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Saarland: Wer ist zuständig für Anwerbung junger Ärzte in den Dörfern?

Streit um „Gesundheitsdörfer“ : Städtetag sieht sich für Arztpraxen-Schaffung nicht zuständig

Der Saarländische Städte- und Gemeindetag (SSGT) ist stinksauer: In einer Pressemitteilung ätzen jetzt der ­SSGT-Präsident und Neunkircher OB Jürgen Fried (SPD), sein Stellvertreter, der Tholeyer Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU), und die ­SSGT-Geschäftsführerin Barbara Beckmann-Roh gegen die Kassenärztliche Vereinigung des Saarlandes (KVS) und die Landesregierung.

„Wenn zwei nicht weiterwissen, zeigen sie auf den Dritten?“, ist die Mitteilung überschrieben. Denn die SSGT-Gewaltigen wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, für die Anwerbung junger Ärzte zuständig zu sein. Zum einen seien die Städte und Gemeinden von Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) in die Pflicht genommen worden, „Anreize für junge Mediziner“ zu schaffen. Zudem müssten die Kommunen bereit sein, Arztpraxen in Eigenverantwortung zu eröffnen und zu betreiben, laute der Auftrag aus dem Gesundheitsministerium. Und KVS-Chef Gunter Hauptmann meine zudem, die Kommunen „zum Umdenken auffordern zu müssen“, erklärten Fried, Schmidt und Beckmann-Roh.

Mit gehöriger Ironie sagen die ­SSGT-Vertreter, sie werteten die Aufgabe, junge Ärzte in die Saar-Dörfer zu locken „einmal sportlich als Kompliment, wenn die eigentlich sachlich und fachlich zuständigen Stellen meinen, auch dieses Problem könnte – wie so viele andere Probleme von Wohnungsnot über Kinderbetreuung, ÖPNV und Einzelhandel bis zu Sicherheitsfragen und Starkregenereignissen – am besten von den Kommunen vor Ort gelöst werden“. Aber es sei im Sozialgesetzbuch festgeschrieben, dass die KVS die Aufgabe und Pflicht habe, die ärztliche Versorgung sicherzustellen. Die Idee der KVS (die SZ berichtete), „Gesundheitsdörfer“ in den Dörfern mit Ärzten, Apotheken, Reha-Einrichtungen, Wohnungen, Kitas, Läden, Restaurants, Spielplätzen und Fitnessstudios zu errichten, sei „schöne, neue Welt“. Dafür gäbe es kaum Geld und Baugebiete, hieß es.