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Keine mobilen Zahnarztpraxen im Saarland
Saar-Zahnärzte wollen häufiger in Pflegeheimen praktizieren

 Zahnarzt Christoph Blum und Fachassistentin Esra Basibüyük behandeln in Bad Ems in Rheinland-Pfalz in der mobilen Zahnarztpraxis einen Patienten. Im Saarland besteht an solchen Zahnmobilen bisher kein Interesse.
Zahnarzt Christoph Blum und Fachassistentin Esra Basibüyük behandeln in Bad Ems in Rheinland-Pfalz in der mobilen Zahnarztpraxis einen Patienten. Im Saarland besteht an solchen Zahnmobilen bisher kein Interesse. FOTO: dpa / Thomas Frey
Saarbrücken/Mainz. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Saarland plant mehr Kooperationen mit Heimen. An mobilen Praxen gibt es bislang aber kein Interesse. Von Dietmar Klostermann und dpa
Dietmar Klostermann

Die Kassenzahnärzte im Saarland wollen häufiger als bisher in die Pflegeheime gehen, um Alten und Behinderten ihre Hilfe anzubieten. „Wir halten es für angezeigt, die Zahl der Kooperationsverträge zu erhöhen“, sagte der Präsident der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Saarland (KZVS), Sanitätsrat Dr. Ulrich Hell, der SZ. Die KZVS-Leitung wolle die Zahnärztinnen und Zahnärzte mit den Heimen in ihrer Nähe ins Gespräch bringen, betonte Hell. „Wir leisten Hilfestellung bei der Abfassung und dem Aufsetzen von Verträgen sowie bei der Organisation der Besuche und der Abrechnung der neuen Besuchsleistungen“, erklärte der KZVS-Chef. Gleichzeitig werde die KZVS auf die Saarländische Pflegegesellschaft und den Landespflegebeauftragten Jürgen Bender zugehen, um den heutigen Zustand der Kooperation mit den Heimen zu überprüfen und Maßnahmen zur Sicherstellung und Versorgung zu beraten.


Seit 2018 sei die zahnärztliche Versorgung von Pflegeheimbewohnern gesetzlich neu geregelt worden. Zu den Leistungen, die die Krankenkassen bezahlen, gehören die Erhebung des Mundgesundheitsstatus, die Erstellung eines Mundgesundheitsplanes, die Mundgesundheitsaufklärung und die zusätzliche Entfernung harter Zahnbeläge, erklärte Hell. „Tragendes Element ist hier die Kooperation zwischen Heim und Zahnärztin/Zahnarzt, wozu auch Unterweisungen in Konstruktionsmerkmale und Pflege des jeweils individuellen Zahnersatzes gehören“, sagte der Präsident. Hierzu schlössen Zahnärztinnen und Zahnärzte sogenannte Kooperationsverträge mit Heimen ab, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten auch außerhalb akuter Notfälle zu verstetigen.

Etwa 5000 Pflegeheimbesuche von Kassenzahnärzten, sowohl im Rahmen der Kooperationsverträge als auch außerhalb derselben als Hausbesuche, habe es 2018 im Saarland gegeben. Etwa 300 Praxen von insgesamt knapp 500 hätten im vergangenen Jahr Pflegeheimbesuche abgerechnet. „Auch die Schmerz- und Akutbehandlung durch die Zahnarztpraxis ist sichergestellt. Patientinnen und Patienten können bei Bedarf Krankentransportleistungen in Anspruch nehmen“, betonte Hell. Diese bedürften ab Pflegestufe 2 auch keiner Vorabgenehmigung durch die Krankenkassen.



In Bad Ems in Rheinland Pfalz fährt der Zahnarzt Christoph Blum mit einem Lkw, auf dem ein Container montiert ist, zu den Pflegeheimen, wie die Deutsche Presse-Agentur jetzt berichtete. Einmal in der Woche steuert Blum, der den Lkw-Führerschein bei der Bundeswehr machte, mit seiner mobilen Praxis ein Pflegeheim in der Umgebung an. Dies sei, wie Blum der dpa berichtete, bundesweit einzigartig. Seine Praxismanagerin Martina Geistlinger sagte: „Wir haben mit zehn Heimen Kooperationsverträge abgeschlossen. Uns einfach auf den Marktplatz stellen und die Leute behandeln dürfen wir nicht.“

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, die Idee des Zahnmobils sei so einfach wie überzeugend. „Viele Patientinnen und Patienten, die in Alten- und Pflegeheimen leben, müssen bislang bei Zahnproblemen aufwendig per Krankentransport in die jeweilige Zahnpraxis transportiert werden.“ Manche Heimbewohner seien bettlägerig. Daher sei es sinnvoll, wenn umgekehrt einfach Zahnärzte zu den Senioren kommen könnten.

Dazu erklärte KZVS-Chef Hell: „Innovative Modelle wie das Zahnmobil zur Versorgung von Alten- und Pflegeheimen können ein Mittel sein, um Versorgungsengpässe in einzelnen Regionen zu beheben.“ Anfragen von Kassenzahnärzten im Saarland zur Zulassung mobiler Praxen lägen der KZVS jedoch bisher nicht vor. Die KZVS verfolge selbst keine Pläne zur Installation einer mobilen Zahnarztpraxis, sagte Hell.