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Saar-Grüne lassen Landesvorsitzende Schöpfer als Spitzenkandidatin durchfallen

Turbulenter Parteitag : Saar-Grüne lassen Landesvorsitzende Schöpfer als Spitzenkandidatin durchfallen

Die Grünen stellen in der Saarlandhalle ihre Landesliste für die Bundestagswahl auf. Die Landesvorsitzende fiel durch – in allen drei Wahlgängen. Und jetzt?

Die Landesvorsitzende der Grünen, Tina Schöpfer, ist bei der Wahl der Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl im September durchgefallen. Die 45-Jährige erhielt bei einer Grünen-Versammlung am Sonntag in der Saarlandhalle nur 38 Stimmen, 104 stimmten gegen sie – trotz eines Votums des Landesvorstandes für sie. Auch im zweiten Wahlgan scheiterte sie (39:105).

Nach der Bekanntgabe des Ergebnisse kam es in der Saarlandhalle zu turbulenten Szenen und Zwischenrufen wie „Sauerei“ und „Schämt euch!“ – gerichtet an das Lager des langjährigen Parteichefs Hubert Ulrich.

Über den Antrag, nun den ersten Listenplatz für Männer zu öffnen, wird in einer Sitzungspause beraten. Der Jurist Stephan Körner warnte vor einer satzungs- und rechtswidrigen Liste, sollten direkt im zweiten Wahlgang Männer zugelassen werden.

Schöpfer hatte in ihrer Bewerbungsrede gesagt, es gehe bei dieser Bundestagswahl um „verdammt viel“. Zum ersten Mal gebe es die Chance auf eine grüne Kanzlerin. „Es wäre mir eine Riesenehre, das Saarland im Bundestag vertreten zu dürfen.“

 Markus Tressel verabschiedete sich. Er wird dem neuen Landesvorstand nicht mehr angehören und auch nicht mehr für den Bundestag kandidieren.
Markus Tressel verabschiedete sich. Er wird dem neuen Landesvorstand nicht mehr angehören und auch nicht mehr für den Bundestag kandidieren. Foto: BeckerBredel

Vor der Listenaufstellung hatten der scheidende Landesvorsitzende Markus Tressel und der per Video zugeschaltete Bundesgeschäftsführer Michael Kellner den Landesverband zur Geschlossenheit aufgerufen – und damit indirekt Signale an Hubert Ulrich und dessen Mehrheitsflügel aus Saarlouiser und Saarbrücker Grünen gesandt.

Tressel sagte, mit rein numerischen Mehrheiten könne man zwar vielleicht die Zusammensetzung von Vorständen und Listen bestimmen. „Wahlen in der Fläche wird man aber nur mit der Partei als Gesamtheit gewinnen.“

Kellner sagte: „Ich würde mir sehr wünschen, dass der Landesverband keinen Rückschritt in alte Zeiten erlebt.“ Mit Sorge habe er die Berichterstattung im Vorfeld des Parteitages verfolgt.

Mehrere Funktionäre der Saar-Grünen waren in den Tagen vor dem Parteitag zurückgetreten: die Landesvorstandsmitglieder Adam Schmitt und Christoph Küntzer sowie die Vorsitzende des Kreisverbandes Saarpfalz, Yvette Stoppiera-Wiebelt. Alle hatten den Einfluss des langjährigen Parteichefs Hubert Ulrich moniert.

Der stellvertretende Vorsitzende Marc Piazolo hatte angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Es sei „besonders erschreckend“, wie langjährig engagierte Führungspersonen „kaltgestellt“ würden – häufig nur, weil sie sich kritisch zur politischen Rückkehr Ulrichs geäußert hätten.

Tressel begründete seinen Rückzug mit privaten Gründen: Er wolle künftig mehr Zeit für seine Familie haben. Politik sei in den vergangenen Jahren sehr viel anspruchsvoller und angreifbarer geworden. Die Erreichbarkeit eines Politikers rund um die Uhr sei für dessen Familie „oft kein Zuckerschlecken“.