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Tobias Hans für Verschärfung des Lockdowns wegen Corona-Mutation

Verschärfung des Lockdowns : Härtere Regeln trotz sinkender Corona-Fallzahl

Bund und Länder werden an diesem Dienstag neue Einschnitte beschließen – aus Sorge vor einer Virus-Mutation.

Obwohl die Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt, zeichnen sich vor der Konferenz der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Dienstag neue Einschränkungen ab. Der Grund ist eine Virus-Mutation, die vermutlich deutlich ansteckender ist als die bekannte Variante. „Wir müssen jetzt rechtzeitig handeln, bevor das mutierte Virus sich auch bei uns – ähnlich wie in Großbritannien – massiv verbreitet“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Die Bund-Länder-Runde solle daher offen über eine bundesweit einheitliche Verschärfung der Maßnahmen diskutieren. Im Gespräch sind eine Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar, die Ausweitung von Heimarbeit, nächtliche Ausgangssperren und eine FFP2-Maskenpflicht im Bahnverkehr und in Geschäften. Hans verlangte zudem eine Debatte über Privilegien für den Profifußball, der den Spielbetrieb trotz Lockdowns bislang aufrechterhalten darf.

Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche angibt, beträgt im Saarland dereit 110, nachdem am Montag 48 neue Fälle hinzukamen. Vor Weihnachten hatte sie noch bei 200 gelegen. Aus Sicht von Hans und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigen die Zahlen in Bund und Land, dass die bisherigen Maßnahmen zu wirken beginnen. Allerdings wollen Bund und Länder den Inzidenzwert auf unter 50 drücken.

Nicht entspannt hat sich die Lage im Saarland bisher in den Kliniken. Am Montag meldete das Gesundheitsministerium 80 Covid-Intensivpatienten – das ist nur knapp unter dem bisherigen Höchstwert von 82 Ende Dezember. Einen Höchststand verzeichnet das Land bei den Corona-Toten: Im Januar starben bislang 186 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus. Im gesamten Dezember waren es 179.

Der Professor für Klinische Pharmazie an der Saar-Uni, Thorsten Lehr, bezeichnete eine weitere Verschärfung als „zwingend nötig“. Die Absenkung der Ansteckungsrate sei nicht ausreichend, um das Infektionsgeschehen schnell unter Kontrolle zu bekommen. Lehr, der auch Regierungschef Hans berät, warnte im Fall von Lockerungen vor einer „dritten Welle“ durch die Virus-Mutation.

Die CDU im Landtag zeigte sich offen für eine nächtliche Ausgangssperre. SPD und Linke vermissen dafür eine solide Datenbasis. Die AfD wandte sich gegen jede Verschärfung. Breite Zustimmung deutet sich für die Idee an, in bestimmten Bereichen eine FFP2-Masken-Pflicht einzuführen, wenn die Masken Bedürftigen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Der Unternehmerverband „Die Familienunternehmer“ warnte davor, die Wirtschaft komplett herunterzufahren. Das sei weltfremd und führe zu Lieferengpässen und Panik.