Rote Liste: Klimawandel verändert Tierwelt im Saarland

Rote Liste vorgestellt : Klimawandel verändert Tierwelt im Saarland

Die Gottesanbeterin war im Saarland einst ein seltenes Tier. Mittlerweile hat sich die Fangschrecke aus dem Mittelmeerraum überall in der Region ausgebreitet.

Das geht aus der neuen Roten Liste hervor, die Umweltminister Reinhold Jost (SPD) am Dienstag in Saarbrücken vorgestellt hat.

Die Rote Liste bietet eine Bestandsaufnahme der hiesigen Tier- und Pflanzenarten. Zuletzt hatte das Ministerium einen solchen Überblick vor elf Jahren vorgelegt. Nach Ansicht von Jost ist an der Roten Liste der Klimawandel deutlich ablesbar. „Wir stellen fest, dass sich durch die Klimaveränderungen eine Verschiebung ergeben hat“, sagt der Sozialdemokrat mit Blick auf Insekten wie die Gottesanbeterin, die vor wenigen Jahrzehnten nur an wenigen Stellen im Saarland beheimatet war. „Rote Listen für Tiere und Pflanzen sind wichtige Bewertungsgrundlagen für unsere Naturschutzplanung“, erklärte Jost.

Nach den Erkenntnissen des Ministeriums sind die in Wäldern vorkommenden Tierarten am wenigsten gefährdet. Jost führt das auf die Umweltpolitik im Land zurück. „Wir sind Vorreiter bei der naturnahen Waldbewirtschaftung“, sagte er. Auch auf den Ökolandbau, dessen Anteil an der Landwirtschaft er bis 2025 auf ein Viertel steigern will, setzt der Minister beim Schutz der Artenvielfalt. Wie sieht es im Wasser aus? In den Fließgewässern gebe es positive Entwicklungen zu beobachten, so Jost. Und das, obwohl Flusskrebsarten aus Amerika sich in der Region immer weiter verbreiteten und heimische Arten akut bedrohten. Ein eindeutig negativer Trend sei in den Siedlungen zu erkennen, heißt es aus dem Umweltministerium. Unter einer zunehmenden „Versiegelungstendenz“ leiden Vögel und auch Insekten. „Die Erwartungshaltung der Bürger ist: Es soll schön und sauber sein“, sagte Jost. Und zur allgemeinen Klage über das Insektensterben: „Es ist wohlfeil, sich mit der Kaffeetasse ans Fenster zu stellen und auf den Steingarten zu blicken, den man selbst angelegt hat.“