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Präsident der Ärztekammer Saarland warnt: Neue Corona Regeln werden nicht ausreichen

Mediziner fordern strenges 2G und Impfpflicht : Präsident der Saar-Ärztekammer: Medizinische Versorgung wird „an die Grenzen ihrer Belastbarkeit“ gebracht

Der Präsident der saarländischen Ärztekammer hat sich am Mittwoch zu der aktuellen Corona-Lage geäußert. Die Kammer begrüßt die verschärften Regeln, die im Saarland und im Bund eingeführt werden sollen – diese würden aber nicht ausreichen. Was nach Ansicht der Mediziner jetzt getan werden muss. Und welche düstere Prognose droht.

Die Corona-Lage in ganz Deutschland verschärft sich zusehends. Auch im Saarland wurden am Mittwoch neue Rekorde an Neuinfektionen und Inzidenz erreicht. Von Tag zu Tag schlechter wird außerdem die Situation in den Kliniken. Auf Bundesebene wird morgen auf der Bund-Länder-Konferenz über das weitere Vorgehen beraten, die mögliche Ampel-Koalition hat bereits mögliche Verschärfungen der bundesweiten Corona-Regeln diskutiert. Auch im Saarland drohen Verschärfungen, unter anderem 2G in Innenräumen – auch diese müssen aber erst noch beschlossen werden.

„Die Ärztekammer des Saarlandes begrüßt, das Land und Bund ihre Corona-Maßnahmen nachbessern wollen“, teilte Dr. Josef Mischo, der Präsident der saarländischen Ärztekammer, am Mittwoch mit. Aber: „Angesichts der folgenschweren Entwicklung werden die angekündigten neuen Regeln nicht ausreichen.“

Medizinische Versorgung an Grenze der Belastbarkeit

Um die aktuell weiter an Fahrt aufnehmende vierte Corona-Welle zu brechen, brauche es jetzt entschlossenes Handeln. Dazu gehöre eine einheitliche 2G-Regelung als zwingende Zutrittsvoraussetzungen in Bereichen des öffentlichen Lebens. In Innenräumen müsse außerdem ein Testnachweis verpflichtend werden – auch für bereits geimpfte Menschen. Größere Veranstaltungen sollten in der aktuellen Lage laut Mischo nicht mehr stattfinden. Sie sollten auf ein Minimum reduziert werden.

Darüber hinaus unterstütze man bei der Ärztekammer eine Verpflichtung zu 3G am Arbeitsplatz sowie die Wiedereinführung einer Home-Office Pflicht. „Notwendig sind Kontaktbeschränkungen um bis zu 30 Prozent sowie eine nochmalige deutliche Erhöhung der Impfquote“, betont Mischo.

Impfpflicht sollte eingeführt werden

Menschen, die beruflich mit Kranken, Geschwächten und Menschen, die sich nicht impfen lassen können, zu tun haben, sollten außerdem einer Impfpflicht unterliegen. Konkret, so Mischo, gehe es hierbei um Personal im Gesundheits- und Pflegebereich, um Pädagoginnen und Pädagogen in Schulen oder Kitas sowie um staatlichen Institutionen wie der Polizei.

Gleichzeitig appelliert der Präsident der Ärztekammer an den noch ungeimpften Teil der Bevölkerung: „Die Risiken der Impfung sind dramatisch niedriger als das Risiko, an Covid-19 zu erkranken und zu versterben. Jeder kann und sollte seine Sorgen und Ängste mit einem Arzt besprechen und danach eine verantwortungsbewusste Entscheidung treffen.“ Insbesondere aufgrund der aktuell vorherrschenden Delta-Variante benötige man nach aktueller Studienlage eine Impfquote von circa 90 Prozent, um Herdenimmunität zu erreichen.

Auch die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Schutzmasken tragen) seien aber nach wie vor von größter Wichtigkeit. Die Impfung dürfe nicht zu trügerischer Sicherheit führen, da auch Geimpfte das Virus übertragen können.

Besonders gefährdete Personen wie Menschen mit Vorerkrankungen, Bewohner von Pflegeheimen oder Menschen über 70 sollten außerdem die angebotenen Booster-Impfungen nutzen, um sich zu schützen.

Düstere Prognose

 Die aktuellen Hochrechnungen für die nächsten Tage und Wochen sehen derweil einen fatalen Verlauf der Corona-Zahlen. 60 000 Infizierte und mehr pro Tag und bis zu 270 000 neue Intensivpatienten könnten auf Deutschland zukommen, warnt die Ärztekammer. Bundesweit könnten schließlich täglich zwischen 400 und 500 Menschen an ihrer Covid-Erkrankung sterben – 85 Prozent davon Ungeimpfte.