Ex-Mister-Tagesthemen „Tabula rasa“ – Ulrich Wickert würde SR abschaffen

Hamburg · Nach Ex-SWR-Intendant Peter Voss hat auch Ex-Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert die Existenz des SR infrage gestellt. Der TV-Promi hat kurz vor seinem 80. Geburtstag noch mehr Botschaften.

 Ulrich Wickert wird am Freitag 80 – und blickt kritisch auf die Öffentlich-Rechtlichen. 

Ulrich Wickert wird am Freitag 80 – und blickt kritisch auf die Öffentlich-Rechtlichen. 

Foto: dpa/Jonas Walzberg

In der Debatte um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat der langjährige Moderator der ARD-„Tagesthemen“, Ulrich Wickert, den Saarländischen Rundfunk (SR) infrage gestellt, der zur ARD gehört. „Die Politik müsste den Mut haben ‚Tabula rasa’ zu machen und meinetwegen Radio Bremen und den Saarländischen Rundfunk abschaffen und eine ganze Reihe von anderen Dingen reduzieren“, sagte Wickert am Wochenende der Bild am Sonntag. Über die Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks werde „noch nicht genügend diskutiert“. Wickert kritisierte auch, dass das Elbphilharmonie-Orchester vom NDR bezahlt werde, obwohl die Elbphilharmonie der Stadt Hamburg gehöre. „Das versteht doch kein Mensch!“, sagte Wickert, der am Freitag 80 Jahre alt wird.

Zuletzt haben sich die Saar-Parteien in der Rundfunk-Debatte für den Erhalt des SR im Saarland positioniert.

Auch Ex-SWR-Intendant Peter Voss stellt SR infrage

Die Diskussion über die Zukunft des gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks war nach Verschwendungsvorwürfen gegen die Spitze des Senders RBB aufgekommen. WDR- und ARD-Chef Tom Buhrow hatte zudem im November einen gedanklichen Neuanfang für die öffentlich-rechtlichen Sender „ohne Denkverbote“ gefordert. Er stellte auch zur Debatte, „wie viele unabhängige Rundfunkanstalten (...) zur föderalen Struktur und Vielfalt in Deutschland gehören“ sollten. Mitte November hatte Ex-SWR-Intendant Peter Voss die Frage gestellt, ob „Miniländer wie das Saarland oder Bremen eigene, aber aus eigener Kraft nicht lebensfähige Rundfunkanstalten haben“ müssten.

Ulrich Wickert kritisiert auch TV-Programm

Der früher „Mister Tagesthemen“ Wickert forderte jetzt gegenüber Bild am Sonntag von den Intendanten auch den Mut, über das Programm nachzudenken. „Vor allem bei Dingen, die gefühlt automatisch laufen. Jeden Tag ein Krimi oder die Wiederholung eines Krimis muss doch nicht sein.“ Es falle ihm langsam schwer, sich das immer wieder angucken zu sollen. „Leider haben wir nicht die Leichtigkeit der Franzosen – oder zu viele Redakteure, die sie verhindern“, sagte Wickert. Es sei auch nicht zu verstehen, warum der „Weltspiegel“, der einmal pro Woche gesendet wird, „ganze vier Redaktionen braucht“.

15 Jahre „Mister Tagesthemen“

Ulrich Wickert arbeitete zunächst als Redakteur der Sendung Monitor, später als Korrespondent in Paris und Washington und New York. Ab 1991 war er „Erster Moderator“ der Tagesthemen, sein Nachfolger wurde 2006 Tom Buhrow.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort