „nicht über die Navigation auf den für Studierende relevanten Seiten angeklickt werden“ können, erklärt die Hochschule.

Stimmt das? Die frühere Homepage der Saar-Uni ist über ein Online-Archiv noch immer abrufbar. Die SZ stieß bei ihren Recherchen schnell auf die Werbung für „Qualitätsmatratzen“ und Sportwetten – es bedurfte genau eines Klicks, um die „Informationen von externen Partnern“ zu finden. Direkt daneben: ein Link zum „Uni-Ratgeber“, über den Bento am Freitag berichtete.