Villa Lessing ehrt Walter Glößner Frankreich und die Musik im Herzen, Liberalität im Sinn

Saarbrücken · Deutsch-französische Beziehungen, Musikförderung, Wirtschaftsleben und Politik: Die Villa Lessing hat Walter Glößner jetzt für sein vielfältiges Engagement geehrt.

 Walter Glößner hat sich vielfältig engagiert – ob in der Politik, für das Musikleben in der Region wie auch intensiv für die deutsch-französischen Beziehungen.

Walter Glößner hat sich vielfältig engagiert – ob in der Politik, für das Musikleben in der Region wie auch intensiv für die deutsch-französischen Beziehungen.

Foto: Hélène Maillasson

Sein Neunzigster ist jetzt schon wieder ein paar Monate Geschichte. Doch wer Walter Glößner begegnet, gibt ihm das sowieso nicht. Und selbst 90 Jahre sind fast nichts, weiß man, was Glößner alles geleistet hat – und noch immer anpackt.

Am Samstag nun hat die Saarbrücker Villa Lessing Glößner gefeiert – mit einem Ehrenempfang. Wegen Corona ein bisschen verspätet. Selbstredend stehen für die Liberale Stiftung Glößners Wirken für die Saar-FDP (unter anderem als Landesschatzmeister) und sein Einsatz für Verein wie Stiftung im Zentrum; und in diesem Zusammenhang auch sein Engagement für die Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar, die zu den Anteilseignern der Saarbrücker Zeitung Medienhaus GmbH gehört. Aber Walter Glößner ist kein Liberaler bloß im politischen Sinne.

Ein „Bilderbuchsaarländer“ sei er, würdigte ihn der frühere saarländische Wirtschaftsminister und FDP-Landeschef Horst Rehberger. Zudem ein „Muster-Liberaler“. Was das bedeutet? Das ist jemand, der nicht abwartet, sondern selber etwas tut. Und das auf derart vielen Feldern – von der Wirtschaft über die Politik bis hin zur Kultur, insbesondere der klassischen Musik, neben den deutsch-französischen Beziehungen Glößners Lebensleitmotiv.

Zu einem Saarländer par excellence gehört natürlich seine Herkunft: Der Bergarbeitersohn aus Münchwies hätte Priester werden sollen, hätte Musiker werden können (Talent und Selbstdisziplin hätten allemal zum Profi gereicht), Banker aber wurde er – in Paris, Saarbrücken und Köln. Und klug vernetzte er stets sein Tun, nutzte altruistisch seine Möglichkeiten, um auf allen ihm wichtigen Feldern etwas voranzubringen. Dazu gehört das bis heute starke Engagement für die deutsch-französische Verständigung. Die internationale Kulturvereinigung „Renaissance Française“ etwa blüht besonders schön hier im Südwesten Deutschlands; Glößner sei Dank. Und mit den Saarbrücker Kammerkonzerten, die er mit einer kleinen Equipe von Enthusiasten stemmte, bereicherte er das Kulturleben des Landes – über Jahre hinweg. „24 Stunden hat der Tag, die muss man eben nutzen“, sagt Glößner gleichermaßen bescheiden wie zielstrebig.

Die Villa Lessing ehrte ihn nun quasi maßgeschneidert. Mit exquisiter Kammermusik von Grieg über Haydn bis Bach des Streichquartetts Artur Kurghinyan, Nahyun Lee, Julia Vicic und Jasmin Blomenkamp und einem Geschenk, das den Jubilar sichtlich rührte: Die Liberale Stiftung, kündigte Vorstandsmitglied Erik Schrader (ehemaliger Saarbrücker Kulturdezernent) an, werde „einen namhaften Beitrag“ spenden, für eine Stele, mit der die Saarländische Gesellschaft für Kulturpolitik an den Komponisten Théodor Gouvy erinnern wird – ähnliche Denkmäler gibt es etwa bereits für Stengel und Ophüls. Gouvy wurde 1819 in Schafbrücke (unweit von Glößners heutigem Wohnort) geboren, als der Goffontaine hieß und französisch war. So steht der große romantische Komponist gleich für zwei von Glößners Herzensthemen: das Leben mit und in der deutschen wie französischen Kultur. Und natürlich für die Musik in ihrer schönsten Form.