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Saarland: Ministerpräsident Hans hält Verlängerung von Corona-Lockddown für möglich

Ministerpräsident zu Teil-Lockdown : Hans dämpft Hoffnung auf starke Corona-Lockerungen im Dezember

Vier Wochen soll das Land runterfahren, um die Corona-Welle zu brechen. Doch auch danach wird es starke Einschränkungen geben, deutet Ministerpräsident Tobias Hans an. Eine Saar-Studie bestätigt seine Skepsis.

Die Saarländer werden auch nach dem Corona-Teil-Lockown im November auch im Dezember nicht mit großen Lockerungen der Vorschriften rechnen können. Es werde nach vier Wochen nicht sofort wieder eine Phase der großen Lockerungen geben, sagte Ministerpräsident Tobias Hans am Freitag vor Journalisten in Saarbrücken. Bereits zuvor hatte er gegenüber RTL/ntv klargestellt, dass eine Verlängerung des Lockdowns in den Dezember hinein möglich sei, wenn sich die Infektionszahlen nicht deutlich verringerten. „Man kann das Ganze verlängern", so Hans.

Vor Journalisten in Saarbrücken stellte er auch klar, dass er es für unwahrscheinlich hält, dass die Inzidenzzahl von 50 neuen Fällen pro 100 000 Einwohner und Woche, die er als Ziel der jetzt verfügten Maßnahmen genannt hat, in vier Wochen erreicht sein könnte.

Gestützt wird diese Skepsis von Berechnungen eines Teams um Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie der Universität des Saarlandes. Es hat ein mathematisches Modell für einen Simulator entwickelt, das auf der Basis umfangreicher Daten präzise Ergebnisse für das gesamte Bundesgebiet und einzelne Regionen bei verschiedenen Annahme liefert. Nach Berechnungen der Wissenschaftler liegt derzeit die bundesweite mittlere Reproduktionszahl bei 1,43. Das heißt zehn Infizierte stecken im Schnitt etwas über 14 andere Personen an. „Wenn es uns gelingen würde, den R-Wert wieder auf das gleiche Niveau wie bei dem ersten Lockdown im Frühjahr, also auf etwa 0,6 zu drücken, würde ein Monat nicht ausreichen, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. Es gäbe auch dann noch bei über der Hälfte der Stadt- und Landkreise mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner im Schnitt der letzten sieben Tage gerechnet“, warnt Thorsten Lehr. Selbst bei dem sehr niedrigen und derzeit äußerst unrealistischen R-Wert von 0,3 lägen nach einem Monat noch knapp 20 Prozent der Stadt- und Landkreise in Deutschland über dem 7-Tages-Inzidenzwert von 50.

Hans stellte am Freitag gemeinsam mit Vizeministerpräsidentin Anke Rehlinger die neue Corona-Verordnung vor, die ab Montag gilt und die Absprachen für Bund und Länder für das Saarland umsetzt. Sie sieht unter anderem die Schließung der Gastronomie und starke Einschränkungen für private Treffen vor. Bis Ende November sind demnach Treffen in der Öffentlichkeit nur noch von maximal zehn Personen aus höchstens zwei Hausständen erlaubt. Im familiären Umkreis dürfen Angehörige eines Haushaltes sich mit bis zu fünf Personen aus einem anderen Haushalt treffen, wie Hans sagte.

Die Lage in der Corona-Pandemie im Saarland ist nach Einschätzung von Hans ernster denn je. „Die Lage ist wirklich ernst, sie ist sogar sehr ernst im Saarland. Und sie ist, wie ich fest überzeugt bin, so ernst wie nie zuvor in dieser Pandemie“, sagte Hans am Freitag nach einer Sondersitzung des Ministerrates. Es sei daher „allerhöchste Zeit, entschieden zu handeln“, um den exponentiellen Anstieg an Neuinfektionen zu stoppen und einen drohenden „dramatischen Notstand“ noch abzuwehren.