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Riesige Warteschlangen vor den Corona-Teststationen im Saarland

Neue Entnahme-Stellen : Riesige Warteschlangen vor den Corona-Teststationen im Saarland

Patienten mussten stundenlang auf einen Abstrich warten. Ab Mittwoch zentrale Stelle für Tests.

Die Corona-Teststation in Saarbrücken hätte schon längst geschlossen sein sollen, als am Nachmittag noch immer Dutzende Menschen vor dem Eingang warteten. Weil sie vorschriftsgemäß Abstand zueinander hielten, bildete sich eine mehrere hundert Meter lange Schlange. Patienten berichteten, dass sie bis zu drei Stunden warten mussten, ehe sie zum Arzt vorgelassen wurden und die Mitarbeiter einen Abstrich nahmen.

Weil die Verunsicherung so groß ist, wollen sich dieser Tage zahlreiche Saarländer auf das Coronavirus testen lassen – mehr, als das System verkraften kann. In Saarbrücken waren die ersten Patienten schon zwei Stunden vor Öffnung da, wie Oliver Werner aus Saarbrücken. Er war auf Montage mit einem Kollegen, hat Grippe-Symptome und sein Kollege positiv getestete Fälle im Umfeld seiner Kinder: „Ich habe vermutlich nur die Grippe, aber ich wollte es wissen“, sagte er. In zwei Tagen bekomme er sein Ergebnis. Die lange Warteschlange missfällt ihm. Er macht sich Sorgen über die, die wirklich Fieber haben oder alt sind: „Man redet über Risikopatienten und lässt sie dann zwei Stunden auf der Straße stehen?“ Andere in der Schlange gingen nach stundenlanger Warterei, ohne getestet worden zu sein.

Sieben Mitarbeiter der Ortspolizei versuchten in Saarbrücken, Ordnung ins Chaos zu bringen. Sie sorgten dafür, dass ein krebskranker Mann und eine hochschwangere Frau vorgelassen wurden. Krank waren alle in der Schlange, ohne Grippesymptome bekommt man die Überweisung zum Test nicht.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) forderte die Saarländer auf, „nicht ohne Rücksprache und Überweisung durch einen Arzt die Abstrich-Entnahmestellen aufzusuchen“. Falls es dort zu tumultartigen Szenen komme, werde man die Stellen sofort schließen. Ein Abstrich werde nur genommen, wenn ein Arzt dies veranlasse. Die Landesregierung mahnte die Saarländer angesichts des Ansturms auf die Test-Stationen zur Besonnenheit.

Die Stationen in Neunkirchen, Saarbrücken und Dillingen waren erst am Dienstagmorgen eröffnet worden. Die Mitarbeiter waren mit jeweils 300 Tests ausgestattet worden. Der Arzt im engen Untersuchungszimmer in Saarbrücken arbeitete im Akkord. Die Tür wurde hinter den Patienten gar nicht erst geschlossen. Eintreten, Name bestätigen, Mund auf, Wattestäbchen rein – der nächste.

In Neunkirchen waren die Tests nach SZ-Informationen bereits am frühen Nachmittag aufgebraucht. Die Stadt teilte mit, die Teststation in den Räumlichkeiten des Rathauses werde vorerst geschlossen, „da die Anzahl der Patienten die aktuellen Kapazitäten vor Ort übersteigt“. KV-Chef Dr. Gunter Hauptmann riet davon ab, am Dienstag noch eine der Stationen aufzusuchen – auch nicht mit Überweisung. „Es soll sich keiner mehr auf den Weg machen“, sagte er. „Wir können das auf Dauer nicht leisten. Das geht so nicht.“

Angesichts von hunderten Testab­strichen sagte Hauptmann: „Es ist explodiert.“ Er sieht die Vielzahl von Abstrichen mehr als kritisch: „Wir wissen und stellen fest, dass über 90 Prozent der Tests, die durchgeführt werden, unnötig sind.“ Damit verbrauche man ärztliche Zeit und Material – auch Schutzanzüge.

Ab dem heutigen Mittwoch, 12 Uhr, sollen die Tests an ein bis zwei zentralen Standorten durchgeführt werden, die am Morgen bekanntgegeben werden. Dort soll ein Sicherheitsdienst für einen geregelten Ablauf sorgen. Laut KV ist die Zentralisierung auch deshalb notwendig, weil es an den bisherigen Standorten wegen des großen Andrangs Widerstände von Anwohnern und zum Teil Vermietern gab.