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Saarland will nachhaltiger bauen: Warum dadurch die Kosten langfristig sinken sollen

Modellprojekt wird ab 2022 geplant : Saarland will nachhaltiger bauen: Warum dadurch die Kosten langfristig sinken sollen

Bauen im Saarland soll nachhaltiger werden. Der neue Standard soll erstmals bei einem Neubau der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Saarbrücken erprobt werden. Dabei geht es nicht nur um eine bessere Öko-Bilanz.

Ein Neubau auf dem Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Alt-Saarbrücken soll das erste öffentliche Gebäude werden, bei dem das Saarland als Bauherr besondere Nachhaltigkeits-Standards anwendet. Der Komplex für Forschung und Lehre (grobe Kostenschätzung: 25 bis 30 Millionen Euro) soll von 2022 bis 2024 geplant und anschließend gebaut werden, wie Baustaatssekretär Christian Seel (CDU) und der Leiter der Bau-Abteilung im Innenministerium, Daniel Kempf, am Dienstag ankündigten.

Das Vorhaben ist ein Modellprojekt, bei dem erstmals das in den vergangenen Jahren vom Bund entwickelte Bewertungssystem für nachhaltiges Bauen (BNB) zum Einsatz kommt. Vereinfacht gesagt, soll – über die gesetzlichen Vorgaben beispielsweise zur Energieeinsparung hinaus – ökologischer und qualitativ besser gebaut werden als in der konventionellen Bauweise.

„Es geht nicht darum, goldene Wasserhähne einzubauen“, sagte Kempf. Der Grundgedanke ist vielmehr, dass zwar die Kosten für die Planung steigen, die langfristigen Kosten über die gesamte Nutzungsdauer des Gebäudes aber deutlich sinken. Zudem soll durch diese Standards die Nutzerzufriedenheit steigen.

Seel und Kempf verwiesen darauf, dass laut Untersuchungen 80 bis 85 Prozent der Gesamtkosten eines Gebäudes nicht beim Bau entstehen, sondern in den folgenden Jahrzehnten beim Betrieb, etwa für Heizung, Wasser, Reinigung und Bauunterhaltung. Der Einbau eines hochwertigen Bodenbelages, der so schnell nicht erneuert werden muss, rechne sich also langfristig. „Wer am Anfang zu billig baut, zahlt später mehr“, sagte Seel. Wer langfristig plane, schone hingegen die Umwelt und spare dabei.

Bei den Bauvorhaben des Landes spielen solche Überlegungen laut Seel und Kempf zwar eine Rolle, allerdings setzen die Vorschriften bisher einen klaren haushalterischen und verfahrenstechnischen Fokus. Künftig sollen die Nachhaltigkeits-Standards „systematisch“ angewandt werden, wie Seel sagte. Die Projekte, die nach BNB-Standard gebaut werden, werden von externen Fachleuten kontrolliert und zertifiziert. Das Saarland strebt nach Seels Worten den Silber-Standard an. Für Gold stünden die zusätzlichen Kosten und der zusätzliche Nutzen in keinem guten Verhältnis, sagte Kempf.