Saarland und weitere Länder erhalten jüdische Gräber in Frankreich

Früheres KZ in Gurs : Saarland und weitere Länder erhalten jüdische Gräber in Frankreich

Das Saarland, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben vereinbart, sich gemeinsam für den Erhalt und die Pflege der Gräber deportierter Juden in Frankreich einzusetzen.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) stellten am Montag in Karlsruhe eine entsprechende Vereinbarung vor. Das Saarland vertrat Kathrin Andreas, Abteilungsleiterin im Kultusministerium.

Am 22. und 23. Oktober 1940 hatten die Nationalsozialisten 6676 jüdische Bürger aus den drei Bundesländern nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Aus dem heutigen Saarland waren es nach Ministeriumsangaben insgesamt 145. Die meisten von ihnen starben in einem Lager aus Holzbaracken und wurden auf dem angrenzenden Lagerfriedhof beigesetzt. Andere kamen in Außen- und Vernichtungslagern um. Nur wenige kehrten zurück in ihre deutsche Heimat. Nach bisherigen Erkenntnissen überlebten zehn Prozent der nach Gurs verschleppten Juden aus dem Saarland das Lager, so das Kultusministerium in Saarbrücken. Einige Einzelschicksale seien aber immer noch nicht abschließend geklärt, so eine Sprecherin. Daher hat Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) den Historiker Roland Paul mit einer wissenschaftlichen Dokumentation beauftragt.

Heute erinnern rund 2000 Gräber auf über 30 Friedhöfen an die Opfer der Deportation. Einige der Gräber sind in schlechtem Zustand, manchen droht eine Auflassung. Ziel der neuen Vereinbarung ist es, die Gräber mit Hilfe jüdischer Sachverständiger entsprechend der jüdischen Begräbniskultur neu zu gestalten und aufzuwerten. Man werde dafür Sorge tragen, dass alle Gräber in einem würdigen, der jüdischen Begräbniskultur entsprechenden Zustand seien und blieben, erklärte Commerçon. Der Minister will das Lager selbst besuchen.

Auf drei Friedhöfen haben die Arbeiten bereits begonnen. Koordiniert werden die Arbeiten vom Kultusministerium Baden-Württembergs. Der deutsche Botschafter in Frankreich unterstützt die Bundesländer und stellt die Kontakte zu den französischen Behörden her. In Frankreich ist zudem der Bau eines neuen Dokumentationszentrums am Rande des ehemaligen Lagers geplant. Auf kommunaler Ebene besteht bereits seit den 1950er Jahren eine ähnliche Kooperation zur Unterhaltung und Pflege des Lagerfriedhofs in Gurs. Anlässlich des 80. Jahrestags der Deportation im Oktober 2020 haben die drei Bundesländer eine Wanderausstellung in Auftrag gegeben.

(dpa)
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