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Nach Stress um Mathe-Abitur: Prüflinge im Saarland können mit besseren Noten rechnen

Nach Stress um Mathe-Abitur : Prüflinge im Saarland können mit besseren Noten rechnen

Die Klausuren im Abiturfach Mathematik sind korrigiert, die Ergebnisse gingen Mittwochmittag (29. Mai) den Schulen zu. Demnach können die Lehrer eine andere Bewertungsskala anlegen, die den Notenschnitt hebt.

Sollten die Schüler mit ihren Protesten gegen das Mathe-Abi Recht behalten? Offensichtlich waren die Prüfungen schwerer als in den Vorjahren und sorgten für schlechtere Noten. Denn mit den Ergebnissen der Korrektoren erhielten die Schulen im Saarland am Mittag auch eine neue Bewertungsskala. Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung erreichen die Schüler damit bessere Noten als nach den vorherigen Richtwerten. So soll das Bildungsministerium den Anspruch an den Prozentsatz richtiger Lösungen nach unten geschraubt haben. Das wirkt sich auf den Notenspiegel aus.

Ansprüche nach unten korrigiert

Mit dieser im Internet gestarteten Protestnote wollen Schüler im Saarland auf einen Kompromiss bei der Bewertung der Abiturklausuren Mathematik hinwirken. Foto: Matthias Zimmermann

Nach denen der Redaktion vorliegenden Tabellen reicht es jetzt beispielsweise aus, 95 Prozent der Aufgaben gelöst zu haben, um 15 Punkte, also eine 1+ zu erreichen. Zuvor waren 97 Prozent verlangt. Hintergrund: Die Noten sind an der gymnasialen Oberstufe in ein Punktesystem unterteilt. So entsprechen die Punkte 15, 14 und 13 den klassischen Noten sehr gut von 1+ über 1 bis 1-. Dies setzt sich entsprechend bis zur Note ungenügend (6) mit null Punkten fort.

Saar-Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD). Foto: BeckerBredel

Minister will sich Freitag äußern

Katja Oltmanns, Vorsitzende der Landeselternvertretung an Gymnasien im Saarland. Foto: Robby Lorenz

Die Ergebnisse der Korrektorenkonferenz zum Mathematik-Abitur sollen nach SZ-Informationen ergeben haben, dass bisher sehr gute Schüler schlechter abschnitten und schlechte Schüler besser. Dies deute auf etwaige Probleme bei der Aufgabenstellung hin. Ob dies im Zusammenhang mit Abweichungen zum Lehrplan steht, ist noch unklar. Ministeriumssprecherin Marija Herceg verwies auf eine für Freitag, 31. Mai, geplante Pressemitteilung. Zuvor gebe es keine Auskunft. Herceg begründet dies auf Anfrage: „Wir wollen zuerst alle Beteiligten informieren.“

Kurz nach den Klausuren Anfang Mai: Protesthaltung gegen den Verlauf der saarländischen Abiturprüfungen im Fach Mathematik (von links): Petitionsinitiator Philipp Martini (Schülersprecher am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium in Saarbrücken), Landesschülersprecher Usamah Hammoud und Jonah Moser (Willi-Graf-Schule, Saarbrücken). Foto: Paul-Lukas Wagner (LSV)

Treffen mit Landesschülervertreter

So steht nach entsprechenden Informationen noch diesen Mittwoch ein Treffen zwischen Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) und Landesschülersprecher Usamah Hammoud an. Bislang liegen ihm noch keine Prüfungsergebnisse vor, sagte er auf Nachfrage.

Elternvertreter fordern umfassende Aufklärung

Unabhängig davon schickt am Mittwoch die Landeselternvertretung an Gymnasien (LEV) einen Brief im Zusammenhang mit den Abiturprüfungen im Fach Mathematik an den Minister. Darin fordert LEV-Vorsitzende Katja Oltmanns eine „umfassende Aufklärung zu den kritisierten Aufgaben“. Gleichzeitig setzen die Elternvertreter auf eine „größtmögliche Transparenz“ Oltmanns kritisiert in dem Brief: „Die Landeselternvertretung wurde aber seitens des Ministeriums bislang nicht informiert, sondern musste sich die Informationen selbst oder über die Medien besorgen. Das ist aus unserer Sicht weder transparent noch kooperativ.“ So verlange die LEV Belege dafür, dass die Aufgaben aus dem Abitur Bestandteil des Lehrplans waren, wie vom Ministerium behauptet. Um die Aufgaben zeitnah einsehen zu können, sollten sie künftig nach den Nachprüfungsterminen veröffentlicht werden. Gleichzeitig wollen die Elternvertreter erfahren, welche Konsequenzen aus dem jetzigen Abitur gezogen werden.

Online-Petition aus Protest

Direkt nach Ende der Matheklausuren am Freitag, 3. Mai, hatten landesweit Schüler eine Online-Petition aus Protest gegen die aus ihrer Sicht zu schweren Abituraufgaben gestartet. Tausende unterzeichneten die an Commerçon gerichtete Protestnote.

Unterstützung erhielten sie dabei von der Landesschülervertretung.

Der Minister versicherte wenige Tage danach eine faire Benotung und Konsequenzen, sollten Unregelmäßigkeiten festgestellt werden. In elf weiteren Bundesländern gingen ebenfalls Abiturienten nach den Prüfungen im Fach Mathe wegen gleicher Vorwürfe auf die Barrikaden.

Auch im saarländischen Landtag debattierten die Parlamentarier wenige Tage nach dem Abitur im Bildungsausschuss und verlangten Aufklärung.