1. Saarland
  2. Landespolitik

Schulstart im Saarland in Zeiten von Corona

Schulstart im Saarland in Corona-Zeiten : Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend

Am ersten Schultag nach den Ferien gilt in den saarländischen Schulen vor allem eins: Corona-Regeln beachten. Trotzdem haben viele ein unsicheres Gefühl.

Vieles ist anders für die knapp 120 000 Schülerinnen und Schüler an diesem ersten Schultag nach den Sommerferien im Saarland. Einbahnstraßenverkehr in den Fluren, getrennte Bereiche auf dem Pausenhof: Um zu verhindern, dass sich Schüler und Lehrer untereinander anstecken und sich das Corona-Virus weiter ausbreitet, arbeiten die Schulen seit Wochen daran, dass Regelunterricht mit allen Schülern möglich ist und die Hygiene-Regeln der Landesregierung eingehalten werden. Fast drei Wochen haben die Lehrer der Grundschule in Hasborn-Dautweiler den Unterrichtsstart vorbereitet, wie Schulleiterin Petra Meier-Zimiak berichtet. „Wir haben die Klassen so organisiert, dass sich jeweils nur eine Klassenstufe auf einem Flur bewegt. Die Laufwege haben wir getrennt, und der Schulträger, die Gemeinde Tholey, hat uns eine zweite Toilette zur Verfügung gestellt“, sagt Meier-Zimiak.

Auch Oliver Schales, der Schulleiter des Homburger Gymnasiums Johanneum, hat sich in den Sommerferien mit seinen Lehrerkollegen gehörig den Kopf zerbrochen – etwa darüber, wie man die Nachmittagsbetreuung, die Pfadfindergruppen, die AGs weiterhin am Leben halten kann, trotz Corona. „Wir hätten auch alle Aktivitäten schließen können und hätten nur noch den Unterricht garantiert, das wäre schnell und einfach gewesen“, sagt Schales, „aber das hätte nicht unserem Selbstverständnis entsprochen.“

„Wir gehen den Schulalltag mit einem gewissen Maß Respekt an und treffen alle Schutzvorkehrungen. Aber was von außen in die Schule hereingetragen wird, können wir nicht beeinflussen“, findet Meier-Zimiak. Dass es nun an den saarländischen Schulen wieder Präsenzunterricht für alle gibt, betrachtet auch Bernd Thome, der Leiter der Primsschule in Diefflen, mit gemischten Gefühlen: „Für die Schüler ist es toll, aber ich habe ein Bauchgrummeln, ob das alles so funktioniert.“

Und so gibt es an diesem ersten Schultag nach den Sommerferien auch nur wenige, die kein flaues Gefühl in der Magengegend haben. Jedenfalls ist die Stimmung verhalten bei der Einschulung der 57 Kinder in der Wilhelm-Heinrich-Grundschule in Großrosseln. Eltern bringen sie mit Schutzmasken zu ihrem ersten Schultag, es wird wenig fotografiert, Omas und Opas müssen draußen bleiben, pro Kind sind nur zwei Begleitpersonen zugelassen, Mama und Papa. „Ich hab mich im letzten Elternbrief schon dafür entschuldigt“, sagt Schulleiterin Natalie Kräwer, aber der Corona-Schutz gehe vor.

Um diesen gewährleisten zu können, gibt es in der Grundschule in Wellesweiler Einlasskontrollen. Zutritt haben nur Personen, die auf der Gästeliste stehen und der Schulhof ist mit kleinen lila, blauen und grünen Plastikkegeln markiert, damit die Mindestabstände zwischen den Familien eingehalten werden können. Singen ist verboten. Doch das hindert die Zweitklässler nicht daran, ihre 36 neuen Mitschüler zu begrüßen. Sie lassen einfach Handpuppen zum Playback tanzen. Ebenfalls anders als bei Einschulungen vor Corona müssen die Eltern nach der Feier und dem Abholen der Leihbücher das Gelände verlassen. Um zwölf Uhr dürfen sie ihre Kinder dann am Tor abholen. Nix mit Elternkaffee und erstem Kennenlernen wie in den Vorjahren. „Man muss es so nehmen, wie es ist“, zeigt Sabine Optenhöfel, die ihre Tochter Hannah an der Hand hält, Verständnis. „Schön, dass überhaupt etwas veranstaltet wird. Es hätte schlimmer kommen können.“

Für 8000 Schülerinnen und Schüler im Saarland ist an diesem Montag der erste Und sie scheinen sich ebenfalls mit der besonderen Situation, die die Corona-Krise mit sich bringt, zurechtzufinden. Probleme mit den zu beachtenden Regeln wie dem Abstandsgebot gibt es auch an der Kreuzbergschule in Merzig nicht, wo 313 Kinder eingeschult werden. Alle wissen, dass sie außerdem eine Maske tragen müssen. „Heute ist euer großer Tag, da sollt ihr auch atmen können“, sagt Schulleiter Eugen Hoffeld, als seine ABC-Schützen auf ihren Plätzen sitzen und endlich den Mund-Nasenschutz abnehmen können.

Schüler der dritten Klasse sollen als Paten dafür sorgen, dass sich die Erstklässler schnell in der neuen Umgebung zurechtfinden. Dabei müssen sie aber zunächst auf den direkten Kontakt mit ihren Patenschülern verzichten. So will es das Konzept des Bildungsministeriums. Es gibt vor, dass eine Vermischung der Schüler ausschließlich innerhalb der gleichen Klassenstufe ermöglicht werden darf. So müssen sich die Erstklässler und ihre Paten an der Merziger Kreuzbergschule vorerst aufs Whatsapp-Schreiben, Telefonieren, E-Mail- und Briefeschreiben beschränken.

Damit die Jahrgänge getrennt bleiben, gibt es nun vier getrennte Eingänge an der Schule – einen für jede Klassenstufe. Der Schulhof ist in zwei Hälften geteilt, damit immer nur Kinder derselben Klassenstufe innerhalb einer Hälfte ihre Pause verbringen. Täglich wechseln sich die Klassenstufen dabei mit den Pausen ab. Mal dürfen die Jüngeren, also Klassenstufe eins und zwei in der ersten der zwei großen Pausen auf den Schulhof, am anderen Tag dann wieder die Älteren aus den Stufen drei und vier. Wie Schulleiter Eugen Hoffeld erklärt, wird dieses System mindestens bis zu den in rund zwei Monaten beginnenden Herbstferien bestehen bleiben.