Streichert-Clivot kritisiert deutsch-französisches Bildungs-Konzept

Kostenpflichtiger Inhalt: Frankreichstrategie : Neue Saar-Ministerin stellt Zweisprachigkeit infrage

Französisch als zweite Verkehrssprache im Saarland? Ein gutes Ziel, aber wenig realistisch, so die Kultusministerin.

(esb/oli/SZ) Die neue saarländische Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot hat die Aussicht, aus dem Saarland ein komplett zweisprachiges Bundesland zu machen, infrage gestellt. Das Ziel der Landesregierung sei gut, aber „ob es realistisch ist, bezweifle ich sehr stark“, sagte die SPD-Politikerin in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung. Die 39-Jährige ist seit sechs Wochen im Amt.

Die CDU/SPD-Landesregierung hatte Anfang 2014 das Ziel der Zweisprachigkeit als zentrales Element ihrer Frankreichstrategie vorgestellt. Französisch sollte binnen 30 Jahren im Saarland zweite Verkehrssprache neben Deutsch werden. Streichert-Clivot sagte, das Saarland habe mit bilingualem Fachpersonal in Kindertageseinrichtungen sowie in den Grund- und weiterführenden Schulen ein sehr gutes Angebot. Sie plädierte aber auch für einen herkunftssprachlichen Unterricht für die vielen Schüler mit anderer Muttersprache im Saarland. Zugleich warb sie dafür, Englisch und Französisch als Fremdsprache nicht gegeneinander auszuspielen.

Streichert-Clivot bekräftigte das Ziel, die Gymnasien und die vor sieben Jahren eingeführten Gemeinschaftsschulen gleichwertig zu machen. Allerdings seien bei letzteren als Pflichtschulen Sprachförderung und Inklusion große Herausforderungen. Hier wolle man in Kooperation mit dem Sozialministerium und den Landkreisen auf multiprofessionelle Teams setzen, für die es in ausgewählten Schulen Modellprojekte geben könne. Bei der Lehrerbildung brachte Streichert-Clivot ein „grundständiges Studium“ für Lehrer aller Schulformen ins Gespräch.

In der Industriekultur forderte die neue Kulturministerin einen ganz neuen Ansatz. Man müsse für jedes Industriedenkmal „nochmal genau schauen: Welches wollen wir erhalten, welche Nutzungskonzepte gibt es, was kann man wirtschaftlich nutzen?“, sagte Streichert-Clivot.

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