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Prominente Helfer im Kampf gegen die Pandemie

Zwei ehemalige Ministerinnen und eine frühere Krankenhaus-Chefin : Prominente Helferinnen im Kampf gegen Corona

Zwei ehemalige SPD-Ministerinnen und eine frühere Krankenhaus-Chefin sind jetzt Mitarbeiterinnen eines Gesundheitsamtes.

Im Regionalverband Saarbrücken bekommt das Gesundheitsamt bei der Eindämmung der Corona-Pandemie seit Monaten prominente Unterstützung. Die ehemaligen SPD-Ministerinnen Barbara Wackernagel-Jacobs und Margit Conrad sowie die frühere Winterberg-Chefin Susann Breßlein arbeiten mit.

Barbara Wackernagel-Jacobs (70), von 1991 bis 1999 erst Staatssekretärin, dann Ministerin im saarländischen Sozial- und Gesundheitsministerium, arbeitet im Gesundheitsamt des Regionalverbandes Saarbrücken:

„Eingesetzt bin ich in der Fallermittlung, das heißt ich spreche mit den Indexpatientinnen und -patienten, ermittele deren Kontakte und helfe so mit, Infektionsketten zu unterbrechen. Ich habe mich gemeldet, da dringend Personen gesucht wurden und weil mich das passive Beobachten des Pandemiegeschehens sehr beunruhigt hat – milde formuliert….. Aktiv mitzumachen gibt das Gefühl, wenigstens einen „Millimeter“ bewegen zu können. Und obwohl – oder weil – ich nun näher dran bin und mehr weiß, hat es meinen Zugang sachlicher gemacht, die Ohnmacht ein klein wenig relativiert.

Darüber hinaus ist ja mein Credo ohnehin, dass Ruhestand nicht mein Ding ist: Es ist und bleibt auch in dieser Corona-Zeit wichtig, eine Aufgabe zu haben oder zu behalten, das gibt Tagesstruktur, hält aktiv, man bleibt eingebunden in das gesellschaftliche Geschehen und es vermittelt Kompetenzerfahrung. Das tut gut, übrigens in jedem Alter!“

Margit Conrad (68), von 1991 bis 2001 Saarbrücker Bürgermeisterin und von 2001 bis 2014 rheinland-pfälzische Landesministerin. Die Fachärztin für Innere Medizin sitzt an der Corona-Hotline des Regionalverbandes:

„Für mich war es von Anfang an selbstverständlich, dass ich mich als Ärztin bei Bedarf zur Verfügung stelle zur Pandemiebekämpfung. Das tun viele, Ärztinnen und Ärzte, Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, aber auch Studentinnen und Studenten, Soldatinnen und Soldaten etc. und ist insofern für mich nichts Besonderes. Ich habe  großen Respekt vor dem Engagement und dem Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsamt, tagtäglich und seit fast elf Monaten, auch an den Wochenenden. Und wenn jemand seine Wertschätzung dafür tatsächlich zum Ausdruck bringen will, dann am besten  mit Abstand, mit Maske und der Minimierung der Kontakte.

Und wenn die Pandemie einmal vorbei ist, mit Geduld und Zuversicht, würde ich mich freuen, wenn man sich daran erinnert, dass es in Deutschland eine Schlüsselbehörde der Pandemiebekämpfung gab und gibt, die öffentliche Gesundheitsvorsorge, mit einem großen Aufgabenspektrum, um die uns andere beneiden. Und es nicht bei schönen Worten belassen.“

Susann Breßlein (63), von 1993 bis 2019 Geschäftsführerin des Klinikums Saarbrücken (Winterberg), sitzt wie Conrad an der Hotline, die für Fragen von positiv Getesteten und ihren Kontaktpersonen sowie zum Testzentrum zuständig ist:

„Die Tätigkeit an der Hotline macht mir viel Spaß. Die Unterstützung der Kolleginnen aus dem Gesundheitsamt hat mir sehr geholfen. Dennoch ist es durchaus stressig, ununterbrochen zu telefonieren. Täglich begegnen einem skurrile Dinge und bisher nicht gekannte Einblicke in Lebenswelten von Familien.

Eine Anruferin, deren Elternteil an/mit Covid-19 gestorben ist, fragte an der Hotline, ob sie dafür eine „Prämie“ bekäme. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass sie einen Zuschuss zur Beerdigung meinte. Ein Mädchen „bettelte“ während der Quarantäne (vergeblich) darum, endlich wieder in die Schule gehen zu können – sie möchte später studieren und will nicht zu viel versäumen.

Die ehemalige rheinland-pfälzsiche Ministerin Margit Conrad Foto: Iris Maria Maurer
Susann Breßlein Foto: Klinik/Iris Maurer/IRIS_MARIA_MAURER

Erschreckend viele (auch junge) Menschen leben ganz alleine, haben niemanden, der während ihrer Quarantäne ihren Hund ausführt oder für sie einkauft, und fragen verzweifelt nach Hilfe. Ich verweise dann auf „Bürger helfen Bürgern“, „Nachbarschaftshilfe.de“ oder für die Tiere gegebenenfalls auch ans Tierheim. Zu viele Anruferinnen und Anrufer möchten mit mir „alles mal so ganz allgemein“ auf Sinnhaftigkeit besprechen.