Saarländische Erzieher fordern mehr Kita-Personal

Protestaktion vor der Staatskanzlei : Saar-Erzieher kritisieren „uralten Personalschlüssel“

50 Fachkräfte fordern bei einer Protestaktion vor der Staatskanzlei bessere Bedingungen in Kindertageseinrichtungen.

50 Erzieherinnen und Erzieher aus dem Saarland haben gestern Nachmittag vor der Staatskanzlei in Saarbrücken für bessere Bedingungen in Kindertageseinrichtungen demonstriert. Sie beklagten vor allem die personelle Situation aufgrund eines „uralten Personalschlüssels“. Zudem mangele es an Räumen, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie an ausreichender Zeit für Leitungsaufgaben, kritisierte die Gruppe. Und sie verwies darauf, dass viele Erzieher am Limit seien, was sich vor allem am hohen Krankenstand bemerkbar mache.

Bereits am Freitag hatte sich die Aktionsgruppe mit einem Brandbrief an Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) gewandt (wir berichteten). In dem Schreiben mit dem Titel „Unseren saarländischen Kitas droht der Kollaps“ heißt es: „Die Landesregierung blendet und täuscht die Öffentlichkeit und bemüht sich nicht, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Kitas ermöglicht, ihrem gesellschaftspolitischen Auftrag gerecht zu werden. Im Gegenteil – sie schafft Zustände, die zu Lasten der Kinder gehen und verletzt deren Wohl.“ Die Erzieherinnen und Erzieher üben Kritik daran, dass ein Großteil der Bundesmittel aus dem sogenannten „Gute Kita“-Gesetz im Saarland für die Senkung der Elternbeiträge verwendet wird. Das trägt ihrer Ansicht nach nicht zur qualitativen Weiterentwicklung der Kitas bei.

„Die Situation ist miserabel“, bekräftigte gestern Marlene Schaeffer, die Koordinatorin der Protestaktion. Deshalb wolle man sich Gehör verschaffen. Schaeffer bedauerte, dass die Erzieherinnen und Erzieher weder mit Ministerpräsident Hans noch mit Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) direkt sprechen konnten. Die beiden ließen sich von Christine Streichert-Clivot (SPD), Staatssekretärin im saarländischen Bildungsministerium, vertreten.

„Wir investieren, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Streichert-Clivot und versprach „die notwendige Anzahl an Betreuungsplätzen, die notwendige personelle Ausstattung und Qualitätsverbesserungen“. Zudem verwies sie darauf, dass das Saarland bei der Leitungsfreistellung „eine Stunde nach oben“ gehe und von sechs auf sieben Stunden erhöhen werde.

Erste Reaktionen auf ihre Aussagen lauteten „Das reicht nicht“ und „Das ist zu wenig“. Als die Staatssekretärin zusagte, die Regierung werde sich „stark belastete Einrichtungen nochmal genau anschauen“, entgegneten einige Erzieherinnen: „Alle Einrichtungen sind belastet.“

Marlene Schaeffer kündigte weitere Aktionen an. Möglich sei auch eine Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Verdi, die vor einer Woche eine „desolate Lage“ in Kitas im Saarland beklagte und mehr Personal forderte. Bei einer von Verdi gestarteten Online-Petition hatten nach Angaben der Gewerkschaft knapp 10 000 Menschen unterschrieben.

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