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Überraschend hohe Zahlen der IKK: Viele Saarländer haben Langzeitfolgen von Corona

Überraschend hohe Corona-Zahlen der IKK : Viele Saarländer leiden unter Long-Covid – und gehen trotzdem nicht zum Arzt

Auch wenn sie aus ärztlicher Sicht als geheilt gelten: Viele Betroffene berichten Monate nach einer Ansteckung mit dem Corona-Virus über körperliche Einschränkungen. Das ergibt eine Umfrage der Krankenkasse IKK-Südwest unter ihren Mitgliedern. Dabei sind die Symptome ganz unterschiedlich. Und etwas weiteres verwundert zudem.

Noch immer hapert es offensichtlich an einer nachhaltigen Therapie von Corona-Erkrankten. Denn viele Menschen, die sich mit dem Virus angesteckt haben, leiden auch Monate nach der eigentlichen Genesung an den Nachwirkungen der Infektion. Das geht aus einer aktuellen Studie der IKK-Südwest hervor, den die Krankenkasse am Freitag, 8. Oktober, veröffentlicht hat.

Demnach geben zwei Drittel der Befragten an, unter so genannten Long-Covid-Folgen zu leiden. Dazu zählen Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Kurzatmigkeit. Auch nach mehreren Monaten der Infektion hielten diese Symptome an. Betroffene geben außerdem psychische Probleme an. Dabei sind es mehr Frauen als Männer, sich trotz ärztlich bestätigter Heilung schlecht zu fühlen.

Nach Angaben des saarländischen IKK-Sprechers Mathias Gessner sagten 78 Prozent der Saarländer, die sich an der Befragung beteiligten, sich nicht auskuriert zu fühlen – obwohl die Infektion bereits geraume Zeit zurückliege. Im Gegensatz dazu seien es lediglich zwei Prozent, die keine Beeinträchtigungen verspürten.

Überraschendes Ergebnis in diesem Zusammenhang: Obwohl sich solch ein großer Anteil der Befragten nicht fit fühlt, waren 60 Prozent derer nicht bei einem Arzt. Wer Rat bei einem Mediziner gesucht hat, fühlte sich oftmals nicht besser. Laut IKK-Studie gaben 30 Prozent an, dass sich ihre Beschwerden danach nicht gelegt haben sollen. Weitere 20 Prozent klagten darüber, dass der Doktor nicht richtig auf ihre Malaisen eingegangen sei.

An der Umfrage der IKK-Südwest haben sich nach Angaben aus der Pressestelle 1469 Versicherte beteiligt. Sie stammen aus den drei Bundesländern Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen. Darunter waren 251 Saarländer. Prozentuale Unterschiede zu den Angaben zwischen den drei Bundesländern sind nicht gravierend, wie Gessner angibt. So sprachen 77 Prozent der rheinland-pfälzischen Befragten, dass sie Monate nach der Infektion noch unter den Spätfolgen leiden. In Hessen waren es 84 Prozent.

Die Studie beruht auf subjektive Wahrnehmung der Betroffenen. Sie sagt nichts über die tatsächlichen Krankheitsbilder aus. Insgesamt gebe es noch keine konkreten Statistiken über Langzeitfolgen einer Corona-Infektion, beklagt IKK-Südwest-Vorstand Professor Jörg Loth. Bislang stünde nur eine „schlechte Datenlage“ zur Verfügung, die eine Therapie sehr schwierig mache.

Trotzdem rät er bei Langzeitbeschwerden zum Arztbesuch.
● Dabei sollten Patienten dem Mediziner die Symptome möglichst genau schildern.
Gleichzeitig müsse er wissen, ob es Vorerkrankungen gibt.
 Und: Welche Arznei wird eingenommen?
Auch sei es wichtig, Informationen über Krankheiten innerhalb der Familien weiterzugeben.